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Mit der blinden Musikerin Ciara Moser bei der Premiere des Films Licht

Bildtext: Die junge Musikerin im Gespräch mit der Filmemacherin Barbara Albert © BSVWNB/Ursula Müller
Bildtext: Die junge Musikerin im Gespräch mit der Filmemacherin Barbara Albert © BSVWNB/Ursula Müller. Im Kinofoyer stehen Ciara Moser und Barbara Albert vor einem Filmplakat und sind in ein Gespräch vertieft

Der Film Licht zeigt die wahre und folgenreiche Begegnung der hochbegabten, blinden Musikerin Maria Theresia Paradis mit dem populären wie umstrittenen Arzt und Wunderheiler Franz Anton Mesmer im Jahr 1777.

Wer ist diese junge virtuose Pianistin, die beim Spielen die Augen verdreht, das Gesicht verzieht und mit dem Körper wackelt? Die ehrgeizigen Eltern veranstalten Konzerte, vermarkten ihr Wunderkind, steigern so ihr gesellschaftliches Ansehen und Einkommen. Und die höfische Gesellschaft gafft, bewundert das Talent und macht sich lustig über das Aussehen der jungen Frau.

Ciara Moser, die in Wien Musik studiert und auch blind ist, findet, dass das Publikum heute nicht viel anders reagiere, Blindheit habe einen hohen Wiedererkennungswert, trage dazu bei, bekannt zu werden. „Wenn jemand in Wien fragt: ‚Ciara, wer ist das?‘ Dann fällt vielen gleich ein: ‚Ah, das ist ja die blinde Bassistin.‘“

Maria Theresia Paradis ist die Tochter eines Wiener Hofbeamten. Das begabte Kind, das im Alter von drei Jahren plötzlich und unerwartet erblindet, erhält eine ausgezeichnete musikalische Ausbildung und tritt seit ihrem 16. Lebensjahr regelmäßig auf. Später wird sie in ganz Europa Konzerte geben, in Wien einen Musiksalon führen und eine Klavierschule für blinde und sehende Mädchen gründen und leiten.

Die Eltern lassen nichts unversucht, damit ihre Tochter wieder sehen kann. Sie muss schmerzhafte Behandlungen mit Quecksilber oder elektrischen Stößen über sich ergehen lassen. Doch nichts hilft. Schließlich bringen sie die 18 jährige Resi, wie sie im Film meist genannt wird, zu Dr. Franz Anton Mesmer. Der bekannte wie umstrittene Arzt lebt mit seinen Patientinnen und Patienten und den Dienstboten im Palais seiner reichen Frau. Seine neuartige Behandlung mit dem magnetischen Fluidum ist äußerst umstritten.

Der hochmusikalische Arzt ermutigt Resi, die schwere Perücke und einengende Roben abzulegen. Er hört ihr zu, spricht und musiziert mit ihr. Langsam beginnt die junge Frau verschwommen zu sehen und ein Gespür für sich selbst zu entwickeln.

Der einfühlsame wie ehrgeizige Dr. Mesmer sieht seine große Chance gekommen. Dieser Fall soll ihm endlich die Aufnahme in die Akademie, die lang ersehnte universitäre Anerkennung bringen. Wieder wird Resi vorgeführt, diesmal um ihre Heilung zu beweisen. Mutig verteidigt sie Dr. Mesmer, der von den Kollegen angegriffen und als Scharlatan abgelehnt wird.

Im Haus des Arztes, wo Resi ungefähr drei Monate verbringt, sorgt die Kammerzofe Agnes für das persönliche Wohl der Jungfer Paradis. Zwischen den beiden jungen Frauen, die ganz unterschiedlichen gesellschaftlichen Schichten angehören, entwickelt sich langsam eine freundschaftliche Beziehung. Resi, die wieder sehen kann, findet Agi schön.

Ciara Moser sagt, die Kammerzofe sei cool, weil sie so im Hintergrund für die Resi da ist. „Ich hab‘ auch Freunde, die für mich da sind, egal was passiert. Freunde, die nicht meine Blindheit sehen, sondern die mich selbst sehen.“ Um Sehen und gesehen werden geht es immer wieder in diesem Film, der die Geschichte der Paradis vielschichtig und in einprägsamen Bildern, die mitunter wie Gemälde wirken, erzählt.

Mit der neu gewonnenen Fähigkeit, Dinge wahrzunehmen, geht für Resi eine erschreckende Entwicklung einher. Es verunsichert und irritiert sie, beim Spielen ihre Hände zu sehen. Sie verliert ihre große Könnerschaft, ihre Virtuosität. Als der Vater erkennt, dass die begabte Tochter nicht mehr so spielt wie früher, verlangt er wutentbrannt den sofortigen Abbruch der Kur. Resi wehrt sich, wendet sich an Dr. Mesmer, doch er hilft ihr nicht und so muss sie sich schließlich dem Willen des Vaters beugen. Die junge Musikerin kehrt in das Haus ihrer Eltern und in den Zustand der Blindheit zurück.

Die junge Gitarristin Ciara Moser empfindet Mitgefühl und Sympathie für die Protagonistin, die von Vater und Mutter gedrillt und lieblos behandelt wird, unter einem großen Erwartungsdruck steht und dennoch aufmüpfig und offen sei. Und ja, das gebe es heute genauso wie damals, dass Eltern ihre Kinder antreiben, noch mehr zu üben, noch besser zu werden. „Ich sehe das manchmal bei anderen Musikern, welche negativen Auswirkungen das hat.“

Am Ende des Films gibt die blinde Virtuosin wieder ein Konzert. Mit großer Befriedigung zählt die Mutter die Namen der noblen Leute auf, die zur Aufführung kommen werden. Doch Resi weist sie in die Schranken. Mit Konzentration und Hingabe widmet sie sich dem Spiel und der Musik.

Maria Dragus verkörpert überzeugend und facettenreich die blinde Pianistin. Die junge deutsche Schauspielerin habe sich, so erzählt die Regisseurin Barbara Albert, intensiv auf diese Rolle vorbereitet. Sie habe eine blinde Frau über längere Zeit im Alltag begleitet und versucht, ein körperliches Gefühl für die Rolle zu entwickeln.

Die Idee zum Film kam Barbara Albert bei der Lektüre des Buches Am Anfang war die Nacht Musik von Alissa Walser. Diese hochbegabte Musikerin, die benutzt, beschnitten und herumgeschubst wurde, habe sie berührt. Und ihr Film zeige auch eine Geschichte der Emanzipation vor dem Hintergrund der Wiener Gesellschaft der Rokokozeit.

Licht, Barbara Alberts überaus sehenswerter Film über Maria Theresia Paradis ist ab Freitag, dem 10.11.2017 in den österreichischen Kinos zu sehen. Die Audiodeskription ist verfügbar.

Ciara Moser ist in dem Film Flow von Carola Mair zu sehen.
Und sie ist auch am 11.11.2017 im Wiener Rathaus bei Life goes on - der Gala mit Herz dabei, wo sie eine Auszeichnung erhalten wird.


Mag. Ursula Müller 9. November 2017

Bildtext: Ciara checkt auf ihrem Smartphone die Audiodeskription © BSVWNB/Ursula Müller
Ciara Moser steht im Kinfoyer mit ihrem Smartphone in der rechten Hand, das sie mit links bedient
Bildtext: Mit der blinden Gitarristin Ciara Moser bei der Filmpremiere von LICHT © BSVWNB/Ursula Müller
Ciara Moser mit dem weißen Stock in der rechten Hand vor dem Kinoeingang mit angebrachten Filmplakaten von LICHT