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„Mein Blind Date mit dem Leben“

Bildtext: Filmplakat "Mein Blind Date mit dem Leben" (c) Constantin Film
Bildtext: Filmplakat "Mein Blind Date mit dem Leben" (c) Constantin Film. Filmplakat "Mein Blind Date mit dem Leben"

Am 27. Jänner 2017 startete "Mein Blind Date mit dem Leben" im Kino. Wir haben den Film vorab mit zwei jungen sehbehinderten Männern angeschaut und sie um ihre Meinung gebeten. Wie realistisch ist die Darstellung des Lebens mit Sehbehinderung?

Im Film lernen wir den jungen sehbehinderten Saliya kennen, der unbedingt in einem Luxushotel arbeiten möchte. Er verschweigt, dass er fast blind ist - und bekommt die Stelle ...

Sebastian, 31, treibt gerade sein Studium der Betriebswirtschaft und Wirtschaftspsychologie mit Hochdruck voran. Armend, 21, hat wie Sebastian die Netzhauterkrankung Retinitis Pigmentosa, lässt sich durch die Sehbehinderung aber ebenfalls in seiner Lebensplanung nicht behindern: Seit kurzem arbeitet er erfolgreich als Netzwerkadministrator und Programmierer.

 

Eine gelungene Darstellung


Der Film und vor allem die Darstellung des Saliya Kahawatte sowie seine subjektive Sichtweise, die in Zwischenschnitten immer wieder gezeigt wird, gefällt den beiden jungen Männern. Sebastian kann sich mit der Figur absolut identifizieren: „Bis Anfang 20 war das mein Weg, ich habe es genauso praktiziert: Jedes Mal, wenn es gegangen ist, habe ich meine Sehbehinderung versteckt. Und mithilfe von ein oder zwei Leuten habe ich das Unmögliche möglich gemacht und meine Situation erfolgreich vertuscht.“

Sebastian betont aber auch wie wichtig es für jeden Betroffenen ist ist, Hilfe anzunehmen. Im Film wird genau das immer wieder gezeigt: Freunde, Kollegen und Familienmitglieder von Saliya sind für ihn da: immer mit dem Ziel, dass er selbstständiger leben und arbeiten kann. Sie zählen für ihn die Treppen bis ins nächste Stockwerk, damit er auf der obersten Stufe nicht stolpert. Und sie üben mit ihm nach Feierabend die Handgriffe zum Cocktailmixen. Immer und immer wieder, bis jeder Handgriff sitzt.
 
Sebastian und Armend freuen sich besonders über die Selbstständigkeit, die Saliya Kahawatte im Film lebt und ausstrahlt. In einer Szene zu Beginn hört er bei der Arbeitsagentur: „Herr Kahawatte, seien Sie realistisch, hören Sie auf zu träumen!“ Diesen Satz kann Saliya längst nicht mehr hören. Und er denkt gar nicht daran, diesem für ihn unsinnigen Rat zu folgen. Er lebt seinen Traum.

 

Realitätsnahes Kino, basierend auf einer wahren Geschichte

Auch die Sehbehinderung wird visuell auf eine Art gezeigt, die realitätsnah ist und die der Zuschauer gut verstehen kann. Das Bild wird sehr unscharf, wenn man eine Szene aus Saliyas Perspektive verfolgt. Auch als Zuseher im Kino vermag man sich vorzustellen, wie schwer es sein muss, mit so einem Sehrest einen Cocktail auf den Milliliter genau zu mixen.

Der Saliya im Film wird nicht mit Samthandschuhen angefasst, er hat aufgrund seiner Sehbehinderung weder eine Opferrolle noch ist er der "Arme". Es ist erfrischend, dass das Thema "Blindheit" bzw. "Sehbehinderung" auf so positive Weise in einem aktuellen Spielfilm gezeigt wird. Der deutsche Spielfilm basiert auf der wahren Geschichte von Saliya Kahawatte: 15 Jahre lang verheimlichte er seine hochgradige Sehbehinderung am Arbeitsplatz in der Hotellerie und machte dies schließlich in seiner gleichnamigen Autobiographie öffentlich.

 

Rückschläge und Hoffnungslosigkeit

Der reale Saliya Kahawatte schildert diese Einstellung so: „Nach vielen Rückschlägen und trotz scheinbarer Hoffnungslosigkeit begann ich mein Handikap nicht als Behinderung, sondern als Herausforderung anzunehmen. Mit dieser Einstellung schaffte ich das Abitur, absolvierte eine Ausbildung als Hotelfachmann, machte trotz meines Augenfehlers Karriere in der Spitzenhotellerie und absolvierte als erster hochgradig Sehbehinderter ein Management-Studium.“

In Kooperation mit dem Constantin Film Verleih und dem Cercle Diplomatique war der BSVWNB eine Woche vor dem Kinostart Ende Jänner bei einer Preview des neuen Films mit dabei.

 

Audiodeskription ist verfügbar

Ein eindrucksvoller, beispielhafter Weg und ein sehr empfehlenswerter Film, für den es über die App „Greta“ natürlich auch eine Audiokommentierung gibt.

Bildtext: Vertreter des BSVWNB, von Constantin Film, Village Cinemas und Cercle Diplomatique kurz vor der Preview von "Mein Blind Date mit dem Leben" © DODGE and BURN/CERCLE DIPLOMATIQUE