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"Es macht mir Freude, mit Menschen zu arbeiten"

Karin Buchacher, die am Empfang des Massagefachinstituts im Louis Braille Haus in Wien arbeitet, hat mehrere abgeschlossene Berufsausbildungen und unterschiedliche Berufserfahrungen.

Wie, Frau Buchacher, schaut Ihre Tätigkeit aus?

Ich empfange unsere KundInnen, begleite sie zur Massagekabine oder informiere unsere MasseurInnen, wer als nächstes drankommt. Ich mache Termine aus, telefonisch oder persönlich, und verwalte die KundInnenkartei. Dann schreibe ich am Computer Rechnungen, und kassiere, wenn die Leute gleich nach der Massage zahlen. Ich verfasse E-Mails und beantworte Anfragen. Und zwischendurch nehme ich mir ein bisschen Zeit für Small Talk, viele unserer KundInnen sind sehr umgänglich und freuen sich, wenn man mit ihnen ein wenig plaudert.

Wie haben Sie diesen Job gefunden?

Ich habe damals Ernährungswissenschaften studiert. Im Jahr 2014, gegen Ende des Studiums habe ich einen Job gesucht und bin zum AMS gegangen. Dort wurde mir geraten, mich an die Berufliche Assistenz des Blinden- und Sehbehindertenverbands zu wenden. Denn ich bin von Geburt an sehr stark kurzsichtig und hatte im Alter von 25 Jahren eine Netzhautablösung am rechten Auge. Ich habe also dort angerufen und gleich einen Beratungstermin ausgemacht. Es ist dann alles sehr schnell gegangen. Meine Arbeitsassistentin war von meinem Lebenslauf und meinen Ausbildungen begeistert. Sie hat mir vorgeschlagen, dass ich mich gleich im Massagefachinstitut bewerben sollte, wo gerade jemand für den Empfang gesucht wurde. Im Jänner 2015 habe ich dort zu arbeiten begonnen.

Sie haben nach der Pflichtschule eine Lehre zur landwirtschaftlichen Gärtnerin gemacht, sich mit Obst-, Gemüse- und Pflanzenanbau beschäftigt und später die Meisterprüfung abgelegt. Aufgrund der Netzhautablösung konnten Sie diese körperlich anstrengende Tätigkeit nicht mehr ausüben. So haben Sie sich zur Bürokauffrau umschulen lassen, im Sekretariat eines Krankenhauses gearbeitet und nebenbei die Berufsreifeprüfung gemacht. Danach haben Sie zu studieren begonnen. Konnten Sie Ihr Studium der Ernährungswissenschaften neben der Arbeit fortsetzen?

Nein, das habe ich nicht geschafft. Das war für meine Augen einfach zu viel. Es ist für mich sehr anstrengend, Skripten zu lesen. Nachdem ich einige Jahre gearbeitet hatte, wollte ich mein Studium aber abschließen. Mir ist die Sache schon richtig im Magen gelegen. Es wäre so schade gewesen, denn es haben mir nur noch fünf Prüfungen gefehlt. So habe ich mich wieder an meine Arbeitsassistentin gewandt und sie hat mich dabei unterstützt, Bildungskarenz zu nehmen. Dieses Jahr habe ich genützt, um meinen Bachelor, meinen Abschluss zu machen.

Welche Hilfsmittel verwenden Sie an Ihrem Arbeitsplatz beim Empfang des Massagefachinstituts?

Ich benütze einen extra großen Bildschirm mit einem Schwenkarm. Am Computer verwende ich für das Registrierkassensystem ein Vergrößerungsprogramm, weil ich es sonst nicht lesen könnte. Bei mir kommt noch dazu, dass ich extrem lichtempfindlich bin. Je heller das Licht, desto schlechter sehe ich. Deshalb trage ich bei der Arbeit eine spezielle Brille, eine Gleitsichtbrille mit Kantenfiltergläsern, um meine Augen vor starkem Licht zu schützen. Im Empfangsbereich wurden Lampen installiert, die meinen blend- und lichtempfindlichen Augen angepasst sind. Zusätzlich habe ich noch eine blendfreie Tischlampe.

Sie begeistern sich schon seit Ihrer Jugend für Musicals und für das Theater, sind selbst auf der Bühne gestanden und haben eine zweijähre Ausbildung zur Theaterpädagogin gemacht, die berufsbegleitend, also vor allem an den Wochenenden stattgefunden hat.

Ich wollte das unbedingt machen, weil ich das Theaterspielen liebe und weil ich einmal mit Menschen, die blind oder sehbehindert sind, Theater spielen möchte. Man kann damit viel erreichen. Ich weiß dies aus eigener Erfahrung. Gerade Leute, die blind oder sehbehindert sind, haben oft wenig Selbstwertgefühl und sind sich oft nicht bewusst, was sie alles können. Von der Gesellschaft wird ihnen auch nicht viel zugetraut. Mich hat diese Art des Spielens freier und selbstbewusster gemacht. Das möchte ich weitergeben. Auch bei meinem Vorhaben, diese Ausbildung in Theaterpädagogik zu machen, wurde ich von meiner Beraterin bei der Beruflichen Assistenz sehr unterstützt. Sie hat mir geholfen, eine Förderung dafür zu bekommen.

Sie wurden von der Beruflichen Assistenz in verschiedenen Bereichen unterstützt. Was war für Sie besonders hilfreich?

Für mich war ganz besonders wichtig zu wissen, dass jemand da ist, wenn ich Hilfe brauche. Dass ich mich an meine Arbeitsassistentin wenden kann, wenn ich Unterstützung benötige. Und es war für mich sehr wertvoll, dass ich immer wieder gespürt habe, dass meine Arbeitsassistentin meine Fähigkeiten und Qualifikationen schätzt. Das hat mich sehr bestärkt und gestärkt. Ich finde, dass die Berufliche Assistenz eine großartige Institution ist und ich bin dankbar, dass ich ihre Kundin sein darf.

Die Unterstützung, die Karin Buchacher von der BAABSV GmbH erhielt, wurde vom Sozialministeriumservice Landesstelle Wien finanziert.

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