Springe zur NavigationSpringe zur SucheSpringe zum den BreadcrumbsSpringe zum InhaltSpringe zum Footer
Inhalt
Aktuelles
Ein Mann und zwei Frauen stehen vor Stufen und Büschen nebeneinander, alle haben die Augen mit Augenbinden verdeckt und halten je einen ausgeklappten Weißen Stock in Händen.
Bildinfo: Richard, Patricia und Denise: Das dynamische Trio, damals noch in Ausbildung. © BSVWNB

Akademielehrgang Orientierung & Mobilität

Unsere Ausbildung zur Fachkraft im Bereich „Orientierung & Mobilität für blinde und sehbeeinträchtigte Menschen“ geht in die zweite Runde!

Marianne Kern war über 25 Jahre Trainerin für Orientierung & Mobilität im BSVWNB. Drei Jahre vor ihrem Pensionsantritt fing sie an, sich Gedanken über ihre Nachfolge zu machen. Als eine von zwei Trainerinnen im Blindenverband WNB wusste sie natürlich um den allgemeinen Trainermangel im gesamten deutschsprachigen Raum. Auf Initiative des BSVWNB, der lange vergeblich auf der Suche nach einer geeigneten Nachfolge war, reifte die Idee einer Ausbildung von neuen Fachkräften im eigenen Haus heran – eine Idee, die erstmals im Jahr 2019 vom Blindenverband WNB mit Marianne Kern als Ausbildungsleiterin erfolgreich realisiert wurde. Anfang Mai 2021 beginnt bereits der zweite Akademielehrgang!

Mit Unterstützung der Rehabilitationsfachkräfte Elisabeth Pikhart und Doris Hutterer setzte Marianne Kern 2019 ein Projekt in die Tat um, das ihr im Vorfeld nicht machbar vorgekommen sei: „Der Zeitdruck vor der Pensionierung ist immer größer geworden. Der BSVWNB hat sich schließlich, nach Gesprächen mit dem Sozialministeriumservice, dazu entschlossen, selbst jemand auszubilden. Das wird sehr schwierig werden, das wusste ich. Als wir uns aber dafür entschieden hatten, habe ich mich hingesetzt und zwei bis drei Monate rund um die Uhr Unterlagen zusammengestellt.“

Im deutschsprachigen Raum kann man diese spezifischen Ausbildungsmöglichkeiten an einer Hand abzählen. Hinzu kommen noch zahlreiche Hürden für Interessierte, wie Ausbildungsmodule im Ausland, die gleichzeitige verpflichtende Anstellung in Einrichtungen für blinde Menschen, ganz zu schweigen von den hohen Kosten oder den notwendigen Basisausbildungen. Doch gab es in Österreich bereits zuvor eine Ausbildung in verdichteter Form für Lehrpersonal von sehbehinderten Kindern in Integrationsklassen. Also warum nicht auch eine Ausbildung zur Fachkraft im Bereich „Orientierung & Mobilität für blinde und sehbeeinträchtigte Menschen“ anbieten?


Ausbildung in Theorie und Praxis

„Auch hier haben wir eine intensive Mischung aus Basisschulung und Lehrpraxis mit Klientinnen und Klienten erarbeitet“, ist Marianne Kern stolz auf den Akademielehrgang, der durch das Sozialministeriumservice anerkannt ist. Die Basisschulung umfasst bereits zahlreiche Module, beginnend bei der allgemeinen Theorie und, ganz wesentlich, Selbsterfahrung:

„Wie bei einem Klienten, der frisch erblindet ist, wird auch bei der Eigenerfahrung bei Null begonnen. So haben die drei TeilnehmerInnen des ersten Lehrgangs Anfang 2019 in einem Schulgebäude unter der Augenbinde die Orientierung geübt.“


Patricia Gottsbachner (ehemals Fischöder), eine der drei TeilnehmerInnen, erzählt über diese Anfänge: „Ich habe diesen Beruf nicht gekannt, als ich auf das Inserat gestoßen bin. Aber ich fand die Bezeichnung ansprechend und spannend. Und es wurde immer noch besser, als ich bereits zu Beginn vermutet hatte!“ Gerade die Selbsterfahrung war für sie ein wesentlicher Aspekt im Rahmen der Ausbildung, all die herausfordernden Situationen kennenzulernen, vor die ein stark sehbehinderter oder blinder Mensch gestellt wird.

Auch Richard Jäkel aus dem Trio der Auszubildenden empfand die ersten Wochen unter der Augenbinde als sehr eindrücklich: „Es war ein sehr guter Einblick, wie sich die Wahrnehmung verschiebt, wenn man nichts sieht. Wir durften ja in der ersten Zeit nicht sehend in das Schulgebäude hinein, also habe ich alles nur mit den anderen Sinnen wahrgenommen. Und was für ein Aha-Erlebnis war das einmal, als ich mich da auf einer Strecke um 180 Grad gedreht habe, ohne es zu bemerken!“

Für Denise Prager waren besonders auch die Ausbildungsstunden mit Simulationsbrillen prägend: „Nur mit diesen Erfahrungen verschiedenster Sehbehinderungen verfügt man über die nötigen Voraussetzungen, um selbst mit KlientInnen arbeiten zu können.“


Zu den Basisinhalten der Ausbildung zählen unter anderem Hilfsmittel im Unterricht, elektronische und technische Hilfsmittel, aber auch Braille-Schrift oder Low Vision, also die bestmögliche Verwendung eines verbliebenen Sehvermögens. Neben den verschiedensten Praxisinhalten wie Langstocktechnik, sichere Teilnahme am Straßenverkehr oder Techniken im Gebäude werden auch noch zusätzliche Theoriemodule behandelt, von Augenheilkunde über Audiologie bis hin zu Grundlagen barrierefreier Gestaltung im öffentlichen Raum.

Die Lehrpraxis fasst Marianne Kern so zusammen: „Alle Fertigkeiten und Techniken müssen sitzen, im Zusammenspiel von Eigenerfahrung und theoretischen Grundlagen wird das nach und nach gefestigt. Dabei passiert viel durch Korrekturen der Ausbildnerinnen, aber auch durch die gegenseitige Vermittlung der Auszubildenden, durch die Auseinandersetzung mit den Inhalten.“

„Es war schon eine deutliche Steigerung, als wir begonnen haben, die Techniken selbst zu vermitteln“, meint Patricia Gottsbachner über die Arbeit mit Klientinnen und Klienten. „Die Herausforderung, die Theorie in der Praxis an jemanden mit wenig oder ohne Sehvermögen weiterzugeben, war positiv und strapazierend zugleich. In der Nachbesprechung haben wir uns oft über mühsame Momente ausgetauscht, hatten aber auch Lachmomente, weil wir im Training einfach nicht die richtigen Worte gefunden haben.“

Richard Jäkel streicht die Notwendigkeit hervor, jede Trainingseinheit zeitnah zu dokumentieren:

„Schon in der Vorbereitung wird festgehalten, was im Training zu vermitteln ist und wie das genaue Vorgehen aussieht. In der Nachbereitung muss man definieren, auf was in der nächsten Einheit das Augenmerk zu legen ist, wie man das Training adaptieren muss.“


„Man hat auch als Trainerin Herzklopfen“

Auch für eine langjährig erfahrene Expertin wie Marianne Kern gibt es im Training bei der Ausbildung immer noch Momente mit großem Herzklopfen, etwa im Ampeltraining, „wenn man eine relativ große Kreuzung ohne akustische Ampel ´erhören´ muss, um zu wissen, wann man losgehen muss, und es dann auch macht.“ Aber unterm Strich hat alles gut funktioniert, wie sie lächelnd hinzufügt.

Im Nachhinein ist Marianne Kern, die seit Anfang 2020 ihre Pension genießt, sehr glücklich und zufrieden mit dem Verlauf der Ausbildung, die alle drei nunmehrigen Fachkräfte für Orientierung & Mobilität erfolgreich im Dezember 2019 abgeschlossen haben. „Es hätte auch schiefgehen können. Aber die drei hatten Biss, wollten es unbedingt machen und waren auch kreativ. Sie haben sogar aktiv Dinge eingefordert, und es war schön zu sehen, wie sie in die Aufgabe hineinwachsen!“

Schmunzelnd erinnert sich Patricia Gottsbachner:

„Wenn eine Ausbildnerin bei Trainings mit einem Klienten dabei war, ging schon mal sein Kopf fragend in Richtung der Ausbildnerin. Da habe ich gewusst: Das glaubt er mir jetzt nicht.“

Jetzt, als ausgebildete Fachkraft, ist für sie „das Setting und der Ablauf wie gehabt. Aber das Bewusstsein ist angenehm, Marianne eventuell noch als Telefonjoker nutzen zu können.“


Low Vision-Intensivwochen

Denise Prager über das besondere Projekt in der letzten Ausbildungsphase:

„In Piesting und Wien gab es zum ersten Mal Intensivwochen, in denen für uns drei wie auch für sechs KlientInnen alle Inhalte erneut von Null weg behandelt wurden. Und zum Glück sind wir alle super damit klargekommen!“

Richard Jäkel fand nicht nur die Gruppendynamik beeindruckend: „Dadurch, dass wir Vormittag und Nachmittag Training gehabt haben, ist bei allen derartig viel weitergegangen, das war ein tolles Erlebnis.“ Auch Teilnehmer Gregor findet, die Intensivwochen „haben Früchte getragen. Es war schon harte Arbeit, aber auch wichtig, mitzumachen und sich helfen zu lassen.“

Und das trifft für alle Trainingseinheiten zu, in denen TrainerIn und KlientIn gemeinsam und im gegenseitigen Austausch bei Herausforderungen „eine Lösung finden, die Problemstellungen auflöst und auch noch sicher ist“, wie Patricia Gottsbachner die zentrale Aufgabe ihrer Arbeit zusammenfasst. Auch Richard Jäkel freut sich über Erfolge, die sich einstellen: „Eine Low Vision-Klientin hat beim Training auf der Straße die Techniken super umgesetzt, und irgendwann hat sie mit einem Glücksgefühl gesagt: ´Richard, ich kann wieder Schauen beim Gehen, ich schau nicht mehr nur auf meine Füße, ich vertrau auf den Stock und krieg wieder mit, was rund um mich ist!´“

In diesem Sinne wünschen wir auch den neuen Auszubildenden im zweiten Akademielehrgang viel Freude und Durchhaltevermögen im Rahmen der Ausbildung, sodass sich auch für sie bald vergleichbare, erfreuliche Erfolge einstellen!

Aktuelles

Showdown, auch Tischball oder Blindentischtennis genannt, kann von allen gespielt werden. Ob jung, ob alt, ob blind, sehbehindert oder sehend.

Portraits

Für Edith List ist es ein Glückstreffer, im Hilfsmittelshop des BSV WNB arbeiten zu können.

Portraits

In Wien sind sie zuhause, in Las Vegas haben sich Nina und Juan Ruiz vor sechs Jahren das Jawort gegeben.