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Das Programmheft von Alois und Eurydike, fotografiert auf einem Tisch.
Bildinfo: Alois und Eurydike © BSVWNB/Martin Tree

Alois und Eurydike

Von einem schlechten Dichter, Heimorgeln und der Begegnung mit dem Teufel ...

Ein ziemlich anderer Theaterabend

Mit Neugierde, aber auch Skepsis machte ich mich an einem Mittwochabend Ende April auf den Weg ins Wiener Kabinetttheater in der Porzellangasse.
Auf dem Spielplan stand ein Singspiel, inszeniert von eben diesem Theater, in Kooperation mit dem ersten Wiener Heimorgelorchester (EWHO).
Angelehnt an den viel beschriebenen Orpheus-Mythos trägt es den abgewandelten Titel „Alois und Eurydike“.

Heimorgeln und eine griechische Tragödie, in der der Held Alois heißt? Kann da etwas Gescheites dabei herauskommen?..., dachte ich mir.  Sei`s drum, ausprobieren heißt die Devise!
Den Rahmen für diese Veranstaltung bildete die sogenannte „Donners-Kult“-Reihe; hier bietet der BSV WNB Kultur-Events der verschiedenen Arten für blinde und sehbehinderte Menschen an. Diesmal fanden sich auch viele sehende Personen im Publikum ein.

Und das kam so:
Einmal pro Jahr will der Blinden- und Sehbehindertenverband seinen Spender:innen die Möglichkeit geben, sich ein wenig in die Welt von blinden und sehbehinderten Menschen einzufühlen. Blinden Theaterbesuchenden bleiben viele Eindrücke in einem Stück, die man als sehende Person automatisch wahrnimmt, verborgen. Gestik, Mimik, Kostüme oder Kulisse gehören aber natürlich genauso dazu wie der durch Dialoge transportierte Inhalt. So werden mittlerweile immer mehr Theaterproduktionen mit Audiodeskription angeboten. Dabei werden Informationen, die nicht ohnehin durch Sprache vermittelt werden, durch einen sogenannten Audiokommentator beschrieben und erklärt. Blinde und sehbehinderte Personen verfolgen diese Beschreibungen zumeist über Kopfhörer.
 
Nicht so an diesem Abend. Die Audiodeskription wurde für alle hörbar gesprochen. Dem sehenden Publikum wurde empfohlen, die Augen zu schließen, um sich ganz den Beschreibungen des Kommentators hinzugeben.


Kurz zum Stück:

Die antike Geschichte von Orpheus und Eurydike dient als Vorlage für dieses ein wenig skurrile Singspiel. Alois, ein ziemlich untalentierter und sehr chaotischer Dichter, verliert seine Geliebte Eurydike. Sie stirbt und wird in das Reich der Unterwelt verbannt. Er erhält die Chance, sie zurückzubekommen, allerdings nur unter der Bedingung, dass er sich auf dem Weg aus der Unterwelt zurück nach oben nicht nach ihr umsieht und ihr auch nicht den Grund dafür nennt, warum er sie nicht ansehen darf.

Es wäre keine antike Tragödie, wenn dabei alles gutgehen würde. Und auch in der sehr wienerisch anmutenden Abwandlung kann Alois sich natürlich nicht beherrschen. Er dreht sich zu der Geliebten um und erklärt ihr noch dazu den Grund, warum er das unter keinen Umständen hätte tun dürfen.

Aber anders als im Original gibt es hier doch noch ein Happy End. Der Liebesgott Armin, der sozusagen der Strippenzieher der Handlung ist, lässt die Hochzeitglocken läuten. Und wenn sie nicht gestorben sind...
 
Begleitet wird die Handlung vom Spiel und Gesang der Wiener Heimorgler. Ähnlich dem Chor in griechischen Tragödien kommentieren und besingen sie das Geschehen auf der Bühne. Und das ausgesprochen originell. Am deutlichsten ist mir der Wiener Walzer im Vier-Vierteltakt in Erinnerung geblieben. Verschiedene Musikrichtungen mit selbstgedichteten Texten kommen zum Einsatz.
Im Anschluss durfte ich die Heimorgeln näher besichtigen. Es handelt sich hierbei um Instrumente aus den 1980er Jahren. Es waren sozusagen die ersten elektrischen Keyboards für zuhause.
 
Wie aber empfanden sehende Personen die Audiodeskription? Wie ist es, wenn ohnehin sichtbare Dinge beschrieben werden?
Ist es vielleicht manchmal ein Zuviel an akustischer Information, zumal audiodeskribiert immer dann wird, wenn es im Stück gerade keine Dialoge gibt? Das heißt, es wird oft „geplappert“...
Oder wird man durch die Beschreibungen vielleicht sogar auf Dinge aufmerksam gemacht, die man sonst vielleicht gar nicht wahrgenommen hätte?
Ich denke, das ist Geschmackssache.


Ich als blinde Theaterbesucherin hätte in diesem Stück viele schöne Eindrücke verpasst, wären diese nicht so kreativ und engagiert beschrieben worden. Denn auf der Bühne passierte so einiges, und vor allem das Bühnenbild verdiente ausführliche Kommentare.
 
Da gab es zum Beispiel die Figur des Teufels, gespielt von einer Handpuppe. Sie trug rot/schwarze Kleidung, hatte an einem Fuß einen roten Stöckelschuh, das andere Bein war ein Ziegenfuß. Er schlurfte über die Bühne, drehte sich dann zum Publikum und funkelte dieses mit seinen leuchtenden Augen an.
Ohne Beschreibung hätte ich das Erscheinen dieser Figur nicht einmal bemerkt.
 
Die Unterwelt war ausgesprochen phantasievoll gestaltet:

Hier gab es Blumen, Bäume und verschiedene Tiere, die allerhand Bewegungen ausführen konnten. Ein Regenbogen spannte sich über das Firmament. Der Tiger begrüßte den Hasen, der Bär saß friedlich neben der Zebraherde, alles idyllisch und harmonisch. „Fast kitschig“, kommentierte der Audiodeskriptor und verletzte damit eigentlich eine Regel der Audiodeskription. Denn die Kommentare sollten eigentlich immer sachlich und nicht interpretativ sein.
Hier hat das überhaupt nicht gestört.


Im Anschluss an das Stück durfte das Publikum die Requisiten und Schauspieler genauer in Augenschein nehmen. Vielleicht ist Augenschein hier nicht der passendste Begriff.
Jedenfalls durfte man die verschiedenen Objekte berühren und genauer erkunden. So machte ich Bekanntschaft mit dem Leibhaftigen; gruselig und faszinierend zugleich.
Ich erfuhr auch, wie man die Figur halten und bewegen muss, um dieses Schlurfen über die Bühne zu erzeugen.

Die Tiere der Unterwelt sind teilweise aus Pappmaché und teilweise aus Holz, haben bewegliche Elemente – z.B. einen beweglichen Kopf – und Stäbe zum Halten.
Der Regenbogen ist eine halbrunde Konstruktion, die nach und nach von unten ins Bild geschoben wird.
 
Bei all diesen interessanten Dingen hätte ich fast die hier offenbar berühmten Schnittlauchbrote verpasst, mit denen das Publikum abschließend verwöhnt wurde. Getränke gab es auch.
So konnte man sich noch ein wenig im Theatersaal aufhalten und die Atmosphäre auf sich wirken lassen.

Seit 1994 ist das Kabinetttheater in einer ehemaligen Fabrikhalle in Wien Alsergrund einquartiert. Die Gründerin Julia Reichert hat hier auch ihre Wohnräume. Vielleicht erklärt sich damit das wohnzimmerartige Ambiente des Saals. Es gibt Bücherregale, ein Klavier, eine Bar, Tische und Stühle.  

Auch der Innenhof ist sehr liebevoll gestaltet. Die Hauswände sind teilweise mit Glyzinien berankt, es gibt kleine Wege aus alten Ziegelsteinen und viele Töpfe mit Pflanzen. Besonders aufgefallen ist mir ein Riesen-Lavendelbusch.

Alles in allem ein Theaterabend, der mir noch länger in schöner Erinnerung bleiben wird.

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