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Zeile für Zeile sind schwarze Brailleschrift-Punkte auf weißem Hintergrund so positioniert, dass sie zusammen die Form (und Struktur) eines Hauses ergeben, mit Giebeldach, zwei Fenstern im Obergeschoss und einer zentralen Eingangstür im Erdgeschoss.
Bildinfo: Nicht das Braille Haus, sondern ein Haus aus Braille. © Eva Papst

Danke, Louis!

Braille-Schrift – Eine Schrift erobert die Welt

Louis Braille erschuf das Tor zur Bildung

Noch vor etwa 250 Jahren konnten blinde Menschen weder lesen noch schreiben. Wer nicht so privilegiert aufwuchs und gefördert wurde wie etwa die blinde Musikerin Maria Theresia von Paradis, fristete sein Leben meist als Bettler oder, mit etwas Glück, in einer Wohlfahrtseinrichtung.

Als Louis Braille 1821 im Alter von nur 15 Jahren die Punktschrift entwickelte, traf er vor allem bei Pädagogen auf Skepsis und Widerstand. Bis dahin versuchte man blinden Menschen durch erhaben geprägte Buchstaben den Zugang zur Schrift zu vermitteln und befürchtete, dass durch eine spezielle Schrift die Integration blinder Menschen leiden könnte - eine Befürchtung, die sich aus heutiger Sicht unschwer widerlegen lässt. Nicht die anders geartete Schrift verhindert Integration oder Inklusion, sondern ganz andere Faktoren, auf die hier nicht näher eingegangen werden soll.

Braille war klar, dass für flüssiges Lesen die einzelnen Zeichen so beschaffen sein müssen, dass ein Zeichen mit der Fingerkuppe als Ganzes erfasst werden kann. In einem an der Blindenschule in Paris, wo Braille nach seiner Ausbildung als Lehrer arbeitete, durchgeführten Lesewettbewerb wurde rasch deutlich, um wie viel rascher die Punktkombinationen aus maximal sechs Punkten mit den Fingern erfasst werden konnten als die geprägten Buchstaben. Zudem war auch die Herstellung des erforderlichen Leseguts durch die Rasteranordnung deutlich einfacher.

Sechs Punkte – das Tor zur Bildung

Im Französischen gibt es kein W. Darum enthielt das erste Alphabet diesen Buchstaben noch nicht; er wurde später hinzugefügt. Mit sechs Punkten lassen sich insgesamt 64 Zeichen darstellen (2 hoch 6). Das reicht für ein Alphabet, Zahlen und Interpunktion. Das Basisalphabet von A bis Z ist heute noch so, wie Braille es vorgesehen hat.

Aber Louis Braille war nicht nur ein begabter Erfinder. Er war auch Musiker. Daher ist es nicht verwunderlich, dass er sich auch mit der Aufgabe beschäftigte, ein für blinde Menschen lesbares Notenschriftsystem zu ersinnen - ebenfalls aus nur 64 Kombinationen. Die Punktkombinationen wurden eben umdefiniert, dem Schriftstück der Hinweis vorangestellt, dass es sich um Musiknoten handelt. Violinschlüssel, Intervallzeichen, Notenwerte, Phrasierungsbögen - alles ist mit diesen sechs Punkten darstellbar.

Eine Schrift erobert die Welt

Louis Braille starb im Alter von nur 43 Jahren an Schwindsucht und konnte die Weiterentwicklung seiner Schrift nicht mehr miterleben, ein Los, das er mit vielen bedeutenden Menschen teilt.

Lesen und schreiben zu können, sind wesentliche Kulturtechniken, um überhaupt erst Bildung erlangen zu können. Die bereits von Braille entwickelte Notenschrift machte aber deutlich, dass es damit nicht getan ist. Daher wurde die Schrift aus sechs Punkten kontinuierlich weiterentwickelt. Es entstanden Systeme für die Darstellung mathematischer Inhalte, eine Schrift für Physik und Chemie und auch für Schach und Strickmuster - um nur einige Beispiele zu nennen. Auch wurden Punktkombinationen für diakritische Zeichen, also länderspezifische Sonderzeichen unterschiedlicher Sprachen, festgelegt.

Als Ende des 20. Jahrhunderts die Computer Einzug in Beruf und Freizeit hielten, war es Zeit, die Schrift um zwei Punkte zu erweitern. Der ursprünglich an Computern verfügbare Zeichensatz umfasste genau 256 Zeichen (2 hoch 8), die mit 8 Punkten problemlos darstellbar sind. Inzwischen nutzen Computer den Unicode-Zeichensatz mit über 65.000 möglichen Zeichen. Man könnte meinen, dass die Brailleschrift hier an ihre Grenzen kommt. Aber auch dafür gibt es Lösungen. Louis Braille hat bereits aufgezeigt, wie es funktioniert: Man stellt dem Schriftstück eben die Information voran, um welches Schriftsystem es sich handelt - und schon kann man jemandem ein X für ein U vormachen, um diesen Vergleich heranzuziehen.

Mit Fantasie und Kreativität die Grenzen sprengen

Bei einem Blick in den asiatischen Raum wird schnell klar, wie komplex Schriftsysteme sein können. Für die erforderlichen 3000 bis 5000 Zeichen der chinesischen Verkehrsschrift wurde ein spezielles System für Anlaut, Ablaut und Silbenton entwickelt (https://de.wikipedia.org/wiki/Chinesische_Brailleschrift). Sabrye Tenberken, selbst blind, gründete in Tibet eine Blindenschule und entwickelte eine tibetische Blindenschrift, die inzwischen offiziell anerkannt wurde (https://de.wikipedia.org/wiki/Sabriye_Tenberken).

Die Schrift mit sechs Punkten hat im wahrsten Sinne des Wortes die Welt erobert und blinden Menschen damit Tür und Tor zu Bildung und Teilhabe eröffnet.

Sie ist aber auch extrem alltagstauglich. Wer soeben frisch erblindet ist, hat ganz andere Probleme als sich Gedanken über die Darstellung mathematischer oder chinesischer Zeichen zu machen. Hier geht es darum, wichtige Gegenstände des Alltags zu kennzeichnen, um nicht die Milch- mit der Saftpackung oder - wesentlich kritischer - Reinigungsmittel mit Körperpflegeprodukten zu verwechseln. Dafür reicht es völlig aus, die 26 Buchstaben des Alphabets, einige Interpunktionszeichen, Umlaute und die Darstellung von Zahlen zu erlernen.

Und wenn auch das noch zu schwierig sein sollte, so bieten sich unterschiedliche selbst erfundene Punktmuster zur Kennzeichnung an. Dreimal die Punkte 1 und 4 nebeneinander gesetzt ergibt einen horizontalen Strich aus Punkten; dreimal die 6 Punkte nebeneinander ergibt ein Würfelmuster. Warum also nicht einfach zwei sich gleich anfühlende Packungen mit diesen Kennzeichen versehen, um sie unterscheiden zu können? Sogar einfache schematische Zeichnungen kann man mit Hilfe von Punktmustern anfertigen.

Und wie erzeugt man dieses regelmäßige Punktmuster? In unserem Hilfsmittelshop sind die erforderlichen Werkzeuge erhältlich, und selbstverständlich gibt es auch Kurse zum Erlernen der Blindenschrift.

Louis Braille hat blinden Menschen mit seiner Erfindung ein unglaublich wertvolles Geschenk hinterlassen. Es liegt an uns, dieses Kulturgut auch weiterhin zu nutzen und zu pflegen.

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