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Portraits
Ein Mann mit dunklen Haaren, Brille und leichtem Vollbart sitzt an einem Schreibtisch, neben dem Schreibtisch ist eine Stehleuchte platziert. Hinter ihm fällt durch ein großes Fenster Licht auf einen Kasten und einen Kunstdruck an der Wand.
Bildinfo: Herr Robert an seinem Arbeitsplatz. Foto zur Verfügung gestellt.

„Das Leben wurde von einem Tag auf den anderen auf den Kopf gestellt“

Als Robert Faulmann an einem Oktobermorgen im Jahr 2013 erwacht, kann er, der immer scharf gesehen hat, fast nichts mehr erkennen. Erst einige Tage später erfährt er, was sich in jener Nacht ereignet und sein Leben völlig verändert hat.

Dass er heute einer geregelten Arbeit nachgehen kann, verdankt er glücklichen Umständen, ärztlicher Hilfe und nicht zuletzt der Beruflichen Assistenz des Blindenverbands, die heuer im September ihr 20-jähriges Bestehen feiert.

Arbeitsplatz Wiener Hofburg

Das Büro von Robert Faulmann befindet sich in historischen Gemäuern. Aber auch außer Haus hat er oft in alten Palais und ehrwürdigen Gebäuden zu tun. Er ist bei der Burghauptmannschaft beschäftigt, deren Aufgabe darin besteht, all jene historischen Bauten zu verwalten und zu erhalten, die im Besitz der Republik Österreich sind. So zum Beispiel die Wiener Hofburg, die Gebäude und Gehege des Tiergartens Schönbrunn oder die Hofburg in Innsbruck, um nur einige zu nennen.

Zu den Aufgaben von Robert Faulmann gehört es unter anderem, Pläne zu verwalten, zu zeichnen und auszudrucken. „Ich bin als CAD Sachbearbeiter angestellt“, erzählt er. Die Abkürzung CAD steht für die englische Bezeichnung Computer-Aided Design. Darunter versteht man, dass Pläne mithilfe eines Programms am Computer gezeichnet werden. Benötigt die Bauabteilung der Burghauptmannschaft einen Plan, druckt der Sachbearbeiter ihn aus. So ein Plan kann sehr groß sein, mitunter 90 Zentimeter mal zwei Meter. „Der Plan soll ja im Maßstab sein. Wenn der Maßstab 1:100 ist und wenn man bedenkt, wie groß die Wiener Hofburg ist, dann kommen so riesige Pläne heraus. Die sind recht schwer zu handhaben, muss ich sagen.“ Große Objekte werden von ArchitektInnen vermessen. Kleinere von Robert Faulmann selbst. „Im Belvedere und in der Hofburg gibt es Wohnungen, die vermietet sind. Wenn die Wohnungen zurückgegeben und renoviert worden sind, muss ich nachmessen und neue Pläne zeichnen. Denn für die neuen Mieter, für den neuen Mietvertrag braucht man die aktuellen Pläne.“

Seit 21. September 2015 ist Robert Faulmann bei der Burghauptmannschaft beschäftigt. Dass er von Montag bis Freitag ins Büro geht und 40 Stunden pro Woche arbeitet, grenzt an ein Wunder. Denn in jener Oktobernacht im Jahr 2013 hätte alles ganz anders ausgehen können. Als er damals in der Früh aufwacht und kaum etwas sehen kann, fällt er schon bald wieder in eine Art Dämmerschlaf. Am nächsten Morgen sieht er noch immer ganz wenig. Er geht zur Augenärztin und kommt dort – wie er später erfährt – kreidebleich und mit Gleichgewichtsstörungen an. Die Ärztin untersucht ihn, stellt fest, dass das Gesichtsfeld extrem eingeschränkt ist, ruft die Rettung und lässt den Patienten ins Krankenhaus bringen.

„Der Neurologe, der mich behandelt hat, hat sich sehr gefreut, dass es „nur“ ein Schlaganfall war. Denn man hat aufgrund der Symptome angenommen, dass es sich um einen Gehirntumor handelt.“

Der großgewachsene Wiener, der zum Zeitpunkt des Schlaganfalls 35 Jahre alt ist, erlebt die ersten acht Tage im Krankenhaus als ganz besonders schwierig. Der Schlaganfall, der sich in der Nacht ereignet hatte, wirkte sich „nur“ aufs Sehzentrum aus. Der Patient kann zwar sprechen und sich bewegen, aber kaum etwas sehen. Auch nicht das Essen auf seinem Teller. Beide Augen sind betroffen. Doch heute kann er sagen: „Zum Glück verbesserte sich mein Sehvermögen nach acht Tagen etwas und zum Glück ist bei mir die Mitte nicht betroffen. Das scharfe Sehen funktioniert. Mein Gesichtsfeld ist zwar sehr stark eingeschränkt, ich darf nicht einmal mit dem Fahrrad fahren. Aber ich kann noch scharf sehen.“

Mühsamer Neubeginn

Der Schock sitzt tief. Mit Mitte Dreißig rechnet niemand damit, einen Schlaganfall zu erleiden. In den ersten Wochen ist alles noch unbegreiflich. Nach der Reha legt der behandelnde Neurologe seinem Patienten ans Herz, sich psychologische Unterstützung zu nehmen. „Er war der Meinung, dass so ein Ereignis, vor allem bei einem jungen Menschen, ohne professionelle Hilfe gar nicht zu bewältigen sei. Ich war dann ein Jahr beim Psychologen in Behandlung, danach hab‘ ich ihn noch ab und zu gesehen. Das war auf jeden Fall sehr hilfreich für mich.“

Nach ungefähr einem Jahr fühlt sich Robert Faulmann wieder in der Lage, an seine berufliche Zukunft zu denken. Er beantragt zunächst beim Sozialministeriumservice (SMS) einen Behindertenpass. Dann meldet er sich beim Arbeitsmarktservice (AMS) arbeitslos. Von dort wird er an die Berufliche Assistenz des Blindenverbands verwiesen. In Gesprächen mit der Arbeitsassistenz wird versucht herauszufinden, wie die berufliche Zukunft aussehen könnte. Faulmann probiert das eine oder andere aus, Bürotätigkeiten, nichts, was seinen Qualifikationen entsprechen würde. Dann erfährt die Arbeitsassistenz von der ausgeschriebenen Stelle bei der Burghauptmannschaft und informiert ihren Kunden. Er ist sehr interessiert. Er kann Pläne zeichnen, lesen und sich vorstellen, was auf Plänen dargestellt ist. Denn er hat vor dem Schlaganfall Architektur und danach Bauingenieurswesen studiert, allerdings nicht abgeschlossen. „Und das Computerprogramm fürs Pläne zeichnen, das wir bei der Arbeit verwenden, habe ich schon von der Uni gekannt. Und ich hab‘ sogar die Prüfung abgelegt für das Fach CAD für Bauingenieure. Es war bei der Bewerbung dann sehr praktisch, dass ich den Computerführerschein für dieses Programm schon hatte.“

Die Arbeitsassistenz unterstützt Robert Faulmann dabei, den Lebenslauf und das Bewerbungsschreiben zu verfassen und sich auf das Bewerbungsgespräch vorzubereiten. Alles läuft gut. Er bekommt den Job. Bereits wenige Tage nach seinem Arbeitsantritt wird er eingeladen, am Betriebsausflug teilzunehmen. „Ich hab‘ sofort zugesagt. Denn ich hab‘ mir gedacht, es gibt keine bessere Gelegenheit, gleich einmal alle Kollegen kennenzulernen.“ Er gehört zur EDV Abteilung und teilt sich mit seinen drei Kollegen, mit denen er sich gut versteht, ein Büro. Zwei spezielle Lampen sorgen für gute Lichtverhältnisse, andere Hilfsmittel benötigt er nicht. „Wenn mich ein Fremder sieht, der merkt gar nicht, dass ich vom Sehen her so stark eingeschränkt bin.

Die Leute sind oft sehr überrascht, wenn ich sage, dass ich einen Schlaganfall hatte und aufgrund der Sehbehinderung einen Behindertenpass besitze. Ich höre dann oft, dass man mir das gar nicht ansieht.

Aber so ein Schlaganfall ist, als würde man mit einer Keule getroffen werden. Ich merke schon, was sich durch den Schlaganfall verändert hat. Ich bin nicht mehr so belastbar, meine Konzentrationsfähigkeit ist nicht mehr so wie früher. Aber ich mache halt eine Pause, wenn ich es brauche. Das ist kein Problem. Ich gehöre ja zum Kreis der begünstigten Behinderten und da ist von Seiten des Arbeitgebers schon ein Verständnis für meine Situation da.“

Noch etwas hat sich für Robert Faulmann seit seinem Schlaganfall geändert. „Ich habe heute eine ganz andere Sicht aufs Leben als früher. Wenn man, wie mein Neurologe sagte, knapp dem Tod entronnen ist, dann kommt man drauf, was wichtig ist und was nicht.“ Und es ist ihm bewusst, dass man, wenn man sich abends ins Bett legt, nicht davon ausgehen kann, dass man am nächsten Morgen wiedererwacht.

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