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Eva am Bürosessel, vor sich eine Computer-Tastatur mit zusätzlicher elektronischer Braillezeile.
Bildinfo: Eva Papst an der Tastatur mit Braille-Zeile. Getippt wird "blind", gelesen wird mit den Fingerkuppen. © BSVWNB/Ursula Müller

Der etwas andere Bildschirm

Wie nutzen blinde Menschen eigentlich den Computer? Eva Papst gibt Antwort.

Als in der 2. Hälfte der 80er Jahre des vergangenen Jahrhunderts der erste Computer auf meinem Schreibtisch landete, wurde nach Installation der Bildschirm wieder entfernt. Damals waren die heute so flachen Bildschirme viele Kilo schwer und vor allem deutlich tiefer als das Bild breit. Auf meinem Schreibtisch war schlicht kein Platz für ein solches Ungetüm; die verfügbare Fläche wurde dringend für meine Hilfsmittel, zum Beispiel die Braille-Zeile, benötigt.

Sehen mit Fingern und Ohren

Auch wenn die heute auf dem Markt befindlichen Bildschirme wenig Raum einnehmen – blinde Computer-AnwenderInnen können gut darauf verzichten. Sie erfassen den Inhalt des Bildschirms über die Finger und die Ohren.

Während die Fingerspitzen den Text in Braille-Schrift auf einer Braille-Zeile ertasten, kann die synthetische Stimme den Text hörbar machen.

Es braucht jedoch ein ziemlich gutes Vorstellungsvermögen im Kopf und eine Menge Übung, um mit einem Screen Reader den Inhalt eines Bildschirms zu erkunden. Sowohl Sprachausgabe als auch Braillezeile verfügen ja über keine eigene Intelligenz. Die steckt jedoch bereits in den Tiefen eines Systems.

Auf Spurensuche

Wie bei einem Navigationssystem, das mit einem (mehr oder weniger exakten) Kartenmaterial hinterlegt ist, greifen Sprachausgabe und Braille-Darstellung auf eine Art Navigationshilfe zu, die sich Screen Reader nennt. Diese Bezeichnung beschreibt zwar einigermaßen verständlich, was die Aufgabe dieses Programms ist, nämlich den Bildschirm aus- bzw. vorzulesen. Das allein wäre aber viel zu wenig.

Ähnlich wie die Details einer Landkarte mit Straßen, Points of Interest, Öffis, Parkplätzen, Taxiständen usw. verbirgt sich in unseren Computern ebenfalls eine Art Navigationssystem. Die Programmierer müssen schließlich festlegen, wo die NutzerInnen klicken sollen und wo sie das überhaupt dürfen. Man stelle sich nur vor, dass der Bildschirm einer Textverarbeitung einfach nur aus Fließtext besteht, der von oben bis unten gleich aussieht. Niemand wüsste, was zu tun ist. Darum gibt es Strukturen wie Titelzeile, Menüzeile, Statuszeile, Dialoge, Bereiche für die Texteingabe und vieles mehr.

Vereinfacht gesagt, greift der Screen Reader auf diese vorhandenen Strukturen zu, interpretiert diese und liefert so blinden Menschen ganz ohne optische Darstellung dennoch ein ziemlich deutliches Abbild des Bildschirms.

Mit Tastaturbefehlen lässt sich so zum Beispiel recht zügig von Überschrift zu Überschrift navigieren - ganz ähnlich, wie auch das Auge den Bildschirm nach relevanten Informationen absucht. Was optisch durch abgegrenzte Bereiche, Schriftart, Schriftgröße, Farbe oder unterschiedliche Symbole an Information transportiert wird, kann durch Tastaturbefehle dank des Screen Readers gezielt untersucht und abgefragt werden.


Keine Sorge! Ich nehme Abstand davon, Sie mit dem Befehlsumfang von etwa 300 Tastaturbefehlen zu konfrontieren. Es mag aber immerhin interessant sein, dass es zum Beispiel Befehle gibt, um zum nächsten (oder vorigen) Eingabefeld zu springen, sich einen Absatz am Stück, zeilen-, wort- oder zeichenweise vorlesen zu lassen oder den Inhalt der Statuszeile abzufragen. Ergänzt wird diese gezielte Navigation noch durch jene Tastenkombinationen, die das Programm selbst bietet, in dem man arbeitet.

Auch das sind, was passionierte MausschubserInnen meist nicht wissen, ebenfalls eine ganze Menge. Mit diesen Tastaturbefehlen lassen sich etwa Menüpunkte aufrufen, Schriftformatierungen vornehmen oder das Dokument speichern. Merkt man sich viele dieser Befehle, lässt sich übrigens manche Aktion deutlich rascher ausführen als mit der Maus.

Die Aufgabe eines Screen Readers ist es also, einen für visuell orientierte AnwenderInnen konzipierten Inhalt für blinde Menschen so aufzubereiten, dass dieser mittels Sprachausgabe und Braille-Schrift nicht nur gelesen, sondern auch sinngemäß interpretiert werden kann.

Darum können auch blinde Menschen effizient am Computer arbeiten - auch ganz ohne angeschlossenen Bildschirm und das schon seit mehr als 30 Jahren.

Apropos vor 30 Jahren ...

Während früher solche Screen Reader gekauft, installiert und konfiguriert werden mussten, sind sie heute fixer Bestandteil fast aller Betriebssysteme. Konkret bedeutet dies, dass nach dem Kauf eines Computers die Technik bereits vorhanden ist, um den Bildschirm per Sprachausgabe auslesen zu können.

Also einfach Screen Reader einschalten und loslegen? Ganz so simpel ist es dann doch nicht. Zuerst muss man sich, wie bereits ausgeführt, mit dem Befehlssatz vertraut machen, um dem Programm sagen zu können, was genau man auslesen möchte.

Übrigens: Nicht nur Computer verfügen über einen ab Werk installierten Screen Reader. Auch Smartphones stellen solche Bedienungshilfen zur Verfügung, wie wir in unserer Serie gezeigt haben.

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