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Ein Mann mit Brille inklusive Kameraaufsatz steht vor einem Arztschild an einer Außenwand, er zeigt mit dem Finger auf das Schild.
Bildinfo: Die OrCam, ein praktisches Hilfsmittel auch für unterwegs. © privat / Foto zur Verfügung gestellt.

Der intelligente Blick durch die Kamera

„Ich wusste sofort: diese Kamera ist das richtige Hilfsmittel für mich.“

Mag. David Grassmugg hat aufgrund einer Netzhauterkrankung nur noch ein Restsehvermögen von 3%, was in vielen Situationen nicht reicht, um Gedrucktes lesen zu können.


Die Rede ist von der OrCam, einer kleinen Kamera etwa in der Größe eines USB-Sticks, die mittels Magnethalterung an einer beliebigen Brille befestigt werden kann. Benutzt wird das System wie die Kamera eines Smartphones. Allerdings geht es nicht darum, schöne Momente für das Familienalbum festzuhalten. Vielmehr unterstützt die OrCam stark sehbehinderte oder auch blinde Menschen beim Lesen gedruckter Informationen oder auch beim Wiedererkennen von Personen und Gegenständen.

Die Montage auf einer Brille hat zwei wesentliche Vorteile: Es ist deutlich einfacher, den Blick auf das Lesegut auszurichten als die Kamera eines Smartphones. Darüber hinaus bleiben die Hände frei für einen Langstock.

„Die Bedienung ist ziemlich intuitiv. Um einen Brief, den man in Händen hält, zu lesen, richtet man den Blick auf das Schriftstück, tippt zweimal auf den Auslöser der Kamera, und schon wird das Schriftstück fotografiert, die Grafik von einem Programm in reinen Text übersetzt und nach kurzer Zeit mit einer synthetischen Stimme vorgelesen“, erklärt Mag. Grassmugg.

Oft ist es auch nur eine ganz bestimmte Information, die man benötigt. In diesem Fall wäre es äußerst umständlich, den Inhalt einer ganzen Seite anhören zu müssen. Also zeigt man mit dem Finger so lange auf die gewünschte Position, bis ein Signal ertönt. Nun wird der Finger aus dem Kamerabereich entfernt, das Foto automatisch ausgelöst und die vorher mit dem Finger bezeichnete Textstelle vorgelesen.
Spätestens an dieser Stelle wird deutlich, dass jemand mit einem auch noch so geringen Restsehvermögen es leichter hat als jemand, der gar nichts sehen und darum den Blick auch nicht exakt genug auf eine bestimmte Position richten kann. „Allerdings lässt sich das "Zielen", wie so Vieles im Leben, bei entsprechendem Training und Übung erlernen“, ist David Grassmugg überzeugt.

Für blinde Menschen kann die Funktion der Wiedererkennung sehr nützlich sein. Dabei wird die Kamera durch eine spezielle Geste veranlasst, von einem Objekt oder einer Person mehrere Fotos zu machen und zu speichern. Sodann folgt eine gesprochene Aufforderung, das Objekt oder die Person mittels Sprachaufzeichnung zu benennen. Kommt nun zu einem späteren Zeitpunkt die Person oder das Objekt ins "Blickfeld" der Kamera, wird die vorher aufgesprochene Botschaft von der Sprachausgabe automatisch wiedergegeben. Auch die Möglichkeit, Produkte durch Auslesen eines aufgedruckten Strichcodes zu erkennen, hilft blinden wie sehbehinderten Menschen gleichermaßen festzustellen, ob sich beispielsweise in einer Dose Pfirsiche oder Tomaten befinden.


Ein paar nette Spielereien gibt es natürlich auch. So sagt die OrCam die Uhrzeit an, wenn man das Handgelenk vor die Kamera hebt, und zwar unabhängig davon, ob man eine Armbanduhr trägt oder nicht.
Mag. Grassmugg ist jedenfalls davon überzeugt, dass ihm sein verbliebenes Sehvermögen, auch wenn es in den letzten Jahren deutlich geschrumpft ist, das Ausreizen des Potenzials der OrCam erleichtert. „Ich bin auf die OrCam vor etwa vier Jahren eher zufällig in einem Newsletter aufmerksam geworden“, erzählt er. „Die lese ich aus Zeitgründen nämlich eher selten“, schmunzelt der IT-Techniker.

„Aber ich habe sofort das Potenzial dieser Technik erkannt. Allein schon unterwegs Straßennamen lesen zu können, ist ein Zugewinn an Selbstständigkeit. Aber auch zu Hause und im Freizeitbereich ist so eine Kamera auf der Brille gut und vor allem sofort einsetzbar. Die Brille trage ich ja sowieso.“

Mag. Grassmugg ist verheiratet und hat eine siebenjährige Tochter und seit kurzem einen wenige Monate alten Pflegesohn. „An erster Stelle steht für mich die Familie. Aber ich gehe auch gerne gut essen und interessiere mich für Astronomie. Auch wenn ich durch den Familienzuwachs und den Job Zeit gerade als sehr knappes Gut wahrnehme“, schmunzelt der engagierte Vater. „Ob nun beim Kartenspielen, rasch einen Buchumschlag lesen ... Auf die Kamera tippen, und schon höre ich das Ergebnis“, freut sich David Grassmugg. Darum wollte er die OrCam auch vorwiegend für den privaten Einsatz haben und hat dies auch so beim Kostenträger eingereicht. „Ich bin an meinem Arbeitsplatz mit dem Screen Reader und einer Vergrößerungs-Software ohnehin gut ausgestattet und lasse mir die Texte mit der Sprachausgabe vorlesen“, erklärt der seit 2006 bei der Wiener Städtischen Versicherung tätige IT-Fachmann, der inzwischen Leiter eines 15-köpfigen Teams für Software-Tests ist. Er hat Wirtschaftsinformatik und Politikwissenschaften studiert.

„Hätte ich die OrCam für den beruflichen Einsatz beantragt, wäre die Finanzierung in meinem Fall wahrscheinlich kein Problem gewesen“, seufzt er, „aber die Finanzierung für den privaten Bereich erwies sich als langwierig.“ Er hat die OrCam aus eigenen Mitteln vorfinanziert, denn: „Ich wollte das Hilfsmittel sofort nutzen und nicht erst irgendwann.“

Die OrCam ist ein Hightech-Hilfsmittel, was die Frage aufwirft, wie man damit zurechtkommt. „Als IT-Mensch ist mir die Bedienung von Anfang an leichtgefallen“, erzählt Mag. Grassmugg. „Aber ein gewisser Lernaufwand ist natürlich nötig. Wer gar nichts sehen und daher nicht exakt ein Objekt fokussieren kann, hat vielleicht weniger Nutzen als ich. Und das genaue Zielen muss man ebenso üben wie die unterschiedlichen Gesten zur Bedienung. Am wichtigsten ist aber, dass man sich mit dem Hilfsmittel wohl fühlt und man dadurch nicht abgelenkt wird, was gerade im Straßenverkehr fatal wäre“, empfiehlt der inzwischen geübte OrCam-Nutzer. „Für mich ist die OrCam eine unglaublich große Hilfe in meinem Alltag. Sie ermöglicht mir deutlich mehr Selbstständigkeit und ich habe meine Entscheidung für dieses Hilfsmittel keinen Augenblick bereut – selbst wenn ich auf den Kosten sitzen bleiben sollte“, resümiert Mag. Grassmugg.

Der seit vier Jahren laufende Finanzierungsantrag fand übrigens vor kurzem endlich einen positiven Abschluss in Form einer schriftlichen Bewilligung der Kostenübernahme.

Über die OrCam:

OrCam MyEye 2.0 - Mobiles Vorlesesystem

Erkennung von Texten, Schildern, Personen, Gegenständen, Banknoten

Der Preis inklusive 20 Prozent Mehrwertsteuer beträgt 5.400,-- Euro und es ist eine Kurzeinweisung von zertifizierten OrCam-MitarbeiterInnen inkludiert. Weitere Schulungsstunden werden zu den Schulungssätzen von brutto 120,-- Euro abgerechnet. Bezugsquelle:
Firma VIDEBIS
Schlosshofer Straße 6
1210 Wien
Telefon: 01/27 88 333

www.videbis.at

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