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Ein junger Mann mit Blindenschleife am Arm sitzt an einem Tisch und hält ein Smartphone in der Hand
Bildinfo: Das Smartphone nur mit Gesten bedienen © BSVWNB/Armin Plankensteiner

Die wunderbare Welt der Smartphones

Ein Smartphone kann für blinde und sehbehinderte Menschen ein wichtiges Hilfsmittel im Alltag sein. Wofür man es nutzen kann und welche Apps sich lohnen, darüber klärte Eva Papst beim BSV WNB-Themenabend im Mai auf.

„Das Smartphone ist ein Mini-Computer mit dem man auch telefonieren kann“, so beschreibt Eva Papst zu Beginn des Themenabends die „Herausforderung“ Smartphone.

„Trotzdem darf man sich nicht von den vielen Anwendungsmöglichkeiten abschrecken oder überfordern lassen“, betont sie gleich. Denn die pensionierte Leiterin der Braille-Druckerei am Bundes-Blindeninstitut weiß, wovon sie spricht. Sie beschäftigt sich immerhin bereits seit Jahren mit dem Themenbereich Barrierefreiheit im Netz und auch am Smartphone.

Die Smartphone-Basics

Zu Beginn geht die Smartphone-Expertin auf die Grundlagen in Bezug auf das Smartphone ein: Es stehen drei Betriebssysteme zur Auswahl, nämlich iOS, Android und Windows. Apple mit dem Betriebssystem iOS brachte bereits 2009 das erste Smartphone mit einem integrierten Screenreader auf den Markt. Mittlerweile sind aber alle mobilen Betriebssysteme mit Screenreadern ausgestattet, die man einfach nur aktivieren muss. Mit Hilfe des Screenreaders können visuelle Informationen entweder akustisch oder taktil “übersetzt“ werden. So kann beispielsweise ein Text am Smartphone über die Sprachausgabe gelesen oder über eine mit Bluetooth gekoppelte Braille-Zeile wiedergegeben werden.

Das Smartphone optimal nutzen

Zusätzlich zum Screenreader lässt sich das Smartphone auch sehr gut mit anderen Geräten und Angeboten kombinieren. So kann man, wie bereits erwähnt, eine Braille-Zeile oder eine Computertastatur mit dem Handy verbinden und sie so nutzen. Auch Kopfhörer und kleine Ohrhörer, die beispielsweise bei der Nutzung von Apps zur Navigation oder Ortsbestimmung unterstützen, können so mit dem Smartphone verbunden und genutzt werden. Die Möglichkeiten, Geräte miteinander zu verbinden, sind vielfältig.

„Das Smartphone kommt einer eierlegenden Wollmilchsau sehr nahe“, bestätigt auch Eva Papst schmunzelnd.

Hilfreiche Apps für den Alltag

Die Möglichkeiten für blinde Menschen vervielfältigen sich noch weiter, wenn Smartphone-Apps ins Spiel kommen. Beim Themenabend gibt Eva Papst einen kleinen Überblick über die wichtigsten Bereiche, in denen blinde und sehbehinderte Personen im Alltag durch Apps unterstützt werden können. So ist mit dem Smartphone Video-Telefonie möglich, mit der blinde Menschen ihrem Gesprächspartner oder ihrer Gesprächspartnerin ihre Umgebung zeigen können. Auf diese Weise kann man mit einem Videoanruf bei einer sehenden Person etwa schnell klären, ob man gerade die richtige Rechnung in der Hand hält oder vielleicht den falschen Rechnungszettel erwischt hat. Auch die App „Be my eyes“ bedient sich dieser einfachen Methode. Dort wird man als blinder Mensch mit einem sehenden Menschen innerhalb eines weltweiten Netzwerkes verbunden, der dann schnell die Fragen klären kann. „Diese App funktioniert in Notfallsituationen, wenn man keine FreundInnen oder Verwandten erreicht, sehr gut. Es braucht aber viel Vertrauen, um mit Fremden über die App in Kontakt zu treten“, erklärt Papst.

Erkennungs-Apps und Navigation

Bei vielen Apps braucht es allerdings gar keine sehenden GesprächspartnerInnen am anderen Ende der Leitung. Bei diesen Applikationen erledigt das eine Computer-Software. So gibt es zahlreiche Apps für Farb-, Licht- oder Gelderkennung. Auch Barcode-Scanner, die beispielsweise Produktbezeichnungen von Lebensmitteln vorlesen, können das Einkaufen maßgeblich erleichtern. In diesem Zusammenhang stellt Eva Papst auch die Microsoft-App „Seeing AI“ vor, die Dokumenterkennung, Barcodeleser sowie Farb-, Währungs- und Gesichtserkennung in einer App anbietet.
Auch im Bereich der Navigation kann das Smartphone gute Dienste leisten. Mit der App „qando“ können in Verbindung mit dem Screenreader Fahrpläne abgefragt und Echtzeitinformationen über Verkehrsmittel in der näheren Umgebung eingeholt werden.

Welches Smartphone?

Für Personen, die sich den Kauf eines Smartphones überlegen, hat Papst einige Tipps parat. Sie rät davon ab Billigprodukte zu kaufen, weil vor allem der Screenreader nur mit einem starken Prozessor optimal genutzt werden kann. Auf eine bestimmte Modellempfehlung möchte sich die Smartphone-Expertin allerdings nicht festlegen lassen: „Das soll man lieber selbst austesten. Ich würde aber zu einem Gerät raten, das noch nicht länger als zwei Jahre am Markt ist.“
In den ersten Wochen mit dem neuen Smartphone brauche es laut der Vortragenden vor allem viel Geduld und Ausdauer.

„Bei mir hat es schon drei Wochen gedauert, bis ich das Ding nicht mehr an die Wand werfen wollte“, erinnert sie sich.

Zu Beginn gilt es, die Gesten, mit denen das Smartphone bedient wird, zu lernen und richtig einzusetzen. Dafür stehen bereits viele Anleitungen auf Daisy CD, Podcasts oder im Internet (z.B. auf https://apfelschule.ch/) zur Verfügung.
Zwei bis drei Stunden pro Tag sollten Neulinge sich mit dem Smartphone beschäftigen, um die Basics zu erlernen. „Das Wichtigste ist dabei aber, dass es auch Spaß macht“, gibt Eva Papst den TeilnehmerInnen des Themenabends am Schluss noch mit.

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