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Vor dem Haupteingang des Louis Braille Hauses mit geschlossenen Schiebetüren ist das Dienstauto einer Sozialberaterin abgestellt.
Bildinfo: Ende März / Anfang April 2020: Trügerische Stille vor dem Eingang ins Louis Braille Haus. © BSVWNB/Martin Tree

Der BSVWNB in "Corontäne"? Ein Blick hinter die Masken!

Das Louis Braille Haus scheint im Dornröschen-Schlaf zu liegen ... aber im Hintergrund arbeitet das Team engagiert wie eh und je! Hier ein Überblick:

Still ist es geworden im Louis Braille Haus. Die Stockwerke sind nahezu verwaist. Nur da und dort ein einzelner Mitarbeiter oder eine Mitarbeiterin.
Es ist fast wie in den Tagen zwischen Weihnachten und Neujahr. Fast ein bisschen gespenstisch, diese Ruhe im BSVWNB.

Bei oberflächlicher Betrachtung könnte man annehmen, hier sei gar nichts los, alle Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen wären auf Urlaub, ausgewandert oder geflohen vor dem Corona-Virus.
Aber nein, so ist es bei weitem nicht.

Es wird allerorts weitergearbeitet, allerdings unter etwas anderen Bedingungen.

Mit diesem Text möchte ich Ihnen einen Eindruck vermitteln, wie die Arbeit im BSVWNB in dieser herausfordernden Zeit vonstattengeht.

Im Hilfsmittelshop gibt es jede Menge zu tun. Die Kollegin war gerade dabei sämtliche Uhren umzustellen. Denn auch wenn gerade kaum jemand an die Zeitumstellung denkt, sie wurde nicht abgesagt. :-)
Und dann gilt es jetzt natürlich, bestellte Produkte zu verschicken.

Ich frage, was die Leute denn gerade so bestellen. Momentan seien es v.a. Spiele, Etiketten für Beschriftungsgeräte wie z.B. den Pen-Friend, aber auch sprechende Waagen oder Zubehör für Daisy-Player, erzählt die Kollegin. Man merke, dass die Leute gerade Zeit haben zum Spielen, Lesen/Hörbuch-Hören und Ordnung machen. Die gewünschten Gegenstände werden verpackt und von den Zivildienern zur Post gebracht.

Unseren Zivildienern, koordiniert vom Mitgliederservice, kommt in diesen Zeiten auch eine wichtige Aufgabe zu. Sie erledigen Einkäufe für Mitglieder, die aufgrund ihrer Zugehörigkeit zur Risikogruppe selbst nicht einkaufen gehen können. Dies schließt auch Apotheken- und Postgänge mit ein.

In ganz seltenen Fällen stehen sie auch für Begleitdienste zur Verfügung. Ein Zivi erzählt mir, dass sich dies aber durch die Notwendigkeit des Abstand-Haltens sehr schwierig gestalte. Es sei auf jeden Fall stressiger als sonst.

Damit alle Beteiligten gut geschützt sind, wurde für die Arbeit der Zivildiener während der Corona-Krise ein Verhaltensleitfaden erstellt. Darin geht es um die einzuhaltenden Abstände sowie sonstige Hygienemaßnahmen; Masken, Desinfektionsmittel und Handschuhe sind mittlerweile Standard, häufiges Händewaschen ein Muss.


Ein großer Teil der Arbeit wird zurzeit von zu Hause aus erledigt. So z.B. von den Sozialberaterinnen. Sie arbeiten im sogenannten Homeoffice (Anmerkung: Mehr zu diesem Thema finden Sie in unserem ausführlichen Exkurs: Homeoffice).

Ich bitte eine Kollegin, mir ein wenig über ihre aktuelle Arbeit zu berichten.

„Was sind momentan die wichtigsten Themen der ratsuchenden Anrufer und Anruferinnen im Bereich der Sozialberatung? Und welche Herausforderungen stellen sich, wenn kein persönlicher Kontakt möglich ist?“

Die Themen in der Beratung seien sehr vielseitig. Natürlich gehe es häufig um Probleme, die sich durch die Corona-Krise ergeben haben, v.a. im Bereich Pflege und Betreuung, und auch um Fragen zu wirtschaftlichen Belangen. Viele Menschen hätten mit Existenzängsten zu kämpfen und etliche Telefonate seien auch Entlastungsgespräche. Zusätzlich kämen die „ganz normalen“ üblichen Anfragen herein: Beantragung von Pflegegeld, Behindertenpass, etc., da gebe es keinen Unterschied zu sonst.

Eine große Herausforderung sei, dass die Sozialberaterinnen bei bürokratischen Angelegenheiten wie z.B. Ausfüllen von Formularen nur begrenzt behilflich sein können. Vieles passiert über Mail und WhatsApp. Das gestalte sich in vielen Fällen recht schwierig, da oftmals Personen mit den technischen Möglichkeiten, die Smartphone und Co bieten, nicht oder nicht ausreichend vertraut sind. Trotzdem funktioniere es irgendwie. Schön sei es, zu beobachten, dass Menschen durch die neuen Gegebenheiten motiviert sind, selbst aktiv zu werden und neue Dinge auszuprobieren. Da ergäben sich manchmal interessante, kreative Lösungen.

„Wie funktioniert die Kommunikation innerhalb des Teams“, will ich wissen.

Es gebe regelmäßige Teamsitzungen via Microsoft Teams, einer Software für Videokonferenzen. Hier werden die wichtigsten Informationen ausgetauscht, um auf dem aktuellen Stand zu sein.
Teamsitzungen via Videokonferenz seien, so erzählt mir eine Kollegin aus der Beruflichen Assistenz, sehr produktiv. Ein bisschen schelmisch meint sie, teilweise wären sie sogar produktiver als „wirkliche“ Zusammenkünfte. Denn zum einen seien die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen sehr pünktlich, und jeder fokussiere sich wirklich auf das Wesentliche.

Auch in der Beruflichen Assistenz gibt es in diesen Zeiten keinen Stillstand. Hier geht es darum, blinde und sehbehinderte Menschen in allen Belangen der Arbeitswelt zu unterstützen. Einerseits gilt es Arbeitsplätze zu erhalten, indem z.B. Betriebe über Förderungsmöglichkeiten informiert werden; andererseits sind die Kollegen und Kolleginnen auch bei „Behörden-Angelegenheiten“ wie AMS-Anträgen behilflich. Auch hier sind oftmals offene Ohren für Zukunfts- und Existenzängste von großer Wichtigkeit.

Das Zuhören mit Empathie und Verständnis ist derzeit noch mehr als sonst eine wichtige Aufgabe der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des Blindenverbandes. Vielen Menschen, v.a. denen, die alleine leben, fehlen die persönlichen Kontakte. Gespräche am Telefon helfen, sind aber nicht dasselbe.

So erzählt auch eine Rehabilitationstrainerin. Die meisten „persönlichen“ Trainings seien verschoben. Besondere Situationen erfordern besondere Lösungen: so fertigte die Kollegin z.B. ein Video für den Lebensgefährten einer blinden Dame über die richtige Benützung des Langstocks an. Dieser konnte die Technik anschauen und weitergeben. Auch Tipps für den Alltag ließen sich ganz gut per Telefon besprechen.

Das Berufliche Kompetenzzentrum (vormals SEBUS) musste alle Schulungen und Kurse im Haus zwar aussetzen, trotzdem ist es möglich, bestimmte Lerninhalte auf digitalem Weg an die Kursteilnehmer und -teilnehmerinnen zu vermitteln. E-Learning heißt das Stichwort. Der Technik sei Dank!

Die Gruppenleiterinnen der Verrückten Jugend Aktion (VJA) des BSVWNB bedienen sich verschiedener technischer Einrichtungen, um mit ihrer Klientel, den blinden und sehbehinderten Jugendlichen, in Kontakt zu bleiben. Via Videokonferenzen finden regelmäßige Treffen statt, in denen diskutiert und gespielt wird oder auch Informationen ausgetauscht werden. Zusätzlich bekommen die Jugendlichen Bewegungsaufgaben, die sie nach Lust und Laune daheim absolvieren können. Bei Bedarf besteht auch die Möglichkeit von Beratungen per Telefon oder auch online.

„Was bewegt die Jugendlichen der VJA gerade am meisten?“

Eine große Challenge seien die Schulaufgaben, für daheim. Oft stehe man vor nicht leicht lösbaren technischen Problemen. Gerade in den letzten Tagen sei es bei den „Treffen“ verstärkt um die Berichterstattung der verschiedenen Medienkanäle gegangen. Es sei oft schwierig für die Jugendlichen, echte von gefakten – also falschen – News zu unterscheiden. Da gelte es Falschmeldungen aufzuklären und Unterscheidungskriterien herauszuarbeiten.

Es gäbe noch viel zu berichten aus den verschiedenen Abteilungen des Blindenverbandes. Das würde den Rahmen dieses Textes sprengen. Erwähnt werden soll nur, dass quer durch die Bank erstaunlich normal weitergearbeitet wird.

In Wirklichkeit ist es also gar nicht so still im Louis Braille Haus und im BSVWNB.

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Davon ist Theresa Baumgartner fest überzeugt. Sie lebt seit bald 55 Jahren mit Diabetes Typ 1 und leitet die Diabetesgruppe im BSVWNB.

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... so die einhellige Meinung von Adriana und Mahendra Galani, die beide blind sind.

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