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Oben blauer Himmel, hinten am Horizont dunkelblaues Meer, das nach vorne grünlicher wird und vereinzelt weiße Schaumkronen schlägt. Am unteren Bildrand trifft das Meer mit weißer Gischt an den dunkelbraunen nassen Sandstrand.
Bildinfo: Hören Sie jetzt auch die Brandung des Mittelmeeres? © Tree

Ein Urlaub wie damals

Ich weiß noch nicht, wie es heuer sein wird, aber ich weiß genau, wie es damals war…

Ich hoffe sehr, dass wir uns dem bald wieder annähern.

Rhodos

Das Flugzeug senkt sich immer tiefer hinab. Ich spüre aber kaum etwas davon; „fast wie zuhause im Fernsehsessel“, denke ich. Nur, da hab ich doch viel mehr Platz… Die Ellbogen knapp am Körper halten, der Platzbedarf meines Nachbarn zur Rechten ist doch etwas mehr als für mich gut ist.

Doch, die Unterhaltung mit ihm ist angenehm. Wir haben Plätze getauscht und gern hab ich ihm den Fensterplatz überlassen. „Ich fotografiere so gern aus dem Flugzeug“, ließ er mich wissen.

Und für mich hat der schöne Ausblick keine Bedeutung, denn seit vielen Jahren kann ich die weißen Wolkenberge oder das tiefblaue Meer, auf das wir nun zufliegen, nicht mehr erkennen.

Doch das Knacken in den Ohren zeigt auch mir an, dass wir im Landeanflug sind und meine Kinder erzählen mir, dass da unten viele Lichtpunkte in der hereinbrechenden Dämmerung erkennbar wären. Wenige Minuten später – ruckartiges Aufsetzen auf griechischem Boden. Eine Zeitlang rumpeln wir noch auf der Rollbahn dahin, bis der Pilot das Flugzeug endlich anhält.

Wir können der Enge der Kabine entfliehen – für mich ein befreiendes Gefühl. Und draußen ein paar Stufen, eine Rampe und weiter durch einen langen Gang. Und anstatt frischer Meeresbrise schlägt mir vom Flugfeld her abgaserfüllter, warmer Wind entgegen. Eine Mischkulanz aus griechischen Wörtern und ein paar deutschen Sätzen dringen an mein Ohr.

Nun noch eine Stunde in einem klapprigen Autobus – hohes Tempo, enge Kurven, die mit kaum verringertem Tempo durchfahren werden, lautes Schimpfen des Fahrers. Ich stelle mir steil abfallende Klippen gleich neben der Straße vor und übe mich in Gelassenheit. Ruhig durchatmen… Durch das geöffnete Fenster dringt frische, klare Nachtluft. Ganz eindeutig: es riecht nach mehr Meer. Und wenn Sie mich fragen, wie das genau riecht? Es ist nicht ganz einfach, dafür passende Worte zu finden. Auf jeden Fall ganz anders als zuhause. Blumig, harzig, salzig.

Ich liebe dieses Potpourri an Düften, eine Vielzahl von Emotionen ist damit verbunden und das wunderbare Gefühl von Urlaub.

…Wunderbar auch dieser Geruch von Schnee in klirrend kalter Winterluft… doch, ups, da muss ich jetzt wohl eingenickt sein, es ist ja auch schon knapp vor Mitternacht.

Es quietscht und knirscht und der Bus kommt zum Stehen. Wir sind an unserem Ziel für die nächsten zwei Wochen. Der Fahrer bringt das Gepäck in den Bungalow. Im Zimmer ist es stickig, ich öffne das Fenster. Es rauscht in unmittelbarer Nähe, das Meer… Ich höre die Wellen, wenn sie sanft ans Ufer schlagen.

Die Neugierde steigt und ich will es genauer wissen. Bis morgen kann ich damit nicht warten. Gleich jetzt muss ich noch kurz raus und ein wenig die Umgebung erkunden.

Wo ist mein Langstock, in welche Ecke habe ich ihn bloß schnell gestellt? Endlich, gesucht und gefunden.

Gleich vor dem Bungalow finde ich einen uneben gepflasterten Weg, auf dem ich dem Rauschen entgegengehe. Es wird immer lauter und die salzig schmeckende Luft noch etwas frischer. Ich glaub, es ist der Hinweis, dass dieser Weg wohl der richtige ist. In der Ferne jault ein wahrscheinlich herumstreunender Hund und da maunzt auch noch eine Katze. Diesen Inselbewohnern werden wir in den nächsten Tagen noch öfter begegnen.

Doch, was ist das hier? Ich schrecke kurz zurück. Etwas hat meinen Kopf gestreift. Ich strecke eine Hand nach oben und fühle Fransen eines Strohdaches knapp neben mir. „Das wird wohl ein Sonnenschirm sein“, ist meine Überlegung, „und nicht jemand, der mir an diesem menschenleeren Strand plötzlich über den Kopf streicht“. Die Pflastersteine unter meinen Füßen enden und ich trete auf Holzplanken. Unverkennbar ist der Unterschied spürbar und schon beim nächsten Schritt versinke ich im feinen, von kleinen Kieselsteinen durchsetzten Sand.

Und nun baut sich vor mir ein inneres Bild auf, wie ein Puzzle, zusammengefügt aus den momentanen Eindrücken und den Erinnerungen an einen früheren Urlaub auf dieser Insel.

Ich kann es genau empfinden – das kleine Städtchen Lindos liegt vor mir, die engen, verwinkelten Gässchen, lautstarkes, griechisches Stimmengewirr, jemand bietet etwas zum Kauf an – TouristInnen diskutieren besserwisserisch über Sehenswürdigkeiten – der Duft aus einer Taverne lädt mich ein, doch frisch gefangenen Fisch, gegrillt und mit viel Knoblauch gewürzt, zu probieren. Dazu griechischen Salat, zubereitet aus Gemüse, das unter der Sonne der Ägäis herangereift ist. Und natürlich das unverwechselbare Aroma des Ouzo, es liegt irgendwie immer und überall in der Luft. Und vielleicht zum Essen noch ein Glas Retsina, harzig und kühl.

Doch zuerst erklimmen wir noch die ausgetretenen Stufen der Himmelstreppe, die direkt zur Akropolis hoch über Lindos hinaufführt. Und talwärts geht’s auf dem Rücken eines Esels, da muss ich viel Vertrauen aufbringen, denn kontrollieren kann ich nicht, wo er mit mir hinzutraben beliebt. Ich hab auch alle Mühe, mich an dem mageren Tier festzuhalten, denn der Weg führt steil und holprig abwärts. Der Esel kümmert sich offensichtlich nicht um meine Befindlichkeiten. Und zugegeben, auch ich mich nicht wirklich um die seinen, denn ansonsten hätte ich mich gar nicht auf seinen Rücken setzen dürfen.

Heiß ist uns wohl beiden, denn die Sonne über Rhodos hat bestimmt zu dieser Mittagsstunde die Temperatur an die 40 Grad ansteigen lassen.

Doch halt, da an meinen Füßen, ist da nicht etwas Feuchtes, Kühles? Oh ja, es ist neuerlich eine sanfte Welle, die meine Beine umspült.

Schluss mit meinen nächtlichen Phantasien… Ich öffne den Deckel meiner tastbaren Armbanduhr. Zum Glück brauche ich zum Erkennen der Uhrzeit weder Tageslicht noch Strandbeleuchtung. Es ist schon weit nach Mitternacht und höchste Zeit, zu meiner Family zurückzukehren.

Der Rückweg ist mir nun schon vertraut und ich erreiche den Bungalow, wo alle schon längst friedlich schlafen und ganz bestimmt träumen: vom feinen Sandstrand und von Meereswogen, vom idyllischen Städtchen Lindos und der Akropolis und den armen Eseln, die mit uns talwärts trotten. Und vielleicht auch von den Tavernen, aus denen es doch so köstlich duftet.
Morgen, ja morgen, wird all das Wirklichkeit.

Und heuer, in den Ausläufern der Pandemie, kann ich mir einen Sommer mit Urlaub wie damals noch nicht so richtig vorstellen.
Ein- und Ausreisebestimmungen und coronabedingte Verhaltensregelungen lassen mich im Hinblick auf den nächsten Urlaub noch etwas zögern.

Doch wer weiß, der Sommer hat ja erst begonnen und vielleicht wird’s heuer auch ein Urlaub in Österreich, mit Bergluft anstatt Meeresbrise.
 

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