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Vor einem knapp 3 Meter hohen, aus Ballons gefertigten „20“er vor der Bühne werden die Ehrengäste fotografiert.
Bildinfo: HR Dr. Günther Schuster (SMS Österreich), Gemeinderätin Silvia Rubik, BSVÖ-Präsident Markus Wolf, BSVWNB-Obmann Kurt Prall mit dem „20 Jahre Logo“. © BSVWNB/Plankensteiner

Eine Erfolgsgeschichte: 20 Jahre Berufliche Assistenz

Mit einem Fest begeht die Berufliche Assistenz des Blinden- und Sehbehindertenverbands Wien, Niederösterreich und Burgenland (BSV WNB) ihr 20 Jahre Jubiläum. Lesen Sie die Geschichte der Erfolgsgeschichte:

Allen Grund zu feiern

Viele Ehrengäste und KundInnen sind gekommen. Beim Sektempfang spielen Otto Lechner und seine Musiker auf. Es werden Ansprachen gehalten. Menschen, die sehbehindert oder blind sind, berichten, wie sie von der Beruflichen Assistenz bei der Jobsuche unterstützt werden und in welchen Berufen sie tätig sind. Das Team der Beruflichen Assistenz wird auf humoristische und unterhaltsame Weise vorgestellt. Die Musikerin Barbara Wlcek führt ein von ihr eigens für die Feier komponiertes Lied auf. Und zum Schluss gibt es ein reichhaltiges Buffet, Live Musik von Dino Banjanovic und viel Zeit, sich auszutauschen, zu vernetzen und zu feiern. Das Video zur Feier!


1999 hat die Berufliche Assistenz, gefördert vom Sozialministeriumservice (SMS), im Blindenverband klein angefangen, mit einem Arbeitsassistenten und einer Bürokraft, die geringfügig beschäftigt war. Heute umfasst das Team der Beruflichen Assistenz des Blinden- und Sehbehindertenverbands für Wien, Niederösterreich und das Burgenland 15 Personen, die in vielfältiger und unterschiedlicher Weise arbeitssuchende Menschen, die blind oder stark sehbehindert sind, dabei unterstützen, einen Job am allgemeinen Arbeitsmarkt zu finden.

„Aus meiner Sicht“, so Dr. Günther Schuster, Amtsleiter des SMS, „aus meiner Sicht ist das eine absolute Erfolgsgeschichte. Und zwar auf allen Ebenen. Also was die Zahl der KundInnen und die Zahl der Schlüsselkräfte betrifft, die im Projekt arbeiten und vor allem was die Erfolge betrifft. Wenn man sich die Entwicklung der vergangenen 20 Jahre anschaut, dann sieht man, dass heute zehnmal so viele KundInnen von ungefähr zehnmal so vielen Schlüsselkräften unterstützt werden.

Hinzu kommt, dass das Angebot der Beruflichen Assistenz ständig erweitert wurde. So ist es mittlerweile ein ganzheitliches Angebot für Menschen, die blind oder sehbehindert sind.

Das ist wirklich eine Leistung. Ganz besonders deutlich ist dies bei den Jugendlichen zu sehen, wo die berufliche Erstintegration umfassend begleitet wird.“

Gerade für junge Menschen ist es besonders wichtig, beruflich Fuß fassen zu können. Für sie ist es aber auch besonders schwierig. Denn wer sehbehindert oder blind ist, von der Schule kommt und keine Arbeitserfahrung hat, erhält viele, viele Absagen, wenn er sich für einen Job bewirbt. Es reicht meist aus, schlecht oder gar nicht zu sehen, um abgelehnt zu werden. Die Person und ihre Qualifikation spielen dann keine Rolle mehr, die jungen Leute werden gar nicht mehr zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen. Die Jugendlichen benötigen in der Regel eine intensive Begleitung, um den Einstieg ins Berufsleben zu schaffen. Herbert Hametner, Leiter der beruflichen Assistenz des Blindenverbands:

„Für die Jugendlichen müssen wir uns mehr Zeit nehmen als für die Erwachsenen. Es braucht länger, eine gute Beziehung aufzubauen. Das ist aber wichtig, um erfolgreich beraten und begleiten zu können. Deshalb ist das Jugendcoaching ein wichtiges Angebot von uns.“


Das Jugendcoaching ist, wie die Arbeits-, Technik- und Bildungsassistenz sowie das Jobcoaching, ein Angebot vom Netzwerk Berufliche Assistenz (NEBA) und wird, wie bereits erwähnt, vom SMS gefördert. Herbert Hametner ist fast von Anfang an dabei, er hat im Jahr 2000 als Arbeitsassistent beim Blindenverband begonnen und die Entwicklung dieses Projekts begleitet. „Wie wir am Anfang Jobs für unsere KlientInnen gesucht haben, haben wir schnell gemerkt, dass Menschen mit einer Sehbehinderung, vor allem aber jene, die eine Seh- und Hörbehinderung haben, effektive technische Hilfsmittel benötigen. Und sie benötigen natürlich auch eine kompetente Beratung.“ So wurde schon im Jahr 2001 die Technikassistenz aufgebaut, und zwar unter dem Motto: Betroffene beraten Betroffene.

Bald hat sich jedoch gezeigt, dass es nicht reicht, einen Job zu finden, das Sehvermögen abzuklären und die erforderlichen technischen Hilfsmittel wie zum Beispiel eine Braillezeile für den PC, ein Lesegerät oder eine besonders starke Lampe zu organisieren. Sondern dass es auch sinnvoll ist, die Menschen am neuen Arbeitsplatz zu begleiten, die KollegInnen und unmittelbaren Vorgesetzten über die Situation der blinden Mitarbeiterin oder des sehbehinderten Mitarbeiters zu informieren. Oder wenn Probleme am Arbeitsplatz auftreten, moderierend einzugreifen. So wurde das Angebot der Beruflichen Assistenz um das Jobcoaching erweitert.

Schließlich ist auch noch die Bildungsassistenz dazugekommen. Der Blindenverband verfügt zwar über eine Schulungseinrichtung für blinde und sehbehinderte Personen (SEBUS), wo Kurse zur Aus- und Weiterbildung angeboten werden, aber natürlich nur in einem sehr begrenzten Rahmen. Herbert Hametner: „Wir wollen den Schulungsmarkt öffnen. Wir wollen die Menschen, die sehbehindert sind zum Schulungsmarkt begleiten.

Wir wollen dafür sorgen, dass die Unterlagen entsprechend aufbereitet sind, dass die Hilfsmittel zur Verfügung stehen, dass der Bildungsträger und die Vortragenden informiert werden und kooperativ und verständnisvoll reagieren.

Man geht also weg von internen Schulungen und hin zu allgemeinen Fortbildungseinrichtungen. Wobei die Leute während der gesamten Kursmaßnahme durch die Bildungsassistenz unterstützt werden.“

Es ist notwendig, dass es für Menschen mit einer Sehbehinderung viele und unterschiedliche Fortbildungsangebote gibt, denn das Sehvermögen verschlechtert sich über die Jahre bei vielen. Dann ist es erforderlich, dass die betroffene Person eine Umschulung oder eine Weiterbildung macht. Und zwar ohne lange Wartezeiten wie dies bei SEBUS naturgemäß oft der Fall ist. Die Berufliche Assistenz des Blindenverbands verfügt also über eine Reihe von Dienstleistungen, um die Inklusion am Arbeitsmarkt voranzutreiben.


Für Dr. Günther Schuster, den Leiter des Sozialministeriumservice Österreich (SMS), ist es eine sinnvolle Entscheidung, dass diese Angebote der Beruflichen Assistenz vom Blindenverband selbst umgesetzt werden. „Weil der Blindenverband natürlich eine Expertise hat, was die Lebensrealität von Menschen betrifft, die blind oder stark sehbehindert sind. Und zwar eine Expertise, die sonst keiner hat. Hinzu kommt, dass ja ein Teil der Schlüsselkräfte im Projekt selbst betroffen ist. Es gibt also nicht nur die organisatorische Kompetenz des Blindenverbands. Es gibt auch die persönliche Kompetenz von Leuten, die über die eigene Lebensrealität sehr genau Bescheid wissen. Und das geht in die Arbeit mit hinein.“

Hart erkämpfte Erfolge

Immer wieder gelingt es dem Team der Beruflichen Assistenz, ihre KlientInnen dabei zu unterstützen, Misserfolge und Enttäuschungen wegzustecken, Durststrecken zu bewältigen, sich gut auf ein Bewerbungsgespräch vorzubereiten, einen geeigneten Job zu finden, sich weiterzubilden, Krisen am Arbeitsplatz zu bewältigen und im Beruf erfolgreich zu sein. Doch das ist harte Arbeit, die oft einen langen Atem erfordert, von beiden Seiten. Denn Menschen mit Behinderung haben es am allgemeinen Arbeitsmarkt viel schwerer als Menschen ohne Behinderung. Auch dann, wenn die Jobsituation sehr gut ist. Das hängt mit vielen Vorurteilen zusammen, die ihnen entgegengebracht werden. Noch immer heißt es, Menschen mit Behinderung seien unkündbar, dauernd krank und nicht leistungsfähig.

Eine wichtige Aufgabe der Beruflichen Assistenz besteht also auch darin, aufzuklären, zu informieren, zu sensibilisieren und einen barrierefreien Zugang zum Arbeitsmarkt einzufordern. Dennoch sieht Herbert Hametner eine positive Entwicklung, wenn er auf die vergangenen 20 Jahre zurückblickt. „Wenn ich früher jemanden zum Vorstellungsgespräch begleitet habe, haben wir so einiges erlebt. Also grad, dass wir nicht hinausgeflogen sind. So nach dem Motto: Was wollt ihr denn hier?! Habt ihr denn keine Ahnung was es heißt zu arbeiten?! Kaum noch jemand würde sich heutzutage trauen, so mit Menschen mit Behinderung umzugehen. Und durch die neuen Technologien haben sich auch viele neue Berufs- und Ausbildungsmöglichkeiten ergeben.“

Aber natürlich sei noch genug zu tun, um die Situation zu verbessern, am Arbeitsmarkt wie im Bildungssystem. „Denn“, so der Projektleiter der Beruflichen Assistenz, „Menschen mit Behinderung sind unterdurchschnittlich gebildet. Aber nicht, weil sie weniger intelligent sind, sondern weil sie viel weniger Bildungsmöglichkeiten haben. Das heißt, man muss den Bildungsmarkt für alle öffnen.“ Und Dr. Günther Schuster vom SMS ergänzt:

„Wenn ich einen inklusiven Arbeitsmarkt will, dann brauche ich auch eine inklusive Bildungspolitik. Denn ein inklusives Bildungssystem ist eine ganz entscheidende Voraussetzung dafür, dass Menschen mit Behinderung einen Arbeitsplatz bekommen und behalten.“


Es sei, so Dr. Schuster, aus unterschiedlichen Gründen wichtig, dass Menschen mit Behinderung einen Job am allgemeinen Arbeitsmarkt erhalten. Chancengleichheit und Fairness sowie die Verwirklichung der individuellen Lebenschancen würden nun einmal zu unserem demokratischen Grundkonsens zählen und müssten ermöglicht werden. Aber auch aus volkswirtschaftlicher Sicht sei es sinnvoll, einen inklusiven Arbeitsmarkt zu schaffen, auch wenn dies mit Kosten verbunden ist. „Denn die Teilhabe am Arbeitsmarkt ist immer noch die beste Voraussetzung, Armut vorzubeugen. Und je mehr Menschen vor Armut geschützt werden, desto niedriger sind die Kosten für soziale Transferleistungen. Es rechnet sich einfach, wenn jemand seinen eigenen Unterhalt verdient und seine eigene Pension erwirtschaftet.“ Dass das Recht auf Arbeit, festgeschrieben in der UN- Behindertenrechtskonvention, umgesetzt wird, dafür wird sich die Berufliche Assistenz auch in den nächsten Jahren und Jahrzehnten einsetzen.  

Portraits

Der letzte Punkt auf Patricks aktueller To Do-Liste: Selbstbestimmtes Reisen.

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