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Zwei junge Männer stehen lachend beieinander, beide in Schwimm-Montur, mit Schwimmbrille und einem Schwimmgurt.
Bildinfo: Saša mit Begleitschwimmer. © privat / Foto zur Verfügung gestellt.

„Ich liebe Wasser, schon immer“

Saša Stojković, er arbeitet als Masseur beim Massage-Fachinstitut im Louis Braille Haus in Wien, ist ein begeisterter Schwimmer, der sich gerne bei Wettkämpfen misst.

Interview mit Saša Stojković

Sie sind im Alter von Anfang 20 nach Wien gezogen und wollten sich auch hier sportlich betätigen. Sie waren ein erfolgreicher Basketballspieler und haben an der Universität Belgrad eine Ausbildung zum Basketballtrainer begonnen, die Sie aber abbrechen mussten, da sich Ihr Sehvermögen im Alter von 19 Jahren sehr stark verringert hat.

Saša Stojković: In Wien habe ich dann eine Sportart gesucht, die ich mit meinem geringen Sehvermögen, ich sehe weniger als ein Prozent, ausüben kann. So bin ich zum Schwimmen und zum Versehrtensportclub Wien (VSC Wien) gekommen. Ich bin seit dem Jahr 2008 beim Verein.

Der VSC Wien bietet für Menschen mit Behinderungen neben Schwimmen viele verschiedene Sportarten wie Laufen, Konditionstraining, Torball, Leichtathletik oder Paraklettern an, um nur einige zu nennen. Sie nehmen regelmäßig an Trainings und Wettkämpfen teil. Wie viel Zeit bleibt Ihnen neben der Arbeit fürs Schwimmen, wie oft trainieren Sie?

Saša Stojković: Ich könnte dreimal im Verein trainieren, meistens schwimme ich aber zweimal in der Woche. Früher habe ich vier- oder fünfmal pro Woche trainiert, aber das schaffe ich nicht mehr, denn jetzt spiele ich auch Blindenfußball. Die Trainings finden immer im Hallenbad statt, nur im Sommer sind wir mittwochs an der Alten Donau, denn unser Verein hat dort einen Badeplatz. Manchmal gehe ich auch in meiner Freizeit dorthin schwimmen.


Bei Ihrem ersten Schwimmwettkampf waren Sie 24 Jahre alt, das war 2009. Seitdem sind Sie viele Wettkämpfe geschwommen und waren immer wieder erfolgreich. Sie waren mehrmals Wiener Meister, Sie waren Staatsmeister und halten vier österreichische Rekorde im Delfinschwimmen und zwei bei Staffelbewerben. Wie schaut Ihr Training aus?

Saša Stojković: Die Trainer erarbeiten für jede Person einen individuellen Trainingsplan und bei jedem Training ist ein Trainer dabei. Im Hallenbad gibt es Bahnen, also es sind Leinen gespannt, sodass man sich, wenn man blind ist, gut orientieren kann. Diese Bahnen sind für mich sehr wichtig. Jedes Training beginnt mit dem Einschwimmen. Ich schwimme also zuerst zwischen 400 oder 600 Meter. Erst dann beginnt das eigentliche Training. Das hängt dann davon ab, ob ein Wettkampf bevorsteht oder ob gerade einer hinter uns liegt. Nach einem Wettkampf machen wir Kraft- und Ausdauertraining und arbeiten an der Technik. Je näher der Wettkampf kommt, desto intensiver wird das Training. Die Wettkampfvorbereitung beginnt zwei bis eineinhalb Monate vor dem Wettkampf. Da schwimmen wir kürzere Strecken, dafür aber auf Zeit. Ich bespreche meine Wettkampfziele immer mit unseren Trainern. Wo will ich hin, welche Zeit will ich erreichen? Dann arbeite ich darauf hin. Ein Wettkampf ist immer eine gute Motivation.

Gibt es eine bestimmte Schwimmart, die Sie bevorzugen oder treten Sie bei den Wettkämpfen in allen Disziplinen an, also Delfin-, Kraul-, Brust- und Rückenschwimmen?

Saša Stojković: Kraul schwimme ich sehr, sehr gerne, auch Delfin und Brust, Rücken vielleicht ein bisschen weniger, aber ich schwimme alle Lagen. Im Training sowieso und im Wettkampf ist es unterschiedlich. Bei der letzten Staatsmeisterschaft Ende Mai in Eisenstadt bin ich Brust und Kraul geschwommen. Ich habe mich sehr gefreut, dass ich, obwohl ich jetzt weniger trainiere, dort fast an meine Bestzeit herangekommen bin. Bei den nächsten Wettkämpfen möchte ich wieder Delfin schwimmen, aber Kraul bleibt, Kraul ist meine Hauptlage.


Wer beim Wettkampf vorne dabei sein will, muss nicht nur schnell schwimmen. Ein geglückter Start und eine effiziente Wende im Becken sind entscheidend. Wie aber gelingt Ihnen eine schnelle Wende, wenn Sie die Beckenwand gar nicht sehen können?

Saša Stojković: Es ist so, dass ich knapp vor der Wende darauf aufmerksam gemacht werde. Der Trainer steht am Beckenrand und hat einen Stab in der Hand, wo vorne ein weicher Ball angebracht ist. Er klopft mir damit ungefähr eineinhalb Meter vor der Wand auf den Kopf. Dann weiß ich, dass der Rand vom Becken kommt und ich gleich wenden muss, so schwimmen blinde Wettkämpfer:innen nicht in die Beckenwand hinein. Wenden übt man im Training immer wieder. Genauso wie den Startsprung.

Ich kenne blinde Kolleg:innen, für die es zuerst sehr schwierig war, einen Startsprung zu machen, weil du da ja für einen kurzen Moment in der Luft bist und nicht siehst, wo du landest. Für mich ist das kein Problem, ich habe früher gesehen und bin auch oft gesprungen. Aber für viele blinde Athlet:innen ist es eine große Überwindung.

Blinde Menschen brauchen eigentlich einen festen Boden unter den Füßen. Man muss sich halt diesen Ängsten stellen und sie überwinden. Auch das ist eine Motivation.

Wie schaffen Sie es, die Nervosität am Start in Leistung umzumünzen? Wie bereiten Sie sich knapp vor dem Start auf den Wettkampf vor?

Saša Stojković: Ich bin immer aufgeregt, obwohl ich schon bei so vielen Wettkämpfen dabei war. Aber das motiviert. Ich konzentriere mich beim Wettkampf auf die ganz wichtigen Punkte. Nehmen wir ein 50 Meter Kraulschwimmen, dieses Rennen dauert bei mir zwischen 30 und 35 Sekunden, also eine halbe Minute. Und in dieser halben Minute sollte alles passen. Der Startsprung sollte klappen, dann sollten die Beine unter Wasser bleiben, die Rollwende muss gelingen, ebenso muss ich gut ins Ziel reinkommen. Das ist nicht so einfach, wenn jemand ganz wenig oder gar nichts sieht. Das ist immer Adrenalin pur. Ich gehe alle Punkte, wo ich Zeit holen könnte, im Kopf noch einmal durch, bevor ich starte. Das habe ich früher nicht gemacht, das ist erst mit der Erfahrung gekommen. Jetzt geht es mehr ums Detail und deshalb erziele ich jetzt mit weniger Training trotzdem gute Zeiten.


Sie sind in der Nähe von Belgrad auf dem Land aufgewachsen und haben schon als Kind schwimmen gelernt.

Saša Stojković: Dort wo ich aufgewachsen bin, gibt es einen Fluss, er heißt Mlava. Als Kind und Jugendlicher war ich viel dort. Ich habe mit den Nachbarskindern bei den seichten Stellen gespielt, wir sind geschwommen und gesprungen. Das hat uns allen viel Spaß gemacht. Ich habe dort schwimmen gelernt, mein Papa hat es mir beigebracht. Dieser Fluss ist zwar klein, hat aber eine starke Strömung. Auch wenn man schnell schwimmt, kommt man nicht vom Fleck, ich habe oft versucht, gegen die Strömung zu schwimmen. Ich liebe Wasser, schon als kleiner Bub habe ich Wasser immer geliebt. Ich habe früher mit meiner Familie oft Urlaub am Meer gemacht, wir sind nach Montenegro an die Adria gefahren. Ich mag Wasser und das ist bis heute so geblieben.

Im Sommer findet das Schwimmtraining mittwochs am Badeplatz des Vereins statt. In der Alten Donau gibt es keinen Beckenrand und keine abgetrennten Bahnen. Wie können dort jene schwimmen und sich orientieren, die blind oder sehr stark sehbehindert sind?

Saša Stojković: Wenn wir in der Alten Donau trainieren, haben wir Begleitpersonen. Wir sind mit einem Gurt, mit einer Leine miteinander verbunden. Die blinden Schwimmer:innen und ihre Begleitpersonen sind also immer miteinander verbunden. Wenn wir Brust schwimmen, dann schwimmen wir nebeneinander. Ich schwimme aber meistens Kraul und dann schwimme ich hinter der Begleitperson.

Die Begleitperson muss also ziemlich fit sein und gut schwimmen können?

Saša Stojković: Das stimmt. (Lacht) Genau, es sollte die Geschwindigkeit passen. Wenn das nicht der Fall ist, verwendet die Begleitperson ein Stand-Up-Brett, wie man es beim Stand-Up-Paddling verwendet. Der blinde Schwimmer ist mit einer Leine mit dem Brett verbunden, der sehende Begleiter paddelt und der Blinde schwimmt hinter dem Brett. Die Geschwindigkeit wird auf den Schwimmer, der trainiert, abgestimmt. Unsere Trainer sind sehr kreativ. Jeder der schwimmen möchte, kann es tun, wir finden immer einen Weg.


Welche Möglichkeiten haben all jene Personen, die blind oder stark sehbehindert sind und gerne schwimmen, aber nicht für Wettkämpfe trainieren möchten?

Saša Stojković: Wir haben am Badeplatz an der Alten Donau immer Begleitpersonen, es ist immer eine sehende Person dabei, wenn ein Blinder schwimmen geht. Wir haben im Verein nicht nur drei Trainer, sondern auch noch einige Leute, die sich ehrenamtlich als Begleitpersonen zur Verfügung stellen. Es macht ihnen Spaß, sie tun etwas Gutes für sich, eben schwimmen, und sie helfen den Blinden, auch einmal in einem freien Gewässer schwimmen zu können.

Der vereinseigene Badeplatz an der Alten Donau bietet ja nicht nur eine schöne Möglichkeit zu schwimmen.

Saša Stojković: Es gibt Tret- und Ruderboote, man kann Stand-Up-Paddeln, etwas für seine Fitness tun, Leute treffen und den Sommer, die Sonne und das Wasser genießen. Es gibt eine schöne Wiese und einen Steg, von dem man direkt ins Wasser geht. Es sind wenige Leute dort. Man kann grillen, wir organisieren im Sommer immer einige Feste. Jetzt haben wir zwei Hometrainer bekommen und es gibt ein Tandem, das man sich ausborgen kann. Also der Badeplatz ist eine coole Sache. Das unterscheidet uns von anderen Vereinen. Sportangebote haben die anderen auch, aber einen Badeplatz nicht unbedingt. (Lacht) Dieser Badeplatz ist auch für blinde und sehbehinderte Leute gut erreichbar. Er ist in der Nähe der U-Bahn-Station Alte Donau. Von dort geht man einige Minuten zu Fuß, sechs, sieben Minuten. Einige Blinde kommen alleine hin, aber es gibt auch die Möglichkeit, dass man als blinde Person anruft, wenn man bei der U-Bahn-Station ist, und dass man dann von einem der sieht abgeholt wird.

Der VSC Wien bietet ja allen Sportinteressierten und Sportbegeisterten die Möglichkeit, eine Sportart auszuüben, unabhängig davon, ob man an Wettkämpfen teilnehmen will oder einfach aus Freude an der Bewegung etwas machen will.

Saša Stojković: Alle sind willkommen. Anfänger:innen und Hobbyschwimmer:innen genauso wie jene, die bei Wettkämpfen mitmachen möchten. Die Infos finden alle Interessierten auf der VSC Homepage. Wir brauchen Nachwuchs, wir brauchen Schwimmer:innen, es wäre cool, wenn sich Leute melden würden. Es ist aber so, dass alle von unseren Trainern unterstützt werden. Wie gesagt, im Verein sind alle willkommen.


Danke für das Gespräch.


Informationen zu den Sportangeboten des VSC Wien:
https://www.vsc-wien.at/de/sportangebot/schwimmen
https://www.vsc-wien.at/de/der-verein

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