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Die Protagonisten des Films als Gruppe auf einem breiten Gehsteig, in Richtung Kamera kommend © Sony Pictures Filmverleih
Bildinfo: Eine WG-Gruppe auf dem Weg ins Ungewisse: Szenebild aus "Die Goldfische" mit Tom Schilling, Jella Haase, Axel Stein, Kida Khodr Ramadan, Birgit Minichmayr, Jan Henrik Stahlberg, Luisa Wöllisch © Sony Pictures Filmverleih

Im Kino: "Die Goldfische"

Interview des BSV WNB mit Birgit Minichmayr zum neuen Kinofilm

Am 21. März 2019 startete die Komödie „Die Goldfische“ in den österreichischen Kinos. Birgit Minichmayr verkörpert in einer der Hauptrollen Magda Grabowski, eine blinde Frau mit Alkoholproblem. Im Interview hat sie mit uns über die Vorbereitung auf diese Rolle und die Herausforderungen beim Dreh gesprochen.

Frau Minichmayr, Sie haben sich für die Vorbereitung auf die Dreharbeiten gewünscht, blinde Frauen kennenzulernen: Was haben Sie von dem Treffen mit zwei blinden Frauen, im konkreten Fall Mutter und Tochter, mitgenommen?

Birgit Minichmayr: Was mir sofort aufgefallen ist: Dass die Erblindung auf den ersten Blick überhaupt nicht ersichtlich war. Ich glaube, es war ihr (der Mutter, Anm. d. Red.) auch wichtig, dass ihre Blindheit so wenig wie möglich sichtbar wird. Wir sind das ganze Drehbuch durchgegangen, ihre Tochter ist dann auch noch dazugekommen, sie ist ebenfalls erblindet.

Dann habe ich ihre Tochter gefragt, was sie so am meisten hasst bei Filmdarstellungen: „Dass die Blinden immer Brillen haben!“ Aber das war natürlich klar, dass die mir am Filmset sofort auch eine Brille gegeben haben, das konnte ich nicht verhindern.

Ich habe sie bei sich zuhause getroffen und das ist so toll organisiert, ich war wirklich erstaunt. Ich glaube, es war beiden auch wichtig, eine Souveränität auszustrahlen, aber das ist natürlich sehr individuell.

Haben oder hatten Sie in Ihrem Umfeld näheren Kontakt zu blinden Menschen?

Birgit Minichmayr: Nein, nur ein einziges Mal davor am Theater in der Rolle als Antigone, die ihren blinden Vater Ödipus durch die Wüste führt, das war bisher der einzige Kontakt.

Bei der Sensibilisierung für die Rolle als blinde Person mit der BSV WNB Mobilitätstrainerin Marianne Kern waren Sie längere Zeit unter der Augenbinde. Wie ist es Ihnen dabei ergangen?

Birgit Minichmayr: Das hat wahnsinnig viel geholfen, sich mit dieser Binde zurechtfinden zu müssen. Ich habe das auch zuhause ausprobiert, das ging natürlich viel besser, weil man so automatisiert ist, wo der Lichtschalter ist und wo die ganzen Dinge sind. Draußen war ich dann natürlich extrem verängstigt und auch überfordert, als ich da so unterwegs war.
Aber was ich am Filmset dann tatsächlich noch hatte, waren Linsen, die mir das Augenlicht fast zur Gänze abgedeckt haben, und ich habe wie durch einen Schleier nur Umrisse und Schattierungen wahrgenommen. Die haben sie mir reingegeben, weil ich im Film natürlich nicht immer nur die Brille aufhabe.
Die habe ich relativ viel drinnen gehabt und ich muss sagen, das war das Schwierigste beim Spielen, dann auch noch mit diesen Linsen zu sein, und ich hatte auch teilweise am Set Schwierigkeiten mit der Orientierung, die Partner, die Kamera wahrzunehmen. Das war eine Herausforderung für mich, auf die ich gar nicht vorbereitet war.

Natürlich war mir ganz wichtig mit der Trainerin Frau Kern, dass wir alle Sachen, die ich im Buch tue, durchgegangen sind. Das haben wir alles gefilmt und ich habe das zuhause dann einstudiert.

Ich habe festgestellt, dass man in Darstellungen blinder Menschen im Film oft sehr roboterartige, steife Darbietungen bekommt. Ich empfand die erblindeten Frauen, die ich kennengelernt habe, zwar als unglaublich aufmerksam im Körper und vielleicht vorsichtiger, aber sehr natürlich.
Da war mir wichtig, auch eine Körperlichkeit zu haben, die natürlich ist, einen natürlichen Umgang mit der Erblindung darzustellen. Aber ich muss dazusagen, ich spiele eine alkoholkranke und erblindete Frau in einer Komödie! Also es ging nicht um die perfekte realauthentische Darstellung eines erblindeten Menschen.

Eine blinde Kollegin meinte zum Film, sie fände den authentischen Zugang hervorragend, dass Menschen mit Behinderung eben nicht so gezeigt werden, wie es das Klischee vorschreibt, sondern vielleicht sogar, auf gut österreichisch, als „Gfraster“, weil es eben auch im echten Leben Untiefen gibt. Wie sehen Sie das, wenn Sie die anderen Protagonisten im Film Revue passieren lassen?

Birgit Minichmayr: Wir haben eine Schauspielerin mit Down Syndrom dabei gehabt, die Luisa Wöllisch, und Axel Stein und Jan Henrik Stahlberg, die spielen autistische Figuren, die alle in einer Wohneinrichtung leben. Hier werden Menschen gezeigt, die sich eigentlich trotzdem sehr gut „zurechtfinden“ können, immer noch eine Form von Selbstständigkeit haben.
Das war auch interessant, es wurde lange überlegt, ob sie meine Figur mit einer wirklich erblindeten Frau besetzen. Aber „time is money“ und da scheiterte man beim Dreh schon an den Vorkehrungen, die es jedes Mal gebraucht hätte, das so zu erarbeiten. Man ist ja als Schauspielerin am Set auch mit sehr vielen technischen Abläufen beschäftigt. Es wurde also entschieden, das nicht zu tun; man fand einfach die Anforderung, die beim Film entsteht, nicht machbar.
Zu den Untiefen: Der Film ist manchmal politisch nicht sehr korrekt und ich glaube, dass das gut ist, schön ist und man das auch vertragen kann. Man macht sich ja nicht lustig über die Menschen, aber sie sind in so saulustigen Situationen zu sehen. Ich glaube, dass das Spaß machen kann, sich das anzusehen.

In "Die Goldfische" sind viele komödiantische Einlagen zu sehen, Sie spielen eine sehr zynische Figur. Wie viel von der Figur war vom Drehbuch vorgegeben, wie viel haben Sie noch zusätzlich einfließen lassen? Dinge, die vielleicht nicht dem üblichen Rollenbild entsprechen?

Birgit Minichmayr: Eigentlich ist alles vorgegeben gewesen, der Text und auch die Situationen. Die standen schon alle so im Drehbuch und wir haben auch nicht improvisiert.
Und es ist eine sehr ruppige Dame, die ich da zu spielen hatte. Man kann durchaus erkennen, dass ich eines der Gfraster in dem Film bin, von denen Ihre Kollegin spricht. Das kann ich durchaus so durchgehen lassen (lacht).

Hat die Arbeit an diesem Film Ihr Bild von blinden Menschen oder Menschen mit Behinderungen verändert?

Birgit Minichmayr: Also ich habe größten Respekt, wenn einem das passiert, das Augenlicht zu verlieren und man dann noch dazu alles völlig umlernt, umlernen muss; aber das wusste ich eigentlich vorher auch schon. Aber da begegnet man zwei blinden Menschen, und die haben eine Selbstverständlichkeit damit, eine Schönheit darin und einen so schönen Umgang damit. Und bestimmt holt sie dieser Schmerz über ihre Behinderung auch immer wieder ein, sind sie niedergeschlagen; sie haben natürlich gute und schlechte Tage, wie jeder andere. Da ist es natürlich immer bewegend, Menschen kennenzulernen, die sich davon nicht unterkriegen lassen.
Das hat jetzt nichts mit diesem Film zu tun, außer dass ich eben dadurch diese zwei Menschen kennenlernen durfte, die mir dieses Empfinden gegeben haben.

Ich war ja nicht wochenlang mit dieser Familie unterwegs, ich habe sie an einem Nachmittag besucht und sie um Erlaubnis gebeten, dass ich da ein bisschen was filmen kann, aber nur um mir das anzugucken, wie sie gewisse Dinge macht, Kaffee kochen, das Fenster öffnen und da rausrauchen … also was im Drehbuch stand.

Ich empfand beim Filmdreh dann als richtige Herausforderung, wenn ich die Linsen drinnen hatte. Wenn man nur die Brille aufhat, dann schummelt man sich ja auch ein bisschen so durch in seinem Film, aber die Herausforderung war, wirklich mit den Linsen zu bestehen. Und diese Ausdrucksmöglichkeit nicht zu haben, mit Blicken zu kommunizieren.

Vielen Dank für das Interview!

Trailer zum Film

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