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Die Trainerin und der Schauspieler lachen vor dem BSVWNB-Logo stehend verschmitzt in die Kamera
Bildinfo: Trainerin Marianne Kern und Schauspieler Sebastian Pass im Louis Braille Haus © BSVWNB/Martin Tree

Im Theater: "Rojava"

Am 28. Februar hatte das Stück „Rojava“ im Volkstheater Premiere. Der Schauspieler Sebastian Pass spielt darin die Rolle eines blinden Mannes in Rojava, dem kurdischen Selbstverwaltungsgebiet in Nordsyrien. Im Interview erzählt er über seinen persönlichen Zugang zum Stück, seine Vorbereitungen auf die Rolle und die Erkenntnisse daraus.

In „Rojava“ verkörpern Sie einen blinden Mann, der inmitten eines Bürgerkriegs zurechtkommen muss. Wie haben Sie sich persönlich in diese beiden extremen Situationen hineinversetzt?

Sich in die extreme Situation des Bürgerkriegs zu versetzen, das ist immer so ein Ding, denn ich finde es irgendwie anmaßend als Westeuropäer, dem es gut geht und der zum Glück keinen Krieg am eigenen Leib erlebt hat, so ein Schicksal nachzuspielen. Anderseits muss man ja als Schauspieler manchmal auch einen Mörder spielen, ohne im wahren Leben gemordet zu haben! Also hab ich versucht mich daran zu erinnern, wie ich seinerzeit nach dem Balkankrieg wieder in Kroatien war und zwei Brüder kennen gelernt habe, die den Krieg am eigenen Leib erlebt haben. Sie haben mir erzählt, dass es nach einer gewissen Zeit für sie zum täglichen Leben gehört hat, bei Sirenen oder Angriffen sich zu verstecken bzw. den Explosionen in der Ferne zuzuschauen... es hatte eine gewisse Normalität! Was sich mir eingebrannt hat, war der Ausdruck in den Augen, vor allem in den Augen des jüngeren Bruders. Da war eine gewisse Leere oder vielleicht auch eine Kälte in seinen Augen. Der Ältere hat mir dann erzählt, dass eines Tages, als sie auf einem Feld gespielt hatten, die Sirenen losgingen und dann in der Ferne Explosionen zu sehen waren, der Jüngere statt Schutz zu suchen sich hingesetzt hat und dem „Feuerwerk“ zusah. Ihre Großeltern fingen aber plötzlich an zu rufen und den Kleinen zu sich zu winken. Der Kleine war etwas irritiert und verstand die Panik nicht. Bis er dann bemerkte, dass er auf einer Leiche saß! Seitdem hatte sich angeblich der Ausdruck in seinen Augen verändert!
Und so kommen wir auch schon zu dem zweiten Teil Ihrer Frage: wie versetzt man sich in die extreme Situation, blind zu sein, nichts mehr zu sehen! Da habt ihr mir geholfen! Ich habe bei euch angerufen und um Hilfe gebeten, denn auch wenn meine Rolle im Stück Rojava eine komödiantische ist, will man ja es ernst nehmen!

Sie haben gemeinsam mit der BSVWNB-Trainerin Marianne Kern eine Sensibilisierung absolviert, um sich auf die Darstellung des blinden Mannes vorzubereiten. Was war Ihr größtes Aha-Erlebnis dabei?

Also zuerst möchte ich mich für die Herzlichkeit und die Bereitschaft und überhaupt bei euch bedanken! Frau Kern hat mir unglaublich geholfen! Auch wenn aufgrund von Inszenierung und anderem manches bühnenwirksamer gestaltet werden muss, hoffe ich, dass Frau Kern zufrieden sein wird!
Das größte Aha-Erlebnis neben den vielen Informationen in Bezug auf die täglichen Hürden, den Umgang mit blinden Menschen und auch Vereinfachungen für ihr tägliches Leben, war der Moment, als mir die Augenbinde wieder abgenommen wurde, ich wieder sehen konnte und die Realität farbloser und matter erschien, als ich sie während des Nicht-Sehen-Könnens in meinem Kopf hatte!

Das Nicht-Sehen ist auch in einer Ihrer anderen aktuellen Rollen Thema, in der „Komödie im Dunkeln“. Wie würden Sie Ihre Erfahrungen zusammenfassen, die aus diesen beiden Rollen entstanden sind, wo das Sehen sozusagen hinter einem Vorhang verschwindet?

Naja, in der „Komödie im Dunkeln“ spielen wir ja alle „blind“ wegen eines Stromausfalls … eine Komödie eben! Und das macht dann schon Spaß, immer irgendwo dagegen zu laufen oder die falsche Person anzusprechen etc. …und irgendwann können aber dann alle auch wieder sehen! Und man forciert ja auch die Hoppalas!
Nun bei „Rojava“ bin ich der Einzige, der nicht sehen kann, weil ich einen blinden Menschen namens Kaua spiele. Als „Hilfsmittel“ trage ich eine Sonnenbrille. Anfangs habe ich versucht, wirklich blind zu proben und das war heftig, da man sich nur auf sein Gehör verlassen kann. Und erschwerend kam noch dazu, dass wir sehr viel Musik in den Szenen haben und ich dadurch manchmal fast die Orientierung verloren habe und auch nicht eruieren konnte, wo meine Kollegen waren oder aus welcher Richtung die Stimmen kommen! Sich nur noch auf sein Gehör verlassen zu können, dann aber noch bühnenwirksam agieren zu müssen und noch den Text beherrschen zu müssen, das alles zusammen war bzw. ist eine unglaubliche Herausforderung!
Alles in allem kann ich nur sagen, dass ich dadurch viel aufmerksamer bezüglich der täglichen Geräusche und überhaupt meiner Umgebung geworden bin.

„Rojava“ im Volkstheater

Das Interview führte Mag. Martin Tree

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