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Vier Jugendliche stehen am Platz der Menschenrechte im Schatten nebeineinander und lachen in die Kamera, den Flyer zur Initiative hält eine junge Frau schon in der Hand
Bildinfo: Die Verrückte Jugend Aktion startet die Initiative „RückSICHT“ (v.l.n.r.: Mario, Tanja, Karoline und David). © BSVWNB/Astrid Glatz

Initiative „RückSICHT“ rollt an

Mario hält einen Stapel aufhängbarer Flyer in der Hand. Mit seinem leuchtend gelben T-Shirt und der Blindenschleife ist er kaum zu übersehen. Ein bisschen aufgeregt ist er, denn jetzt geht es los!

Schon spricht Mario einen Radfahrer an: „Hallo, heute wollen wir darauf aufmerksam machen, wie man Fahrräder und Roller richtig abstellt. Das ist gerade für blinde und sehbehinderte Menschen sehr wichtig, weil wir sonst darüber stolpern könnten.“ Der Fahrende stoppt und hört interessiert zu: „Finde ich super, was ihr hier macht!“

Es ist ein sonnig-heißer Freitagnachmittag. Der Ort könnte nicht besser gewählt sein: Am Platz der Menschenrechte beim Museumsquartier kommen jede Menge Menschen vorbei. Genau hier startet die Initiative „RückSICHT“ am 14. Juni mit einer öffentlichkeitswirksamen Aktion: Zahlreiche Roller mit Elektroantrieb – auch E-Scooter genannt – sind aufgereiht. An ihnen baumeln Flyer mit dem Titel: „Ein VerSEHEN? Nimm RückSICHT!“. Prägnant weisen sie auf das richtige Abstellen von Rollern und Fahrrädern hin. Auch die Jugendlichen der Verrückten Jugend Aktion wollen genau darauf aufmerksam machen: Sie sprechen PassantInnen an und verteilen die aufhängbaren Flyer.

Ein VerSEHEN? Stolperfallen verhindern

Das taktile Leitsystem ist wichtig für sehbehinderte und blinde Menschen, um sich im öffentlichen Raum zu orientieren. Leider werden genau dort manchmal Fahrräder oder Roller abgestellt.

„Viele wissen nicht, dass sehbehinderte Menschen mit dem Blindenstock pendeln. Auch wenn der Roller knapp neben dem Leitsystem geparkt ist, stößt der Stock dann trotzdem daran“, erklärt Projektleiterin Karoline Kadelski.

David ist Praktikant beim BSVWNB und auch bei der Aktion dabei. Wegen der angeborenen Seheinschränkung Achromatopsie hat er lediglich eine Sehstärke von 10 Prozent. Dieser Sehrest reicht aus, um Hindernisse zu erkennen und ihnen auszuweichen: „Zum Glück, denn vor meiner Haustüre liegen immer wieder Roller am Boden.“ Und genau diese können zu wahren Stolperfallen werden.

Aus Ärger wird Veränderung

Es waren viele kleine Ärgernisse, die zur Gründung der Initiative „RückSICHT“ führten: Zum Beispiel waren die gelben Leihräder von Ofo eine Zeitlang in Wien wahllos abgestellt auf Gehsteigen zu finden. Mittlerweile sind es falsch abgestellte Leihscooter, aber auch private Fahrräder, die an Ampelmasten gesichert sind, die die Jugendlichen immer wieder auf ihren Wegen behindern.

 „Wir haben uns immer wieder darüber aufgeregt – und uns schließlich überlegt, was können wir tun, außer uns zu ärgern?“ erzählt die Projektleiterin Tanja Kotek.

„Wir stellten dann fest – wie bei vielen Themen –, dass Sehende vielleicht gar nicht so genau wissen, wofür diese Rillen am Boden (Anm.: das taktile Leitsystem) sind oder die akustische Ampelanlagen. Wir wollten dann informieren und konstruktive Kritik üben.“ Und so kam die Initiative ins Rollen: Gemeinsam mit den Jugendlichen entwickelten die Projektleiterinnen die Idee. Sie gestalteten in Zusammenarbeit mit der Öffentlichkeitsarbeit aufhängbare Flyer, die sie an falsch geparkten Rollern und Fahrrädern anbringen wollten. „Mit der Aktion können wir die Radfahrenden oder zumindest die nächste Person, die den Roller ausborgt, auf unser Anliegen hinweisen“, erklärt Karoline Kadelski.

Vorm Gesetz gleichgestellt: Rad und E-Scooter

Ungünstig abgestellte Roller und Fahrräder ärgern viele Menschen – doch für sehbehinderte und blinde Menschen stellen sie ein gefährliches Hindernis dar. Die Mobilitätsagentur Wien unterstützt Barrierefreiheit im öffentlichen Raum, so auch die Initiative „RückSICHT“.

„Die Roller sind zurzeit ein Dauerbrenner-Thema. Weil es so schwierig ist: Bei Rollern ohne Motor ist der Gehsteig befahrbar, mit Motor muss man sich verhalten wie ein Radfahrer. Diese Information muss man unter die Leute bringen,“ erklärt Maria Grundner von der Mobilitätsagentur.

Seit dem 1. Juni 2019 sind Roller mit Elektroantrieb Fahrrädern gesetzlich gleichgestellt. Nach §88b der Straßenverkehrsordnung (StVO) müssen E-Scooter-Fahrende die Vorschriften für RadfahrerInnen befolgen. „Die Verkehrs-Teilnehmenden müssen wissen, was ihre Rechte und Pflichten sind, und da sind bewusstseinsbildende Aktionen das Um und Auf“, so Maria Grundner.

Leitfaden zum RückSICHT nehmen

Wo darf man denn nun seinen Roller parken und wo nicht? Um Orientierung zu liefern, informiert der BSVWNB auf seiner Website: Fahrräder sollten idealerweise an einem der 3.400 Standorte von Radbügeln abgestellt werden. Stationslose Leihfahrräder und E-Scooter finden neben dem Fahrradständer einen Platz, sofern sie niemanden behindern.

Ist kein Radbügel in der Nähe oder sind bereits alle Plätze besetzt? Idealerweise werden Räder und Scooter dann auf einem Parkstreifen neben dem Gehsteig platziert – hier behindern sie am allerwenigsten. Ist der Gehsteig breiter als 2,5 Meter, dürfen Roller und Räder auch hier geparkt werden, allerdings nur, wenn sie weder umfallen noch die PassantInnen behindern.

Beim Abstellen am Gehsteig ist besondere RückSICHT geboten: Blinde und sehbehinderte Menschen orientieren sich mit dem Langstock an der Hausmauer und am taktilen Leitsystem. Das Abstellen am Leitsystem oder an akustischen Ampelanlagen ist verboten – hier kann es auch zum polizeilichen Entfernen der Fahrräder und Roller kommen.

Das war erst der Anfang!

Ein erster Schritt in die richtige Richtung ist mit der Initiative schon getan. Zum Beispiel wird sie vom Scooter-Anbieter CIRC (vormals Flash) unterstützt. Jakob Feigl, Leiter des Marketing & Business Development, ist eine Beteiligung wichtig: „Wir haben die Vision, dass Scooter richtig aufgestellt werden und haben auch Ideen, wie man das längerfristig implementieren kann. Heute bei der Aktion sind wir mal da um zu zeigen, wie man mit den Scootern umgeht, wie man sie richtig aufstellt und stehen gern zur Verfügung falls es Fragen gibt.“

Die Bilanz der Auftakt-Aktion ist sehr gut: Mario hat bereits einige PassantInnen informiert, sowie zwei Radfahrende. In der Umgebung des Museumsquartiers hängen nun an vielen Fahrrädern und Rollern die auffälligen Flyer. Sogar ein Kamera-Team vom ORF und ein paar MedienvertreterInnen kamen, um über die Initiative zu berichten.

Doch das war erst der Anfang! Denn die Jugendlichen der VJA werden zukünftig die Flyer auf ihren Ausflügen mit dabei haben – und so beständig Aufmerksamkeit für ihr Anliegen schaffen. Für alle Interessierten liegen die Hänger beim Empfang des Louis Braille Hauses zum Abholen bereit: Damit aus VerSEHEN RückSICHT wird!

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Ein Jugendlicher mit Helm sitzt im vordersten Go Kart, hat die Hände fest am Lenkrad und blickt startbereit in die Kamera. Dahinter richtet sich ein weiterer Jugendlicher gerade im Kart ein.

Die Verrückte Jugend Aktion (VJA) unterwegs auf der Go Kart-Bahn.

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Drei Führhunde mit Kenndecke oder Führhundegeschirr sitzen freundlich hechelnd nebeneinander im Anton Mayer Saal

Einladung zur Veranstaltung im Rahmen der Woche des guten Testaments der gemeinsamen Initiative „Vergissmeinnicht“.

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Ein E-Scooter steht auf einem breiten Gehsteig, dahinter ist das Burgtheater zu erkennen. An der Lenkstange des Scooters hängt ein Informations-Flyer von LIME

Informationskampagne zum korrekten Abstellen von E-Scootern, um Stolperfallen für blinde und sehbehinderte Menschen zu vermeiden.