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Weiß-gelb-orange Beleuchtung über einem Weihnachtsmarkt, viele einzelne Elemente in Sternen- und Schneeflockenform vor einem schwarzen Nachthimmel. Text und Logo im Bild: Frohe Weihnachten wünscht Ihr BSVWNB Blinden- und Sehbehindertenverband Wien, Niederösterreich und Burgenland
Bildinfo: Weihnachtsmarkt-Beleuchtung © BSVWNB/Martin Tree

Kein Duft nach Beerenpunsch, Waffeln und Glühwein

Ein Bummel über den Weihnachtsmarkt: Im Jahr 2020 geht das nur in der Phantasie.

Das Jahr 2020 ist in vieler Hinsicht das Jahr der Ausfälle und Absagen.

  • Frisiersalonbesuch: abgesagt
  • Konzert: abgesagt
  • Massagetermin: abgesagt
  • Geburtstagsfeier mit FreundInnen und Familie: verschoben
  • Hochzeitsfeier der Schwester: verschoben

Die Liste könnte man noch lang fortführen. Jeder bzw. jede von Ihnen könnte wahrscheinlich spontan mindestens fünf Punkte hinzufügen.

Eine Tradition, die mir in den letzten Jahren lieb geworden ist, wird dieses Jahr leider auch ausfallen: Ein ausgiebiger Besuch auf meinem Lieblings-Weihnachtsmarkt gemeinsam mit meiner guten Freundin M. Das bedauere ich sehr.

Was bleibt, ist in Erinnerungen an die letzten Jahre zu schwelgen, um wenigstens ein bisschen Weihnachtsmarkt-Stimmung heraufzubeschwören.
Auf der Couch sitzend – ich befinde mich im Home-Office – mein Notebook auf den Knien, im Kamin ein knisterndes Feuer, beginne ich diesen Text zu schreiben…
 
Gleich vorweg: Meine Freundin M und ich, wir sind beide blind, und das macht einen Besuch am Weihnachtsmarkt besonders.  
Lange Zeit hielt ich mich von diesen bunten, chaotischen, glitzernden und schillernden Orten mit viel Gedränge lieber fern.  Es bekümmerte mich, dass ich die ausgestellten Waren ohnehin nicht sehen konnte. Die Beschreibungen von sehenden Begleitern und Begleiterinnen reichten mir nicht.
Erst, als ich mich einmal ganz alleine ins Getümmel traute, stellte ich fest, wieviel Freude mir das Schlendern zwischen den Ständen machte und dass ich auch als blinde Weihnachtsmarktbesucherin gut zurechtkam.
 
Eines, was man vor Besuch eines Weihnachtsmarkts beachten sollte, egal, ob man blind ist oder nicht, ist, sich wirklich warm anzuziehen. Dicke Socken mit gut gefütterten Schuhen, eine Winterjacke und Handschuhe sind die Mindestausstattung, wenn man vorhat, einen Nachmittag im Freien von Stand zu Stand zu flanieren. Bei den meisten Händlern und Händlerinnen bleibt man natürlich auch mehr oder weniger lang stehen. Mit zu dünner Kleidung wird das bald ungemütlich.

Die erste Herausforderung ist es, die einzelnen Standln zu orten. Auf unserem Lieblings-Weihnachtsmarkt stehen diese nacheinander aufgereiht, was die Sache ungemein erleichtert.

Da ist der Verkäufer aus der Mongolei, der Produkte aus seiner Heimat anbietet. Es gibt Wollsocken von Alpaka, Jak und anderen für uns exotisch klingenden Tieren. Wir dürfen sie befühlen und uns von der unterschiedlichen Wärmkraft überzeugen. Der Verkäufer nimmt sich viel Zeit für uns und erklärt uns, was es mit den verschiedenen Wollsorten auf sich hat.
Ein Teil des Verkaufsstandes ist eine Original-Jurte, das traditionelle Zelt der Nomaden Zentralasiens. Im Inneren sind noch mehr Hauben, Schals und andere Kleidungsstücke ausgestellt.  
Es duftet nach Wolle und Leder.

Wenn sich Art und Inhalt eines Standes nicht durch Gerüche oder Geräusche oder vielleicht Verkaufsgespräche erschließt, fragen wir: Was verkaufen Sie hier bitte? Und so kommen wir fast mit jedem Verkäufer / jeder Verkäuferin ins Gespräch. Sehr bereitwillig geben sie Auskunft über ihr Sortiment. Wir haben den Eindruck, dass sie sich über unser Interesse freuen.
Von Vorteil ist, dass jetzt, am Nachmittag, noch nicht so viele BesucherInnen am Markt sind. Es gibt also kein Gedränge und auch genug Platz und Zeit, um ausgiebig durch das Sortiment zu stöbern.

Beim nächsten Standl brauchen wir nicht fragen, der starke Käsegeruch sagt uns, wir sind bei dem Verkauf für Raclettebrote.
Und beim nächsten gibt es Punsch, Glühwein und Co. Zu bemerken an der großen Menschenmenge, die sich darum schart.
An der Waffelbäckerei kann man fast nicht vorbeigehen. Der Duft ist betörend. Vanille, Zimt, Schokoladesauce…

Auch der nächste Stand ist leicht an seinem Duft ausmachbar, hier gibt es Honigprodukte: Seifen, Kerzen, Wein und Liköre aus Honig. Die Verkäuferin erzählt uns, dass ihre Produkte aus dem Waldviertel kommen und biologisch hergestellt werden. Wir dürfen die zwei Sorten Honigwein-Likör verkosten: der eine mit Ingwer und Limette, der andere mit Wermut.  
Ein wenig von innen gewärmt geht es weiter.
 
Die Nudelwerkstatt hat es uns besonders angetan. Es gibt Nudeln in allen Formen und Farben. Zu bestimmten Themen, mit und ohne Ei. Für FreundInnen, die bald Nachwuchs bekommen werden, kaufe ich Nudeln in Form von kleinen Kinderwägen.
Auch weniger unschuldige Motive kann man hier finden.
 
Am Teestand machen wir als nächstes Halt. Hier gibt´s sogenannte Teekugeln. Das sind Kugeln aus gepressten Blüten und Kräutern. Diese, für 5 Minuten ins Wasser gelegt, entfalten sich und schauen dann aus wie eine wunderschöne bunte Blüte.
Ein nettes Geschenk.
 
Nicht alle VerkäuferInnen freuen sich über unseren Besuch. Da gibt es die Bude mit kleinen Figuren aus Porzellan. Die Verkäuferin fürchtet offensichtlich um ihre zerbrechliche Ware und würde uns am liebsten gleich wieder wegschicken. Das traut sie sich dann aber doch nicht. So ist sie eher kurz angebunden und spart mit Informationen über ihre Produkte. Da gehen wir freiwillig wieder. Schließlich gibt es genug andere freundliche HändlerInnen, die nicht leicht in Panik verfallen, wenn wir als blinde Kundinnen bei ihnen auftauchen.

Da ist dieser nette Mann mit den interessanten Trinkgefäßen, vorwiegend Tee- und Kaffeetassen. Für mich sind diese besonders interessant, weil sie eine tastbare Struktur haben. Man spürt kleine Pünktchen und Muster, wenn man mit den Fingern an der Außenseite entlangfährt. Bereitwillig gibt der Verkäufer Auskunft über Farbe und andere Merkmale, auch wenn das aufgrund mangelhafter Sprachkenntnisse nicht so einfach ist. Aber er bemüht sich. Ich kaufe eine orange Teetasse und freue mich schon auf eine schöne Tasse Tee am nächsten Sonntagmorgen.

 So, jetzt ist es aber Zeit für eine Stärkung. Was wäre ein Weihnachtsmarktbesuch ohne einen Punsch oder Glühwein?

Die Entscheidung fällt schwer, denn die Auswahl ist schier unendlich. Schon die alkoholgeschwängerte Luft in der Nähe der Punschbuden macht uns fast betrunken.
Ich nehme dann einen Beerenpunsch, meine Freundin eine Feuerzangenbowle. Endlich kann man sich die Hände am heißen Heferl etwas aufwärmen.
Etwas beschwingt geht es weiter. Es kamen dann noch ein Apfel- und ein Schokopunsch dazu.
 
Langsam wird es auch dunkel. Die stimmungsvolle Weihnachtsbeleuchtung kann ich ein wenig erkennen. Außerdem kann ich die einzelnen Stände leichter lokalisieren, wenn sie hell beleuchtet sind.
Nun kommen wir an dem Stand mit Räucherwerk, ätherischen Ölen und Aromalampen vorbei. Auch Windspiele gibt es hier, was man an dem leisen Klirren unschwer erkennen kann.
 
Schon wieder ein Stand mit Wollhauben. Hier gibt es auch Handschuhe, Fäustlinge und Socken. Ich entscheide mich für eine ausgefallene Haube mit einem lustigen Bommel.
Und ein Paar Alpakasocken nehme ich auch gleich mit; für warme Füße im Winter.
 
Unsere Rucksäcke sind schon gut gefüllt. Langsam wird uns auch kalt. Der Weihnachtsmarkt füllt sich mehr und mehr mit BesucherInnen.
So beschließen wir, obwohl uns noch einige Standln fehlen, für heute Schluss mit Einkaufen zu machen. Hungrig sind wir auch schon.
Jetzt müssen wir uns noch um ein gemütliches Lokal für das Abendessen umschauen. Eine warme Suppe wäre jetzt fein.
 
Plötzlich, ein Knistern.
Ein Holzscheit im Kamin knackt. Neben mir hat es sich die Katze auf der Decke gemütlich gemacht und räkelt sich mit einem Seufzer.
So lebendig waren die heraufbeschworenen Bilder, ich fühle mich ganz benommen. Fast kann ich den Punsch noch auf der Zunge schmecken und die verschiedenen Düfte nach Räucherstäbchen, Honig und Zimt riechen.

Ein wenig sentimental bin ich jetzt auch geworden, und ich stelle wieder einmal fest, um wieviel mehr man Dinge vermisst, wenn man sie gerade nicht haben kann.
 

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Davon ist Theresa Baumgartner fest überzeugt. Sie lebt seit bald 55 Jahren mit Diabetes Typ 1 und leitet die Diabetesgruppe im BSVWNB.

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... so die einhellige Meinung von Adriana und Mahendra Galani, die beide blind sind.

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