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Auf einem roten Tisch liegt ein dickes weißes Buch, man sieht die Arme eines Mannes mit einer Blindenschleife links, der Zeigefinger der rechten Hand streicht über die erhabenen Braillepunkte auf der rechten Seite des Buches
Bildinfo: Begonnen hat alles mit Braillebüchern © BSVWNB

Lesen mit allen Sinnen – das Deutsche Zentrum für barrierefreies Lesen

„Bücher lesen heißt, wandern gehen in ferne Welten, aus den Stuben, über die Sterne.“

Dieser Ausspruch von Jean Paul hätte als Motto für den fünften virtuellen Themenabend des BSV WNB sehr gut gepasst.

Wir wanderten zwar nicht in fernen Welten, und auch Sterne haben wir keine besucht, aber immerhin verschlug es uns nach Leipzig, in das Deutsche Zentrum für barrierefreies Lesen (DZB Lesen).
Ronald Krause, PR-Referent bei DZB Lesen, führte uns via Zoom durch diese besondere Bücherwelt.


Das DZB Lesen (vormals Deutsche Zentralbücherei für Blinde – BZB) gibt es schon seit 1894; es ist die älteste Spezialbibliothek dieser Art in Deutschland. Lange Zeit war es eine Bibliothek für blinde und sehbehinderte Menschen.

Mit dem Vertrag von Marrakesch kamen zu der Gruppe der blinden und sehbehinderten 2019 noch die der lesebehinderten Leser und Leserinnen hinzu. Das heißt, die Dienstleistungen stehen allen, die konventionelle Literatur nicht oder nur schwer konsumieren können, zur Verfügung. Dies ist mithilfe eines Nachweises (Behindertenpass, medizinische Befunde etc.) zu belegen.

Das DZB Lesen verfügt, wie man es von einer Bibliothek nicht erwarten würde, über keinen Lesesaal. Die Bücher kommen kostenfrei per Fernleihe zu den Lesenden nach Hause.

Obwohl dieses Angebot immer noch am meisten genützt wird, gewinnen digitale Varianten der Ausleihe immer mehr an Bedeutung. Mittlerweile stehen ungefähr 84.000 Buchtitel zur Ausleihe zur Verfügung.

Das DZB Lesen ist zu allererst ein Produktionszentrum. Hier wird Literatur bedarfsgerecht aufbereitet, sei es in Form von Braille-, Hör- und Großdruckmedien, Reliefs oder Noten für seheingeschränkte MusikerInnen. So gibt es eine Abteilung für Braille- und Textübertragung, eine Druckerei und Buchbinderei (eine Schwarzdruckerei und eine, die ohne Farbe auskommt), die Reliefabteilung, einige Studios für die Hörbuchaufsprache und die immer wichtiger werdende IT-Abteilung.

Braille war die Basis

Begonnen hat alles mit der Erzeugung von Braillebüchern; inzwischen gibt es um die 20.000 Werke zum Ausleihen.

Die Brailleschrift zu fördern, so Herr Krause, sei dem DZB Lesen ein wichtiges Anliegen. Sie sei „die Schrift“ der blinden Menschen, eine andere gäbe es nicht. So beteilige man sich immer wieder an Projekten zur Förderung dieser wichtigen Technik.

Nichtsdestotrotz erfreuen sich Hörmedien mittlerweile sehr großer Beliebtheit. Seit nun mehr als 65 Jahren werden diese im DZB Lesen produziert. Zur Auswahl stehen über 55.000 verschiedene Titel. Dazu kommen noch 2.000 Hörfilme.
Auch Zeitschriften sind in Hörform erhältlich.

Ausleihe und Verkauf

Der größte Bereich ist nach wie vor die Fernleihe. Das heißt, die gewünschten Bücher werden kostenfrei zu den LeserInnen nach Hause – und von diesen wieder zurückgeschickt. Versendet wird in die ganze Welt.

Immer mehr nimmt jedoch der Download-Bereich an Fahrt auf. Bücher können mittels einer App direkt aufs Smart-Phone, auf ein onlinefähiges Abspielgerät oder auf den PC heruntergeladen und innerhalb kürzester Zeit konsumiert werden.

Neben der Möglichkeit, Medien zu leihen, gibt es auch einen Verkauf. Im hauseigenen Verlag werden Braille, Großdruck und Reliefkalender, Grußkarten, Spiele oder Kinderbücher produziert und verkauft.

Ein Spezialangebot für MusikerInnen

Eine besondere Dienstleistung verbirgt sich hinter dem Begriff DaCapo-Service.

Neben dem bereits vorhandenen Bestand an Musiknoten werden hier nach Bedarf Musikstücke aufbereitet und den MusikerInnen kostenfrei zur Verfügung gestellt.

DZB Lesen als Dienstleistungszentrum

Wie können Medien von Haus aus so aufbereitet werden, dass sie von allen Menschen konsumiert werden können?
Darin ist das DZB Lesen Experte und diese Expertise ist in verschiedenen Bereichen immer mehr gefragt.
Zunehmend wichtiger wird daher der Bereich Beratung und Schulung für unterschiedlichste Unternehmen und öffentliche Stellen.

Das Leipziger Online-Unterstützungs- und Informationsservice (Louis):

Louis ist ein Beratungsdienst, der telefonisch, online oder bei einem Stammtisch in Anspruch genommen werden kann. Hier wird vor allem zu technischen Belangen informiert, z.B.: Mit welchen Geräten kann man Bücher abspielen? Wie funktioniert die Software?

Wer finanziert das alles?

Das DZB Lesen ist dem sächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst unterstellt und somit grundsätzlich vom Staat finanziert.
Einen großen Anteil an der Finanzierung hat aber auch der Förderverein: Freunde des barrierefreien Lesens e.V. (www.barrierefreies-lesen.de).
Prinzipiell, so Herr Krause, sei das DZB Lesen ein offenes Haus. In Nicht-Corona-Zeiten gäbe es hier viele BesucherInnen, Führungen für Schulen und andere Interessierte.

Vielleicht haben Sie ja Lust bekommen, das Haus einmal an einem Tag der offenen Tür zu besuchen.

Hier noch einige wichtige Informationen:

Telefonnummer des DZB Lesen: 0049 341 7113 0
Website: www.dzblesen.de
E-Mail: info(at)dzblesen.de

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