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Ein junger Mann sitzt vor einem Monitor mit stark vergrößerter Anzeige eines Textes aus einem Buch, das unter dem Monitor (mit eingebauter Kamera) auf einer Ablagefläche aufgeschlagen liegt.
Bildinfo: Das Gerät scannt die Lernunterlagen und gibt die Inhalte vergrößert auf einem Monitor aus. © BSVWNB/Martin Tree

„Man ist manchmal noch von der Kulanz und dem Verständnis einzelner Professor:innen abhängig“

Wer mit Blindheit oder Sehbehinderung ein Studium beginnt, braucht gute Nerven und hat zahlreiche Hürden zu überwinden. Darüber sprachen wir bei unserem Themenabend mit Frau Mag.a Barbara Levc.

Themenabend mit Mag.a Barbara Levc

Sie ist Leiterin des „Zentrums Integriert Studieren“ an der Uni Graz. Das Zentrum versteht sich als Anlaufstelle für alle Studierenden und Mitarbeitenden der Karl-Franzens-Universität. Ziel der Arbeit ist ein gleichberechtigter und gleichwertiger Zugang zu allen Angeboten und Leistungen der Karl-Franzens-Universität für Menschen mit Behinderung und chronischen Erkrankungen. Barbara Levc hat im Jahr 1994 als Ein-Frau-Betrieb begonnen. Mit dem Anwachsen der Zahl Studierender wuchs auch das Zentrum Integriert Studieren, so dass es heute sechs (Teilzeit-)Mitarbeitende gibt. Die Aufgaben sind vielfältig. Sie reichen von Beratung und Information über Serviceangebote wie das Adaptieren von Literatur in barrierefreie Formate und Unterstützung bei Prüfungen bis hin zur Assistenz in Lehrveranstaltungen.

An den Unis ist die Zeit nicht stehen geblieben

Die Erfahrungen, die Studierende mit Behinderungen an unterschiedlichen Unis machen, sind sehr verschieden. Je nachdem, ob sich eine Uni schon von Anfang an mit den Problemen behinderter Studierender auseinandersetzte oder nicht, ist sie besser mit den Anforderungen vertraut oder eben nicht. Eine Teilnehmende unseres Themenabends berichtete beispielsweise über gute Erfahrungen, die sie derzeit an der Uni Wien macht. Ein anderer Teilnehmer erzählte, wie er an den Hürden an der WU gescheitert ist. Begonnen von der nicht vorhandenen Barrierefreiheit auf dem neuen Campus bis hin zu den Barrieren in den Köpfen mancher Lehrender hat er leider viele negative Erfahrungen gemacht.
 
Auch die Organisatorin unserer Themenabende, Frau Mag.a Marion Putzer-Schimack, hat ihre Erfahrungen als schwer sehbehinderte Studentin gemacht.

„Alles war sehr schwierig. Ich musste lernen, meine Hörsäle zu finden. Ständig suchte ich nach Aushängen, die in irgendeinem der finsteren Gänge aufgehängt wurden. Von Digitalisierung war damals noch keine Rede. In der Zwischenzeit hat sich natürlich viel geändert.“

Ein weiterer Student aus der Reihe der Teilnehmenden gibt den guten Rat: „Bevor man als blinder Mensch ein Studium angeht, sollte man sich Gedanken über die technischen Voraussetzungen machen. Es braucht ausgezeichnete Kenntnisse im Umgang mit Computer und Smartphone, mit Screenreadern und Videokonferenzanwendungen. Auch die Anschaffung eines Scanners und einer Texterkennungssoftware sind für das schnelle Adaptieren von Texten oft sinnvoll. Studieren bedeutet auch das Organisieren und Arbeiten mit großen Mengen an Information, also auch das Speichern und Ordnen großer Datenmengen. Wie man das löst, sollte man sich schon im Vorfeld überlegen.“

Die Mühen der Bürokratie

So ein Studium bringt oft auch den Auszug aus dem Elternhaus mit sich. Da kann ein Mobilitäts- und LPF-Training sehr hilfreich sein. Studieren bedeutet selbstständig werden, sowohl auf der Uni als auch im privaten Leben. Damit einhergehend machen die meisten Studierenden ihre ersten unmittelbaren Erfahrungen mit dem bürokratischen System in Österreich. Wie kann ich mich krankenversichern? Welche Förderungen kann ich wofür beantragen? Wie sieht es in meinem Bundesland damit aus? Ein Mobilitätstraining für den Weg zur Uni wird beispielsweise vom Sozialministeriumservice gefördert, ein Mobilitätstraining zum Einkaufen vom jeweiligen Bundesland mit unterschiedlichen Richtlinien.
 
Auch die erhöhte Familienbeihilfe ist ein wichtiger Punkt. Wer sie vorher schon erhalten hat, bekommt sie bis zum vollendeten 25. Lebensjahr, aber man muss dem Finanzamt einen Studienerfolg nachweisen, der bei Bezieher:innen der erhöhten Familienbeihilfe auch unter den sonst geforderten 16 ECTS liegen kann (European Credit Transfer and Accumulation System). Was neu dazu kommt, ist die so genannte Mindeststudienleistung: In den ersten Semestern muss man eine bestimmte Anzahl an ECTS bringen. Wenn man das nicht schafft, ist man für die folgenden zwei Jahre für das jeweilige Studium gesperrt. Studierende mit Behinderung sind von dieser Regelung ausgenommen.
 
Auch bei der Studienbeihilfe gibt es behindertenspezifische wichtige Punkte. Zur Berechnung eines bewilligten Stipendiums wird die Höhe des Einkommens der Familie herangezogen. Egal, wie hoch es letztendlich ausfällt, so bekommt man mit einer bestimmten Behinderung einen fixen Betrag dazu. Bei Blindheit sind es 150 Euro mehr. Der Leistungsnachweis ist allerdings strenger als bei der Familienbeihilfe. In den ersten beiden Semestern muss man eine bestimmte Anzahl an ECTS nachweisen. Schafft man dies nicht, erhält man vorübergehend keine Beihilfe mehr und bekommt eine Nachfrist gesetzt. Sobald die Leistung für die ersten beiden Semester erbracht wurde, muss man keine Nachweise mehr bringen. Weiters kann man aufgrund der Behinderung auch um ein Toleranzsemester ansuchen, d.h. man erhält die Studienbeihilfe insgesamt zwei Semester länger als die Mindeststudiendauer.
 
Mit einem Wort: Es gibt zahlreiche wichtige Regelungen, die einen betreffen und viele relevante Fragen. Daher zahlt es sich aus, sehr genau zu recherchieren oder kompetente Beratungseinrichtungen zu konsultieren.

Regelungen, die man kennen sollte

Barbara Levc unterscheidet zwei Ebenen. Einerseits die jeweiligen Einrichtungen an den Unis mit ihrem Unterstützungsangebot, das sehr verschieden ist. Andererseits die gesetzlichen Vorgaben.
Und was sagt nun das Gesetz? Nun, es erlaubt etwa einen angepassten Prüfungsmodus für Menschen mit Behinderung. Genaueres ist im Gesetz nicht definiert, was auch gut ist, denn schließlich bringt jede Behinderung andere Herausforderungen mit sich. Nur geht auch jede Uni mit dem gesetzlich zugestandenen Freiraum anders um. Und natürlich ist es immer eine Frage einzelner handelnder Personen. Wie sich in unserem Publikum zeigte, gab es sowohl positive als auch negative Beispiele von Lehrenden zu berichten. Was uns besonders freut, ist die positive Nennung der FH Campus Wien. Diese trat von Anfang an mit dem Blindenverband WNB in Kontakt und hat unsere Expertise miteinbezogen.
 
Ein interessantes Detail ist, dass das Gesetz für die FHs schwammiger formuliert ist als für Unis. Studierende mit Behinderungen haben das Recht auf Prüfungsanpassungen, wenn das ursprüngliche Prüfungsformat aufgrund der Behinderung nicht möglich ist. Bei Unis gibt es einen extra Paragrafen, wonach das auch für Aufnahmeprüfungen gilt. Behinderte Studierende an FHs sind öfters rechtlich benachteiligt, meinte Barbara Levc. An der Universität Graz kann man sich für Studienrichtungen mit Aufnahmeprüfung nur online anmelden. Auf der Website gibt es einen Button, den man klickt, wenn man einen adaptierten Prüfungsmodus braucht. Diese Info geht ans Zentrum, von wo aus man dann Unterstützung bekommt.
 
Das Gesetz ermöglicht für Studierende an pädagogischen Hochschulen und Unis auch Anpassungen im Curriculum. Wenn Teile des Studiums aufgrund der Behinderung nicht absolviert werden können, können Studierende einen Antrag auf Ersatz durch etwas anderes, aber gleichwertiges stellen. Es wird sozusagen eine Lehrveranstaltung ausgewechselt. Die Beantragung einer Curriculumsanpassung muss schriftlich gestellt werden, dafür sind an Unis und der Pädagogischen Hochschule teilweise unterschiedliche Stellen zuständig – z.B. Vizerektorat für Studium, Studienrechtsabteilung und so weiter. Das muss man jeweils zuvor herausfinden. Eine Anpassung des Prüfungsmodus kann man teilweise mit dem oder der Lehrenden vereinbaren, aber auch hier gibt es unterschiedliche Abläufe an den einzelnen Standorten.
 
Literatur ist ein wichtiges Thema für alle Studierenden. Aber was machen blinde oder sehbehinderte Menschen im Studium hinsichtlich des Lesens von Büchern, Skripten und dergleichen? Sie brauchen alle Texte digital, damit sie von entsprechenden Anwendungen vorgelesen werden können. Früher wurden Texte händisch eingescannt. Das ist inzwischen nicht mehr die Norm, da viele Texte schon digital vorhanden sind. Nicht zuletzt durch Corona hat sich das Angebot an E-Books und online zur Verfügung gestellter Literatur stark verbessert. Viele Forschende publizieren ihre Artikel heutzutage freiwillig auf Online-Plattformen. Es kann auch sein, dass Unis die Bücher digital direkt von den Verlagen erhalten. Ganz einfach ist es trotzdem noch nicht, denn beispielsweise sind nicht alle Formate von E-Books barrierefrei.
 
Nach unserem Themenabend wurde klar, auf den Unis hat sich für blinde und sehbehinderte Studierende tatsächlich viel verändert. Es ist schwer Aussagen zu treffen, die auf alle Universitäten und FHs in allen Bundesländern zutreffen. Trotz vieler geschilderter Probleme sollten sich Menschen mit Behinderung keinesfalls von einer universitären Ausbildung abschrecken lassen. Es gibt kompetente Menschen in eigenen Beratungsstellen, die einem mit Rat und Tat zur Seite stehen!

Links:

Die Website des Zentrums Integriert Studieren von Frau Mag.a Levc:
https://integriert-studieren.uni-graz.at/de/
 
Über die Website von UNIABILITY findet man die Beratungs- bzw. Ansprechstelle für Studierende mit Behinderung an der jeweiligen Uni:
www.uniability.org
 
Hier gibt es viele Informationen über Stipendien und für viele verschiedene Situationen:
www.stipendien.at
 
Auf dieser Seite bieten viele große Anbieter von elektronischen Geräten Rabatte für Studierende an:
www.edustore.at
 
Hier auch noch eine interessante Radiosendung zum Thema Studieren mit Behinderung mit weiterführenden Links:
https://www.barrierefrei-aufgerollt.at/sendung-52-studieren-mit-behinderung/

Einladungslink für eine Student:innen WhatsApp Gruppe, die sich gerade formiert:

https://chat.whatsapp.com/LUqnJhCyXhEAJfQVsXAgZw

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