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Eine Expertin und vier Experten für POPTIS stehen für die Kamera nebeneinander vor dem Podiumstisch in den Louis Braille Stuben
Bildinfo: Andrea Wahl, Mag. Daniele Marano, DI Werner Bischof, Wolfgang Kremser, Dr. Milan Malecek

POPTIS - der sichere Weg durch Wiens U-Bahnnetz

Der gut besuchte Themenabend im September widmete sich einem für blinde und sehbehinderte Menschen enorm wichtigen Bereich: der Orientierung im Wiener U-Bahnnetz mit Hilfe von POPTIS.

Am Podium hatten sich die POPTIS-Experten DI Werner Bischof von der Bischof-IT (technische Umsetzung), Dr. Milan Malecek (Mobilitätstrainer), Wolfgang Kremser (langjähriger Mitarbeiter und blinder Tester) sowie Mag. Daniele Marano (Koordinator für Rückmeldungen) eingefunden.

Die vier Experten am Podium gaben einen eindrucksvollen Einblick in Aufgabe, Leistungsumfang und praktische Nutzung von POPTIS. Hinter dieser Kurzbezeichnung verbirgt sich der etwas sperrige Ausdruck "Pre - On - Post - Trip - Informations - System".

Navigation in Worten

Viele Menschen nutzen ein Navigationssystem, basierend auf mehr oder weniger genauem Kartenmaterial. Wer blind oder sehr stark sehbehindert ist, kann visuelle Pläne nicht nutzen. Es ist erforderlich, Wegstrecken und örtliche Gegebenheiten in Worten äußerst detailliert zu beschreiben. Wer das schon einmal versucht hat, weiß, wie schwierig das ist. Die Routenbeschreibungen von Google Maps oder anderen Anbietern sind daher auch äußerst wortkarg und beinhalten erst recht keine für blinde Menschen verwertbaren Detailinformationen. Blinde Menschen orientieren sich nämlich an Gehsteigkanten, Hausmauern oder Briefkästen, Hauseingängen und vielen anderen Details, die in herkömmlichen Navigationssystemen nicht enthalten sind. Und genau auf diese Details geht POPTIS in den Wegbeschreibungen nicht nur detailliert, sondern metergenau ein.

Ein umfangreicher Baukasten

POPTIS gibt es bereits seit 2003, initiiert von Roland Krpata, Experte für Leitsysteme bei den Wiener Linien. Von Entwicklungsbeginn an waren blinde NutzerInnen involviert, darunter Wolfgang Kremser, sowie MobilitätstrainerInnen des BSVWNB.

In der ersten Version waren nur einige Stationen verfügbar, in der zweiten Variante 2008 bereits das gesamte Netz von 109 Stationen. Die nunmehr dritte Generation basiert auf einer Datenbank, in der alle Wege in kleinen Abschnitten als Bausteine vorhanden sind, sodass die einzelnen Wegstrecken wie bei einem Puzzle zusammengefügt werden können. Je nachdem, welche Bausteine benötigt werden.

Erfassen - kontrollieren - testen

Die Eingabe einer neuen Station beginnt mit der Dateneingabe, wobei dieser eine detaillierte 3D-Aufnahme zugrunde liegt. Damit werden Entfernungen bereits automatisch erfasst. Diese Arbeit geschieht in der Bischof-IT.

Nun kommen die MobilitätstrainerInnen ins Spiel, die den Weg auf Plausibilität und Sicherheit prüfen. Sobald alles "im grünen Bereich" ist, machen sich blinde Tester auf den Weg, um die Wege in der Realität zu erproben und ihre Erfahrungen rückzumelden. Erst danach erfolgt die Freigabe.

Manchmal, so erläutert Dr. Malecek, ist es erforderlich, nicht den bevorzugt von MobilitätstrainerInnen empfohlenen Weg zu nehmen, sondern eine Variante, die besser als Teilstrecke für weitere Wegstrecken geeignet ist.

Mit der neuen datenbankbasierten Version von POPTIS ist also nicht nur eine einfachere Pflege möglich, sondern auch eine sehr strenge Qualitätskontrolle verbunden.

Wie komplex POPTIS ist, wird rasch klar, wenn man sich eine Station wie den Karlsplatz vorstellt. Hier verkehren drei U-Bahnlinien und es gibt weit über zehn Ausgänge und viele anschließende Stationen für Straßenbahn und Bus. Das ergibt in den einzelnen beschriebenen Wegstrecken die stattliche Anzahl von ungefähr 370 Puzzle-Stücken, aus denen die unterschiedlichsten Routen zusammengestellt werden können.

POPTIS in der Praxis

Nehmen wir an, wir sind mit der U3 aus der Stadt gekommen und möchten den Ausgang Feilplatz nehmen, um zum Louis Braille Haus zu gelangen.

Zuerst wählt man seinen Ausgangspunkt, also U3, Station Hütteldorfer Straße, Bahnsteig U3 Richtung Ottakring. In einem nächsten Schritt wird das Ziel ausgewählt.  Das kann je nach Haltestelle eine Straßenbahnstation, der Umstieg in eine andere U-Bahnlinie oder ein Ausgang sein. In unserem Beispiel wählen wir den Ausgang Feilplatz.

Nun informiert POPTIS gleich in der Überschrift "Wegbeschreibung Huetteldorfer_Strasse von U3 Richtung Ottakring nach Feilplatz und Spallartgasse". Zu Beginn erhält man eine detaillierte Beschreibung der Bahnsteigsituation, ausgehend von der Bahnsteigmitte. Beschrieben werden Entfernungen sowie alle Auf- bzw. Abgänge und verfügbare Orientierungshilfen. Unter der Überschrift "Standort" beginnt die eigentliche Wegbeschreibung, die auf Nutzung eines Langstocks abgestimmt ist und daher auch ohne optische Anhaltspunkte auskommt. Der Abschnitt zum Auffinden des Lifts und weiter bis auf Straßenniveau liest sich wie folgt:

Abzweigung Sicherheitslinie, Linksdrehung, 4 Meter, entlang der Leitlinie bis zur Querlinie. Links auspendeln.
Querlinie, Linksdrehung, einige Schritte bis zur Rufsäule.
Rufsäule, geradeaus, Doppelliftgruppe mit Durchladekabine. Rufsäule in der Mitte. Auf Niveau 0 fahren und an der gleichen Seite aussteigen.

Die Formulierungen mögen seltsam anmuten, erfüllen in der Praxis aber ihren Zweck. Freilich empfiehlt es sich, Begriffe, die man nicht auf Anhieb versteht, nachzuschlagen. POPTIS bietet dafür im Vorwort alle benötigten Informationen. Dort liest man z.B. "Lift mit Durchladekabine: Lift mit zwei gegenüber liegenden Kabinentüren".

Vermutlich kann sich kaum jemand längere Beschreibungen merken. Darum ist POPTIS auch so ausgelegt, dass man es auf jedem System, ob nun zu Hause am PC oder unterwegs am Smartphone, gut nutzen kann. Jede Beschreibung lässt sich auch als MP3 herunterladen und so auch unterwegs gut nutzen. Für FührhundebesitzerInnen bietet das System auch alternative Gehwege ohne Rolltreppe.

POPTIS in der Zukunft

Rein technisch gesehen steht einer Erweiterung von POPTIS auf die zu erwartende Linie U5 nichts im Wege, wie DI Bischof ausführt. Auf Fragen aus dem Publikum nach Einsatz eines solchen Navigationssystems auch in anderen Bereichen weist DI Bischof jedoch darauf hin, dass ein beschreibendes System wie POPTIS nur dann funktionieren kann, wenn auch entsprechende Orientierungshilfen im Umfeld vorhanden sind. Wo diese fehlen, müssten andere Techniken greifen.

Wie groß der Bedarf an Navigationshilfen für blinde und sehbehinderte Menschen ist, zeigen die Wortmeldungen aus dem Publikum deutlich: Da gibt es noch viele Bushaltestellen, wo vor allem im ländlichen Bereich auch wichtige Anhaltspunkte fehlen, die im städtischen Bereich meist vorhanden sind, wie etwa Gitterroste, Hydranten, Briefkästen, Hauseingänge usw. Oder auch fehlende Aufmerksamkeitsfelder, ob nun in Wien oder im Umland: damit werden z.B. Einstiegsstellen gekennzeichnet, sie bestehen aus tastbaren Noppen am Boden, die mit dem Stock oder den Füßen ertastet werden können.

Abschließend bedankten sich Mag. Daniele Marano und Wolfgang Kremser bei allen AkteurInnen, die mitgewirkt haben, POPTIS zu dem zu machen, was es heute ist: eine wichtige und zuverlässige Orientierungshilfe im Wiener U-Bahnnetz, die auch möglichst intensiv genutzt werden sollte.

Kontakt für Rückmeldungen und Fragen zu POPTIS

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