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Ein Mann vor einer Hallenwand mit kurzen Sporthosen und blauem Sportshirt, in der linken Hand hält er einen Tennisschläger, mit dem er gerade den dunklen Ball schlägt. Sein rechter Fuß ist etwas über dem Boden, als er sich nach links zum Ball hinunter beugt.
Bildinfo: Christian Zehetgruber ist begeistert von der neuen Sportart, die er letzten Sommer für sich entdeckt hat. © Videbis

Ready? Yes. Play!

Mit diesen Zurufen beginnt jeder Ballwechsel, wenn zwei Menschen, die blind sind, miteinander Tennis spielen.

Ja, auch wer blind oder stark sehbehindert ist, kann Tennis spielen. Sehende Menschen können sich das nur schwer vorstellen, aber es funktioniert.

Herr Zehetgruber, Sie sind als Geschäftsführer der Firma Videbis beruflich sehr eingespannt. Ist Blindentennis ein guter Ausgleich für Sie?

Christian Zehetgruber: Sport ist ja immer eine gute Möglichkeit, Stress abzubauen und Energie zu tanken. Blindentennis gefällt mir aber ganz besonders gut. Ich muss geschickt sein und rasch reagieren können. Ich krieg‘ ja erst beim ersten Aufschlag mit, wo sich der Ball am Feld genau befindet. Jetzt muss ich schnell sein. Erwisch‘ ich ihn schon beim zweiten Aufschlag, bekomm‘ ich ihn noch über das Netz, schaffen wir mehrere Ballwechsel?

Blindentennis ist eine neue Sportart. Wie haben Sie davon erfahren?

Christian Zehetgruber: Ich habe im Newsletter des Blinden- und Sehbehindertenverbands darüber gelesen.

Ich habe mir dann gedacht, ich weiß zwar überhaupt nicht, wie das funktionieren soll, aber es klingt so abgefahren, ich will das unbedingt einmal ausprobieren.

Letzten Sommer hatte ich dann die Gelegenheit dazu und ich habe gemerkt, dass das mit ein bisschen Übung durchaus möglich ist.

Der Österreichische Behindertensportverband (ÖBSV) bietet Trainings und Kurse in Wien an. Durchgeführt werden sie von Ihnen, Frau Nagyi. Sie sind als selbstständige Sporttrainerin seit vielen Jahren im Blindensport tätig und haben sich bei einer Fortbildung in Deutschland das nötige Rüstzeug geholt, um Blindentennis professionell vermitteln zu können. Was unterscheidet Blindentennis vom herkömmlichen Tennis?

Katharina Nagyi: Die Regeln sind ganz ähnlich. Wir unterscheiden aber noch zwischen Tennis für Leute, die blind sind und jene, die sehbehindert sind. Beim Tennis darf der Ball nur einmal auf dem Boden aufschlagen und muss dann übers Netz zurückgespielt werden. Beim Blindentennis kann der Ball drei Mal aufkommen und die SpielerInnen tragen eine lichtundurchlässige Brille. Beim Tennis für SportlerInnen mit Sehbehinderung muss der Ball nach dem zweiten Aufschlag zurückgespielt werden und sie tragen keine Brille. Also diese Regeln gelten für die Wettkämpfe.

Und je weniger man sieht, desto mehr muss man sich aufs Hören verlassen. Der Ball hat innen drinnen eine Klingel, man hört, wenn er getroffen wird und am Boden aufkommt.

Er ist aus Schaumstoff, ist etwas größer und springt etwas langsamer als ein herkömmlicher Tennisball. Beim Blindentennis werden kleinere Schläger verwendet. Das Feld misst die Hälfte eines üblichen Tennisplatzes. Die Linien werden mit einem Klettband nachgezogen, man kann sie also mit den Füßen und dem Schläger spüren.


Wie vermitteln Sie einem Menschen, der nichts sieht, diese Sportart? Worauf achten Sie als Trainerin?

Katharina Nagyi: Natürlich gehe ich anders vor als bei Leuten, die sehen. Wichtig ist, sich Zeit zu lassen. Der Ball muss nicht gleich getroffen werden. Wichtig ist auch, klar und deutlich zu sprechen. Aber ich darf nicht nur mit Worten anleiten. Ich beschreibe zwar die Bewegung sehr genau, aber ich führe sie auch gemeinsam mit den TeilnehmerInnen aus, sofern dies in Zeiten der Pandemie möglich ist. Aber als allererstes gehen wir das Feld ab, damit alle wissen, wieviel Platz sie haben.

Beim Blindentennis ist das Spielfeld halb so groß ist wie beim herkömmlichen Tennis. Es ist seitlich und vor allem nach hinten viel Platz. Die beiden SpielerInnen können sich also frei und sicher bewegen. Wie aber erlernen sie die Sportart?

Katharina Nagyi: Wenn ich KursteilnehmerInnen, die blind sind, anleite, dann rollen wir uns am Anfang den Ball am Boden zu. Erst nach einiger Zeit werfe ich den Ball auf den Boden auf und die SpielerInnen versuchen, ihn zu treffen. Beim Zuspielen wird ein Kommando verwendet. Die Person, die aufschlägt, fragt ihr Gegenüber: Ready? Wird mit Yes geantwortet, sagt die Person Play und spielt zu.

Die SpielerInnen müssen sich also sehr konzentrieren, um den Ball zu hören, und sie müssen rasch reagieren, um ihn zurückzuspielen. So ein Spiel erfordert aber auch ein räumliches Vorstellungsvermögen.

Katharina Nagyi: Ja, man muss sich ein gewisses räumliches Denken aneignen. Deshalb gehe ich mit den SpielerInnen den Spielverlauf genau durch. Ich gebe immer eine Rückmeldung. Ich sage, warum der Ball nicht getroffen wurde, wohin er gegangen ist und wieso er diesen Verlauf genommen hat. So können sich die SportlerInnen mit der Zeit immer besser vorstellen, wohin der Ball geht, wenn sie sehr fest oder sehr locker zuschlagen.

Wie lange dauert es, bis zwei blinde SpielerInnen den Ball hin und her spielen können?

Katharina Nagyi: Das hängt natürlich davon ab, wie viel Ballgefühl die SpielerInnen haben und ob sie schon viel Erfahrung mit anderen Ballsportarten haben. Wir hatten einen Wochenendkurs mit vier Trainingseinheiten zu je zwei Stunden. Wenn man blind ist und zum ersten Mal spielt, lernt man bei so einem Kurs den Ball zu treffen. Aber bis zwei blinde SpielerInnen fünf bis zehn Mal oder öfter hin und her spielen können, braucht es schon einige Zeit und Übung. Bei jenen, die noch etwas sehen, geht das ziemlich schnell.


Wie lange, Herr Zehetgruber, hat es bei Ihnen gedauert, bis Sie spielen konnten?

Christian Zehetgruber: Erstaunlich kurz. Aber ich habe schon viele Ballsportarten gespielt. Als Kind war ich mehr am Fußballplatz als sonst irgendwo. Ich hab‘, solange ich noch etwas besser gesehen habe, Tischtennis, Squash und Billard gespielt. Später dann jahrelang Blindentorball.

Jetzt sehe ich viel weniger als früher, jetzt habe ich ein Sehvermögen von einem Prozent, aber auch das hilft mir beim Spielen.

Wenn man einmal besser gesehen und viel Sport gemacht hat, dann geht es schnell, dann hat man schon nach der ersten Trainingseinheit eine Gaude.

Sie haben letzten Sommer mit Blindentennis begonnen, konnten aber nur bis Oktober spielen, denn dann kam der nächste Lockdown. Jetzt sind die Sportstätten wieder geöffnet und Sie spielen mit Ihrer Freundin, die sehend ist. Ist das nicht eine unfaire Ausgangslage?

Christian Zehetgruber: Nein, nein, das passt gut. (Lacht). Wir spielen in der Halle auf einem Kunstbelag. Ich verwende entweder gelbe oder schwarze Blindentennisbälle. Wenn es sehr hell ist, spiele ich mit dem schwarzen Ball, wenn es nicht so hell ist, nehme ich den gelben Ball. Wenn der Ball ganz in meiner Nähe ist, dann sehe ich ihn mitunter schon, bevor ich ihn aufschlagen höre. Also es gelingt mir immer wieder, den Ball beim ersten oder zweiten Bodenkontakt zurückzuschlagen und zu punkten. Und wir schaffen immer wieder so zehn oder zwölf Ballwechsel, das ist schon echt super.


Blindentennis wird sowohl im Freien als auch in der Halle gespielt. Frau Nagyi, bevorzugen Sie indoor oder outdoor für das Training und die Kurse?

Katharina Nagyi: In der Halle sind die Lichtverhältnisse besser als draußen. Es gibt keinen Wechsel zwischen Licht und Schatten. Das ist für viele Menschen mit einer Sehbehinderung ein Vorteil. Wenn die Halle nicht überbelegt ist, kann man drinnen auch besser hören, wenn der Ball klingelnd am Boden aufschlägt. Hinzu kommt, dass die Bälle nicht allzu lange halten und teuer sind. Sie werden aus Japan importiert, dort wurde das Spiel auch entwickelt. Also ein Ball kostet rund zehn Euro. Die Schaumstoffbälle nutzen sich ohnehin schnell ab und wenn man zum Beispiel auf einem feuchten Sandplatz spielt, dann werden sie noch schneller unbrauchbar. Denn wenn sich die feuchten Sandkörner auf dem Ball festsetzen, wird er schwerer und springt nicht mehr so gut. Aus diesen unterschiedlichen Gründen spielen wir meistens in der Halle.

Blindentennis kann man zu zweit spielen, man kann aber auch allein bei einer Tenniswand trainieren. Mit einiger Übung macht es Spaß und hält fit.

Katharina Nagyi: Und mir ist gerade bei Menschen, die blind oder sehr stark sehbehindert sind, aufgefallen, dass sie sich in unterschiedlicher Weise stark weiterentwickeln.

Sie treffen vielleicht nicht so viele Bälle, aber sie schulen ihr Reaktionsvermögen und werden mobiler.

Ich mach‘ am Platz gezielte Übungen. Die KursteilnehmerInnen müssen sich am Feld allein bewegen, einen bestimmten Punkt aufsuchen und den Platz selbstständig erfühlen. Sie lernen, Geräusche besser einzuschätzen, woher ein Geräusch kommt und wie es auf einen zukommt. Sie profitieren davon im Alltag, werden aber natürlich auch im Spiel immer besser. So kommt ein positiver Kreislauf in Gang.


Es darf wieder gespielt werden und seit Juni finden wieder Kurse statt. Gespielt wird im Tennisclub LTM in der Wehlistraße in 1020 Wien. Der Tennisclub ist in der Nähe der U2 Station Donaumarina.
Wer sich für Blindentennis interessiert, kann sich beim Österreichischen Behindertensportverband (ÖBSV) informieren.

Oder sich direkt an Katharina Nagyi wenden. Ihre E-Mail Adresse lautet: nagyi(at)obsv.at

Katharina Nagyi bietet nicht nur Kurse, sondern auch Schnuppertrainings an. Das erste Schnuppertraining kostet € 50. Darin sind die Kosten für den Platz, die Trainerin und die Bälle enthalten. Wer Spaß am Spiel hat und weitermachen möchte, kann an einem Kurs teilnehmen.

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