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Um einen langen, hellbraunen Showdowntisch in der Mitte eines Turnsaales stehen vier Personen, der Turnlehrer trägt eine weiße FFP2-Maske.
Bildinfo: Der Showdown Tisch wird im Schulzentrum Ungargasse bei Bedarf aufgestellt. Sportlehrer Mag. Matthias Amelin (Mitte) will allen SchülerInnen ein attraktives Sportangebot machen. © BSVWNB/Ursula Müller

Showdown auf dem Vormarsch

Showdown, auch Tischball oder Blindentischtennis genannt, kann von allen gespielt werden. Ob jung, ob alt, ob blind, sehbehindert oder sehend.

Unten durch und ins gegnerische Tor

Die einen spielen es schnell und dynamisch. Die anderen einfach aus Spaß und zum Zeitvertreib. Benötigt werden dafür ein Tisch, zwei Schläger, ein Ball sowie Schutzhandschuhe und eine Augenbinde. Und schon kann es losgehen. „Es ist ein Wettkampf, es geht um Siegen und Verlieren“, sagt Valentina Baier, die die zweite Klasse Handelsakademie in der Ungargasse in Wien besucht.

„Und alle sind gleichberechtigt. Denn jeder trägt eine Augenbinde.“

Showdown lässt sich mit Tischtennis vergleichen. Zwei SpielerInnen stehen einander gegenüber und es gilt, Punkte zu machen. Die Tische für Showdown und Tischtennis haben ähnliche Maße. Aber der Spieltisch für Showdown hat abgerundete Ecken und eine Bande, die 14 Zentimeter hoch ist. In der Mitte des Tisches befindet sich eine Platte. Es wird also nicht, wie beim Tischtennis, über das Netz gespielt, sondern unter der Platte hindurch. Das Ziel besteht darin, den Ball mit einem länglichen Schläger, Paddle genannt, ins gegnerische Tor zu treffen. Also in die Öffnung auf der Schmalseite des Tisches. Auch aufgrund der ähnlichen Schläger wird Showdown als Blindentischtennis bezeichnet. Der Ball, der bei Showdown verwendet wird, erzeugt Geräusche und kann so von den SpielerInnen wahrgenommen werden.


„Bei Showdown muss man sehr gut hinhören können“, findet Luka Subasic, ein Schulkollege von Valentina und wie sie ebenfalls blind.

„Ich orientiere mich beim Spielen am Klang des Balls. Je nachdem wie er klingt, weiß ich, ob er geradeaus rollt oder abbiegt. Man muss sich beim Spielen also sehr konzentrieren.“

Wer ins gegnerische Tor trifft, erhält zwei Punkte. Verstößt die gegnerische Seite gegen eine Regel, bekommt man einen Punkt. Bei Wettkämpfen werden die Punkte von sehenden SchiedsrichterInnen gezählt. Wenn Valentina und Luka gegeneinander antreten, übernimmt ihr Sportlehrer diese Rolle. Mag. Matthias Amelin unterrichtet Sport und Geschichte im Schulzentrum Ungargasse, wo Inklusion großgeschrieben wird. Es sei nicht immer ganz einfach, die Bedürfnisse der sehenden wie der blinden SchülerInnen unter einen Hut zu bringen.


Einerseits will er den sehenden SchülerInnen ermöglichen, Fußball und Basketball zu spielen. Andererseits will er jenen, die nicht sehen, ebenfalls ein attraktives Angebot machen. Bei seinen Recherchen stieß er auf Showdown. Ein Spiel, das er bis dahin nicht kannte. Seine blinden SchülerInnen hingegen schon. Sie reagierten begeistert, als er vorschlug, einen Tisch für die Schule anzuschaffen. „Ich habe mich auch beim Österreichischen Blindensportverband informiert“, so Mag. Amelin. „Dieser Tisch ist keine Massenware. Er ist relativ teuer, er wird maßgefertigt. Und zwar in Tschechien. Seit Herbst 2020 haben wir nun einen Tisch in der Schule. Ich habe also eine Alternative zu jenen gängigen Ballspielen gesucht, die nur für sehende Schüler geeignet sind und habe dabei Showdown gefunden.“

Hierzulande ist dieses Spiel noch nicht so bekannt wie in unserem Nachbarland Deutschland oder in anderen Teilen der Welt. Erfunden wurde es bereits in den 1960er Jahren von Joe Lewis, einem blinden Kanadier. Und noch ist diese Sportart nicht bei den Paralympics vertreten, aber in Deutschland und in vielen anderen Ländern werden regelmäßig Wettkämpfe ausgetragen.


Langjährige Spielerfahrung

Luka, Valentina und Maximilian, er ist Valentinas Bruder, spielen schon seit Jahren Showdown. Sie haben das Spiel im Bundesblindeninstitut (BBI) kennengelernt. „Ich glaube, ich war in der vierten Klasse Volksschule, wie ich zum ersten Mal gespielt habe“, erzählt Maximilian Baier, der ebenfalls die Handelsakademie in der Ungargasse besucht und wie seine Schwester blind ist.

„Und ich hab‘ sogar mein allererstes Spiel gewonnen. Aber nur, weil mein Gegner immer gegen die Mittelwand geschossen hat. Dafür bekomme ich ja einen Punkt.“ (Lacht)

Ja, man müsse genau hinhören, woher der Ball kommt und wenn man bereits ein geübter Spieler sei, gelinge es, den Ball bereits beim ersten Mal mit dem Schläger zu treffen. „Bei dieser Sportart kann ich mich direkt mit einer anderen Person messen. Das macht mir besonders Spaß an diesem Spiel. Das ist ja sonst nicht so leicht möglich. Denn bei Torball oder Blindenfußball bist du ein Teil des Teams. Bei Showdown stehst du deinem Gegner direkt gegenüber.“


Auch Luka Subasic hat bereits im Alter von acht oder neun Jahren am BBI begonnen, Showdown zu spielen.

„Mich reizt es, herauszufinden, wie ich einen Ball zurückspielen kann, dass er für meinen Gegner nicht berechenbar ist, dass ich mein Gegenüber austricksen kann. Dass ich also zum Beispiel dem Ball einen Drall gebe, damit er nicht geradeaus rollt. Klar kann man Showdown einfach zum Zeitvertreib spielen, aber wenn man drauf aus ist, zu gewinnen und der Beste zu sein, dann muss man oft und regelmäßig spielen. Man muss viele Spiele gespielt haben, bis man einschätzen und hören kann, ob der Ball von links oder von rechts kommt oder geradeaus auf mich zurollt.“

Dienstags steht für die SchülerInnen, die blind sind, im Sportunterricht öfters Showdown am Programm. Aber auch die sehenden SchülerInnen können Showdown spielen. Wenn sie eine Augenbinde tragen, haben alle SpielerInnen die gleichen Bedingungen. Die sehenden SchülerInnen können überdies die Erfahrung machen, wie es ist, wenn man blind spielt, wenn man versucht, einen Ball zu treffen, ohne etwas zu sehen.


Vor der Pandemie wurde in der Ungargasse auch Blindenfußball gespielt. Alle wurden mit Augenbinden ausgestattet. Ein junger Mann, Experte für Blindenfußball, kam einmal im Monat an die Schule und trainierte mit den jungen Leuten. Man müsse Angebot schaffen, so der Sportlehrer. Mag. Amelin: „Viele Übungen, sei es für die Kondition oder die Koordination, sind für alle machbar. Mitunter muss man Hilfestellungen geben. Aber bei Basketball oder Fußball können blinde Schüler einfach nicht mitspielen.“  

Wie eignet man sich als Sportlehrer diese Fähigkeiten an? Denn beim Studium erfährt man nichts über einen Sportunterricht für junge Menschen mit Behinderungen. Mag. Amelin: „Ich bin Autodidakt. (Lacht) Man muss flexibel sein, Dinge ausprobieren und Mut zur Lücke haben. Ich kann mich einfach dafür begeistern, jungen Leuten mit Behinderungen zu ermöglichen, Sport zu betreiben. Ich beziehe daraus sehr viel Kraft und Freude."

"Ich finde es bereichernd, mit jungen Menschen, die eine Behinderung haben, zu arbeiten. Es sind oft sehr starke Charaktere und es beeindruckt mich, wie sie ihr Leben meistern. Es macht mir einfach viel Spaß, mit ihnen zu arbeiten.“

Ein Angebot wie Blindenfußball oder Showdown nehmen nicht alle sehenden SchülerInnen begeistert an, keine Frage. Aber im Sportunterricht im Schulzentrum Ungargasse geht es darum, dass alle immer wieder auf ihre Kosten kommen und eingebunden sind.

Auch wenn Showdown hierzulande noch nicht so bekannt ist, findet diese Sportart immer mehr Fans. Wer sich für dafür interessiert und Showdown ausprobieren möchte, kann sich an den Blindensport.at wenden.

von Mag. Ursula Müller

Die Sportwoche beim BSVWNB

Auch der BSVWNB bietet seinen Mitgliedern ein interessantes sportliches Angebot. Während der letzten Monate mussten wir die Aktivitäten leider aussetzen, aber ab September 2021 kann es auch im Louis Braille Haus wieder losgehen! Sanft starten wir die Woche montags mit Yoga in der Tradition von Sivananda und mit Trommeln für diejenigen, die sich lieber auspowern möchten. Am Dienstag gibt es Qi Gong und Tai Ji. An den Mittwochen steht dann Gesundheitsturnen auf dem Programm. Die Wiener Schachrunde trifft sich am Donnerstag bei uns im Haus. Last but not least sei hier unsere Kegelbahn erwähnt, die zeitweilig auch zum Bogenschießen genutzt wird.

Die verschiedenen Kurse werden von engagierten TrainerInnen geleitet. Bei Fragen wenden Sie sich gerne an unser Mitgliederservice!

 

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