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Zwei Personen auf einem schmalen, leicht abschüssigen Wanderpfad in hügeligem Gelände, der Mann hält mit der linken Hand Kontakt zum Rucksack der Frau, die vor ihm geht.
Bildinfo: Sehende Mitglieder der Reisegruppe unterstützen jene, die blind sind. © Thomas Rathay

Sinnlich, inklusiv und sicher reisen

Von Südportugal bis Bulgarien führte der achte Online-Themenabend des BSVWNB und machte Lust, endlich wieder einmal auf Reisen zu gehen.

An der Küste und im Hinterland der Algarve wandern, die Düfte von Sri Lanka erleben, Almwandern in Tirol, die Hafenstadt Hamburg besuchen oder auf Rügen den Herbstzauber erleben. Das sind nur einige aktuelle Angebote von tour de sens. Von einem Reiseveranstalter, der Menschen mit und ohne Sehbehinderung zusammenbringt und barrierefreie Reisen anbietet.

 

Laura Kutter, die das Unternehmen gemeinsam mit ihrer Schwester gründete, war beim digitalen Themenabend aus ihrem spanischen Urlaubsort zugeschaltet. Sie ist fest davon überzeugt, dass alle davon profitieren, wenn blinde, sehbehinderte und sehende Menschen gemeinsam verreisen.

„Auf unseren Reisen unterstützen Leute, die sehen, ihre blinden und sehbehinderten Mitreisenden. So werden Barrieren abgebaut, nicht nur zwischen den Menschen, sondern überhaupt im Tourismus.“


Die Reisegruppen sind klein, es nehmen zwischen zehn und 16 Personen teil. Wer ein blindes oder sehbehindertes Mitglied der Reisegruppe unterstützt, zahlt weniger. Üblicherweise sind zwei ReisebegleiterInnen bei jeder Tour dabei. Wobei fast immer mit ortsansässigen Guides zusammengearbeitet wird. Das Konzept, so die Geschäftsführerin, orientiere sich an den Bedürfnissen von Menschen, die blind sind. So werden beispielsweise seit einigen Jahren eigene 3D Modelle von bedeutenden Sehenswürdigkeiten angefertigt, die ertastet werden können. Weil auf allen Reisen die sinnlichen Eindrücke eine wichtige Rolle spielen, wie dies Bernadette Hutter, eine Reiseleiterin von tour de sens, schildert.

Ein Fest für die Sinne

Bei der Wanderreise in der Algarve werden, so Bernadette Hutter, die Mahlzeiten bevorzugt in kleinen Restaurants eingenommen, wo man die heimische Küche probieren und genießen kann. Am Markttag kann man durch die Markthalle schlendern, die Gerüche unbekannter Gewürze aufnehmen und regionale Spezialitäten verkosten. Bei kürzeren Wanderungen an der Küste und im Hinterland wird die Gegend mit allen Sinnen erkundet: Die Rinde der Korkeichen ertastet und der aromatische Duft der Zistrosen eingeatmet. Immer wieder bleibt Zeit innezuhalten, Wind und Wetter auf der Haut zu spüren, den Geräuschen des Meeres zuzuhören oder einen Kaffee zu trinken. Es werden Sehenswürdigkeiten besichtigt und es gibt genügend Zeit, sich zu entspannen, zu baden und sich mit anderen auszutauschen.


Sich unterwegs immer wieder Zeit zu lassen, das hat Gerhard ganz besonders genossen. Er hatte letzten Herbst bei tour de sens eine Bulgarienreise gebucht und war anfangs sehr skeptisch. Er konnte sich zunächst nicht vorstellen, wie diese neuntägige Kultur- und Wanderreise ablaufen würde. Doch gerade die Möglichkeit, die Eindrücke in Ruhe auf sich wirken zu lassen, hat ihn begeistert.

„Dass ich die Stimmung vor Ort spüren konnte, dass man nicht gleich zur nächsten Sehenswürdigkeit weitergetrieben wurde, dass wir nicht bloß Informationen bekommen haben, sondern alles begehen, betasten, riechen, erfühlen und mit allen Sinnen wahrnehmen konnten, das hat mir wirklich gut gefallen. Das hat mich begeistert.“

Die TeilnehmerInnen der Bulgarien Reisegruppe sind in einem familiären Hotel in einer kleinen Stadt in Zentralbulgarien untergebracht. Der Hotelbesitzer ist auch der Reiseleiter vor Ort. Er macht die Gruppe mit der reichen Kultur seines Landes vertraut, von den thrakischen Ausgrabungsstätten bis zur Volksmusik. Die Reisenden nehmen bei einem Lavendelfest teil, besuchen Rosengärten, verkosten Wein und probieren selbstgemachten Obstbrand. Beeindruckt war Gerhard auch von der Hauptstadt Sofia mit ihren ganz unterschiedlichen Stadtvierteln. Sein Resümee: Das Programm sei interessant und abwechslungsreich, und die Reise dennoch erholsam.

Sicher reisen trotz Corona

Die Pandemiesituation hat sich geändert. Inzwischen sind viele geimpft oder genesen, doch Covid-19 ist beim Reisen nach wie vor ein wichtiges Thema. Das Team von tour de sens informiert sich und seine KundInnen laufend über die aktuelle Situation im jeweiligen Reiseland. Das Virus mutiert, die Situation ändert sich immer wieder und viele Fragen tun sich auf.

Was passiert, wenn man sich für eine Reise anmeldet und die Region wird zum Risikogebiet erklärt, weil die Infektionszahlen dort sehr stark steigen? „Wenn dieser Fall eintritt“, so Laura Kutter, „sagen wir als Reiseveranstalter diese Reise ab. Wir fahren nicht in Länder, die als Risikogebiet deklariert sind. Und wenn wir eine Reise absagen müssen, bieten wir unseren Gästen, die sich für die Reise angemeldet haben, drei Möglichkeiten an. Sie können eine davon wählen. Entweder erstatten wir das angezahlte Geld zurück. Oder wir buchen auf einen anderen Termin oder eine andere Reise um.  Oder wir wandeln die Anzahlung in einen Gutschein um, der zu einem späteren Zeitpunkt eingelöst werden kann.“ Bei tour de sens erfolge die Rückerstattung innerhalb von sieben Werktagen, versichert die Geschäftsführerin.


Was ist, wenn KundInnen eine Reise stornieren müssen, weil sie erkrankt sind, in Quarantäne müssen oder aus der Heimatregion plötzlich nicht mehr ausreisen können? Wenn man also kurzfristig von der Reise zurücktreten muss? Laura Kutter: „Wir gehen so kulant wie möglich mit dieser Situation um. Wir verrechnen nur jene Kosten, die uns von unseren Leistungspartnern erwachsen, aber nicht unsere eigene Aufwandskosten.“ Die Reiseveranstalterin weist jedoch ausdrücklich darauf hin, dass es für diese Fälle Versicherungen gibt. Zum einen die klassische Reiserücktrittsversicherung und zum anderen eine spezielle Corona Zusatzversicherung. So ist man abgesichert, wenn man in Quarantäne muss, ohne krank zu sein.

Für alle Reisen, die tour de sens durchführt, gilt ein Hygienekonzept, das laufend aktualisiert wird. Auf der Website gibt es aktuelle Informationen zu den Reisezielen der nächsten zwei Monate. Findet die Reise statt, kommt die sogenannte Drei G Regel zur Anwendung. Die ReiseteilnehmerInnen müssen also geimpft, getestet oder genesen sein. Für jene, die noch nicht geimpft sind, so Laura Kutter, genüge der Antigen Schnelltest. Außerdem gibt der Reiseveranstalter Tipps, was auf der Reise mitzunehmen ist, um alle Corona Regeln einhalten zu können.

Üblicherweise ist es bei den Reisen mit tour de sens so, dass sich sehende und nichtsehende TeilnehmerInnen jeden Tag paarweise neu zusammenfinden. So lernen sich die Gruppenmitglieder viel besser kennen und es stärke das Gruppengefühl. Doch zurzeit sei man diesbezüglich zurückhaltender. „Wir wollen das Infektionsrisiko innerhalb der Gruppe so gering wie möglich halten.“


Denn obwohl alle getestet, geimpft oder genesen sind, ist nicht auszuschließen, dass ein Gruppenmitglied an Covid-19 erkrankt oder positiv getestet wird. Das ist bei tour de sens zwar noch nicht vorgekommen, doch was wäre wenn? Laura Kutter: „Wenn jemand positiv getestet wird, ist der Veranstalter verpflichtet, sich an die Regeln der jeweiligen Region zu halten. Wenn zum Beispiel in Portugal gilt, dass eine positiv getestete Person zehn Tage in Quarantäne muss, dann müssen wir uns daran halten. In so einem Fall würden wir aber sicherstellen, dass keiner alleine zurückbleibt.“

Innerhalb der EU gibt es eine Kooperation der Krankenkassen, sodass die Kosten bei einer Erkrankung übernommen werden. Aber was ist, wenn man nicht krank ist und dennoch in Quarantäne sein muss, also im Hotel bleiben muss? Für diesen Fall empfiehlt die Reiseveranstalterin, dass man eine Auslandskrankenversicherung abschließt. Denn sollte man eine Begleitperson brauchen, würde die Versicherung deren Hotelkosten übernehmen. „Ich würde allen empfehlen, eine Auslandskrankenversicherung abzuschließen. Sie ist nicht teuer, sie kostet zwischen zehn und 21 Euro und zahlt sich auf jeden Fall aus.“

Reisen ist wieder möglich, wenn auch unter anderen Vorzeichen als in der Zeit vor der Corona Pandemie. Aber mit einem Reiseveranstalter, der sich einem inklusiven, barrierefreien und sinnlichen Angebot verschrieben hat, können Menschen, die blind oder sehbehindert sind, dennoch wieder ihr Fernweh stillen und ihre Urlaubsträume wahr werden lassen.

Das Angebot von tour de sens finden Sie auf deren Website!

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