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Auf Marions Hand eine kleine verschreckte (?) Schnecke.
Bildinfo: Können Schnecken schrecken? © privat / Foto zur Verfügung gestellt.

Tierische Begegnungen

Unerwartete "sinnliche" Begegnungen im Garten.

Was brummt und summt denn da so hektisch? Klingt fast wie ein Hubschrauber.
Das Geräusch kommt aber vom Dachvorsprung oberhalb der Terrassentür. Und dorthin wird sich doch kein Hubschrauber verirrt haben…
Vermutlich sind es Wespen, die im Schutz der Holzverkleidung unseres Dachstuhls ein Nest bauen.

Diese vielfach verfluchten und allseits gefürchteten Insekten sind eigentlich nützliche Tiere. Auf ihrem Speiseplan steht allerlei Ungeziefer wie z.B. Mücken. Somit helfen sie bei der Schädlingsbekämpfung. Genau wie Bienen sind sie auch für die Blütenbestäubung zuständig.

Ja, theoretisch weiß ich das, und ich möchte eine von diesen Gärtnerinnen sein, die alle Lebewesen in den Garten einlädt und Vielfalt fördert.
Und da ist aber meine Angst, man könnte fast schon sagen Panik, vor diesen geflügelten Mitbewohnern. Relativ lautlos und ab dem Spätsommer vermehrt hungrig fliegen sie um meine Teller und Gläser herum, lassen sich auf meinem Stück Kuchen oder Kotelette nieder oder ruhen sich auf meinem Himbeersaft-Glas aus und naschen ein wenig von der süßen Flüssigkeit.
Und das macht mich nervös.

Schließlich kann ich sie nicht sehen und das wissen sie nicht. Daher werden sie zustechen, wenn sie sich bedrängt fühlen, auch, wenn ich sie gar nicht bedrängen will.

Ein Wespenstich im Mund- und Halsbereich kann unschön ausgehen.
Daher müssen sie weichen, die Wespen auf der Terrasse, zumal der Esstisch gleich daneben steht.

Weniger angsteinflößend, dafür ekelerregender sind die Tiere im Garten, die ihr Leben bereits ausgehaucht haben. Meistens von unseren Katzen erlegt, liegen sie oder Teile von ihnen ebenfalls auf unserer Terrasse. Angeblich handelt es sich um lieb gemeinte Geschenke unserer Fellnasen, die wir leider viel zu wenig zu würdigen wissen.
Meistens treffe ich sie auf unserem Türvorleger an. Und mit antreffen meine ich darauftreten. Das möchte ich gar nicht näher beschreiben. Wirklich kein schönes Gefühl, das können Sie mir glauben.


Manchmal bemerke ich ein lebloses Tier erst, wenn es langsam beginnt zu verwesen. Wenn dieser charakteristische Geruch durch die Luft wabert: wie ein sehr reifer Käse, der schon länger in der Sonne liegt; leicht süßlich, ein wenig nach Blut und dabei noch eine zarte Note von Fisch, dann ist klar: Irgendwo liegt etwas Totes.

Geruchserlebnisse der besonderen Art sind auch die Hinterlassenschaften mancher Gartenbewohner oder -besucher: hier zu erwähnen sind vor allem die Haufen von Mardern und Siebenschläfern und die Würstl von Katzen. Entweder trete ich selbst hinein oder der Hund parfümiert sich damit, indem er sich genüsslich darin wälzt.

Ebenso gruselig sind die Tierchen, die ich angreifen muss, ohne es zu wollen und ohne darauf vorbereitet zu sein. Eine Blindschleiche, die sich in meinem Kompost versteckt und dort die Wärme genießt, eine schleimige Schnecke auf meinem Salat oder ein großer Käfer zwischen den Brennholzscheiten, der es nicht rechtzeitig geschafft hat, zu flüchten.
Unwillkürlich entfährt er mir, ein Entsetzensschrei, was von meinem Ehemann, dem Gärtner, meist mit einem „Du Tussi?“ quittiert wird.

Er hat leicht reden. Er sieht schließlich, wo er hingreift.

Und dennoch hätte er kürzlich fast die Äskulapnatter statt des Starkstromkabels vom Haken genommen, die es sich in der Gartenhütte gemütlich gemacht hat. Ebenso sorgfältig aufgerollt hätten die beiden sich recht ähnlich gesehen, meinte er.
Den Schrei hätte ich gerne gehört, zumal Äskulapnattern ja ohnehin nicht giftig sind.
Überhaupt hätten wir in Österreich, so hört man immer wieder, überhaupt keine Giftschlangen.
Beruhigend zwar und trotzdem möchte ich sie nicht angreifen.
Die oben erwähnte Blindschleiche reichte mir schon. Fühlte sich ein wenig gummiartig und zapplig an.


Mit Nacktschnecken bin ich schon ziemlich vertraut. Von meinem Gemüse klaube ich sie regelmäßig ab. Wenn ich dann aber abends die Futterschüsseln der Katzen einsammle und meine Finger plötzlich mitten auf einer großen, schleimigen Masse landen, erschrecke ich jedes Mal, unterdrücke aber einen Aufschrei so gut es geht. Wer will sich schon dauernd als „Tussi“ bezeichnen lassen? Glitschig fühlen sie sich an, ähnlich einem Stück rohen Fleisch, manche sind eher rund, manche sehr lang. Ihren abgesonderten Schleim kann man kaum von den Händen entfernen, und außerdem fressen sie meinen Salat.
Hin und wieder treffe ich auf sogenannte Gehäuseschnecken, was für mich eigentlich immer ein Grund zur Freude ist, sofern ich sie nicht unter meinen Füßen zertrete. Das macht mich traurig, und doch kann ich es nicht verhindern.

Was begegnet mir denn noch so an Getier im Garten?

Als da wären die Bremsen, weniger gefährlich zwar als Wespen, aber mindestens genauso lästig. Sie fliegen sehr leise, landen und stechen, und das ist relativ schmerzhaft.
Sehr charakteristisch klingen Mücken und Gelsen. Wenn sie des Nachts um die Ohren summen, um einige Oktaven höher als andere Insekten, dann ist an Schlaf nicht mehr zu denken.
Zecken, auch diese Tierchen sind sehr gefürchtet, sind sie doch Überträger von Krankheiten wie FSME und Borreliose. Da sie sehr klein sind und ihr Biss nicht schmerzhaft ist, bemerke ich sie meist nicht gleich. Erst, wenn sie bereits einiges von meinem Blut getrunken haben und dadurch gewachsen sind, entdecke ich sie. Manchmal gelangen sie auch mithilfe eines unserer Vierbeiner ins Haus. Unbemerkt werden sie größer und fetter, und dann fallen sie irgendwann so groß wie eine Erbse zu Boden. Darauf getreten zerplatzen sie mit einem Plopp, und dann muss man erst einmal den Fußboden aufwischen.


Vielleicht empfinden Sie all diese Beschreibungen gruselig und unappetitlich. Stimmt, das sind sie auch.
Aber neben den schönen idyllischen, herzigen Dingen wie Vogelgezwitscher, dem flauschigen Fell der Katzen und dem köstlichen Duft der Nachtkerzen, gibt es eben auch das Unangenehme, das Grausliche und Abstoßende in der Natur.

Und als blinde Person kann man manchmal nicht verhindern, direkt damit in Berührung zu kommen, sozusagen auf Tuchfühlung zu gehen.

Dennoch möchte ich Ihnen die schönen idyllischen Momente mit Tieren nicht vorenthalten.
Da gibt es zum Beispiel die Frösche im Teich, die im Frühsommer unglaublich virtuose Konzerte veranstalten. Oder die Rehböcke auf der Wiese beim Wald: Sie rufen einander mit eigenartigen Tönen, klingt ein bisschen wie Bellen oder auch ein heiseres Husten. Besonders freue ich mich jedes Jahr über den ersten Ruf des Kuckucks, auch, wenn ich in diesen Momenten sicher kein Geld bei mir trage. Sie kennen vielleicht die Legende: wenn man beim ersten Kuckucksruf im Frühling Geld in der Tasche hat, hat man das ganze folgende Jahr welches. Wäre interessant, das einmal zu überprüfen.

Ein besonderes, wenn auch leider selten gewordenes Hörerlebnis ist es auch, wenn die Luft an einem warmen Sommertag vor Insektengesumm nur so flirrt. Mittlerweile muss man schon sehr genau hinhören, um da und dort etwas vorbeiflattern oder eine Biene um eine Blüte surren zu hören. Das Insektensterben infolge der vielen Umweltgifte, die wir Menschen auf die Natur loslassen, ist nicht mehr zu leugnen.


Schön ist es auch, das weiche Fell meiner Katzen zu streicheln, während sie genüsslich schnurrend auf der warmen Steinmauer liegen. Oder entzückend, wenn der Hund in seinem Körbchen schläft und kleine leise Bell- oder Winsellaute von sich gibt. Wahrscheinlich ziehen im Traum gerade Bilder vorbei von leckeren Fleischknochen oder von großen, schlammigen Lacken zum Hineinspringen.

Der Hahnenschrei oder das Blöken der Schafe vom nahegelegenen Bauernhof machen die Landidylle fast perfekt. Und wenn es dann noch ein kleines bisschen nach Jauche riecht (aber wirklich nur einen Hauch), dann fühle ich mich wie im Paradies.

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