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Ein junger Mann mit gelber Schleife am Arm tippt in einen Laptop, der auf einem kleinen Tisch vor ihm steht
Bildinfo: Die TeilnehmerInnen der Verrückten Jugend Aktion bleiben über Computer und Smartphone in Kontakt. © BSVWNB/Astrid Glatz

Video-Games & Koch-Tutorials

Welche Auswirkungen hat das Coronavirus auf die Aktivitäten der VJA und wie gehen die Jugendlichen mit der Ausnahmesituation um? Ein Interview mit VJA-Leiterin Tanja Kotek.

Tanja Kotek leitet die Verrückte Jugend Aktion (VJA). Gemeinsam mit Karoline Kadelski koordiniert sie das Freizeitprojekt des BSVWNB für junge blinde und sehbehinderte Menschen.
 

Ganz Österreich war wochenlang im Lockdown. Karoline und du musstet sehr schnell eure bisherigen Pläne für die Verrückte Jugend Aktion (VJA) umstellen. Wie war der Moment für euch, als ihr von den Ausgangsbeschränkungen erfahren habt?

Zu diesem Zeitpunkt befanden wir uns gerade gemeinsam mit den Jugendlichen im VJA-Jugendraum! Wir mussten dann sofort alle weiteren Treffen absagen. In der ersten Woche des Lockdowns orientierten wir uns zuerst einmal, wie wir die Angebote für die Jugendlichen umstellen oder anpassen könnten.

Zuallererst erstellten wir eine WhatsApp-Gruppe für den Austausch der Jugendlichen untereinander.

Nachdem der Bedarf nach persönlichen Gesprächen sehr groß war, initiierten wir eine gemeinsame Telefonkonferenz jeweils mittwochs bis freitags. Karo und ich überlegten uns Freizeittipps für zuhause, die die Jugendlichen eigenständig ausprobieren können. Ich denke, wir haben es gut geschafft, unsere Angebote den Umständen entsprechend zu adaptieren.

Neben den Telefonkonferenzen hattet ihr eine ganze Menge anderer Angebote.

Genau, wir bieten regelmäßig eine Online-Sporteinheit um 14 Uhr an: Mit leicht durchführbaren Übungen und Musikbegleitung motivieren wir die Jugendlichen zur Bewegung. Zusätzlich probieren wir auch Gesellschafts-Spiele aus, zum Beispiel das Ratespiel „Wer bin ich?“: Ein Spieler verkörpert einen bestimmten Charakter, die anderen erraten über geschicktes Fragen, wer dargestellt wird. Wir erfanden auch gemeinsam neue Geschichten, indem wir mit einzelnen Wörtern ganze Satzketten bildeten. Karo und ich haben durch Recherchen einige Online- oder Handy-App-Spiele gefunden, zum Beispiel über den deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband.

Die Vernetzung mit anderen Jugendeinrichtungen hat uns auch zu Text-Adventure-Games, also schriftbasierten Spielen, gebracht: In der Gruppe haben wir der Aufgaben- und Umgebungsbeschreibung gelauscht und Rätsel zusammen gelöst.

Als sehr wichtiges Angebot entpuppten sich die telefonischen Einzelberatungen: Karo und ich versuchten vor allem jene Jugendlichen zu erreichen, die nicht in der WhatsApp-Gruppe sind bzw. die momentan eine schwierige familiäre, finanzielle oder berufliche Situation erleben.


Was waren überhaupt die Herausforderungen für die Jugendlichen in dieser Zeit?

Einige Schülerinnen und Schüler hatten zu wenige Aufgaben, andere waren dafür überfordert. Die Jugendlichen, die gerade arbeitslos sind, merken die Verschärfungen am Arbeitsmarkt. Viele wollten in Supermärkten oder als Erntehelfer arbeiten. Sie erhielten nur Absagen oder überhaupt keine Rückmeldung, was natürlich frustrierend war.

Die Wohnsituation mit den Eltern ist ebenfalls herausfordernd, wenn die Eltern zur Risikogruppe zählen. Das bedeutete auch eine gewisse Selbstisolation oder -beschränkung, um möglichst keine Infektion mit dem Coronavirus nachhause zu tragen.

Umzüge wurden wegen Lieferschwierigkeiten verschoben. Bei den Jugendlichen kamen auch immer wieder Langeweile, das Vermissen von Freundinnen und Freunden oder den VJA-Treffen auf. Häufig erreichte uns die Frage, wann die VJA wieder aufmachen kann.

Ein großes Thema waren übrigens Fake News, die am Anfang der Corona-Krise sehr stark kursierten. Die Jugendlichen waren sich teilweise nicht sicher, wie die gesetzliche Lage aussieht, welchen Nachrichten sie glauben können und welchen nicht. Wir diskutierten diesbezüglich viel mit ihnen, hinterfragten die Berichte und die Quellen.

Jetzt hat sich mit der Lockerung der Ausgangsbeschränkungen viel verändert, man kann sich nun wieder freier bewegen. Hat das eine Veränderung bei den Jugendlichen bewirkt?

Die Jugendlichen überlegen bereits, ob sie sich wieder treffen.

Vor allem freuen sie sich, dass die VJA ab Juni wieder Outdoor-Aktivitäten anbietet.

Natürlich sind auch manche Eltern ängstlich und sagen: Triff dich lieber nicht, weil wer weiß… Wir spüren diese Ambivalenz: Sie wollen sich gerne treffen, aber die Angst vor einer Ansteckung ist natürlich da. So richtig Normalität ist noch nicht eingekehrt.

Euer Praktikant David hat ein Koch-Tutorial gedreht. Wird daraus eine Serie?

Das war einmal das erste Video, in dem David Flammkuchen gebacken hat. Karo wird diese Woche wahrscheinlich Pizza zubereiten, ich werde ebenfalls ein Kochvideo drehen. Wir haben mit dem Tutorial gestartet, weil Kochen für die Jugendlichen nun wichtiger wird, da sie viel Zeit zuhause verbringen. In der Gruppe tauschten wir uns viel über Rezepte aus – und wir versuchen nun mit neuen Ideen zu inspirieren.


Es war bestimmt auch sehr viel Zusammenhalt spürbar?

Das stimmt, die Jugendlichen haben gewusst, wie es den anderen geht. Sie haben sich auch unabhängig von unseren Telefonkonferenzen viel ausgetauscht und gegenseitig angerufen.

Man merkt, wie stark die Freundschaften in der Zeit der VJA geworden sind.

Ab Juni wird es bei euch wieder etwas mehr losgehen. Was habt ihr als Erstes geplant?

Ein großer Wunsch der Gruppe war gemeinsam Eis zu essen (lacht). Also werden wir uns mit einem Kübel Eiscreme gemütlich in eine Wiese setzen. Des Weiteren wollen wir einen Pizzaofen in der Umgebung vom BSVWNB austesten, dieser steht im Freien und kann gratis genutzt werden. Man wird uns auch auf Stadtwanderwegen oder beim Picknicken antreffen. Wir hoffen auf gutes Wetter im Juni!

Das Wetter spielt hoffentlich mit! Wie geht es denn jetzt den Jugendlichen, die zur Risikogruppe gehören?

Wer zur Risikogruppe gehört, bleibt verstärkt zuhause. Wir wissen noch nicht, ob diese Jugendlichen im Juni zu den Treffen kommen möchten. In der VJA werden wir darauf achten, ein Ansteckungsrisiko durch Mund-Nasen-Schutz und Desinfektionsmittel zu minimieren. Treffen finden derzeit nur im Freien statt.

Wenn wir als Gruppe unterwegs sind, müssen die Jugendlichen mit der Blindenschleife sowie dem Behindertenpass unterwegs sein.

Das verlangen wir im Normalfall nicht, ist nun aber wichtig, falls wir kontrolliert werden. Denn wir werden nicht immer den verordneten Ein-Meter-Abstand einhalten können. Wann wir wieder den Jugendraum nutzen können ist noch unklar, derzeit dürfen wir als Freizeiteinrichtung noch nicht öffnen. Wir hoffen jedenfalls bald, weil wir ja unser Geburtstagsfest feiern wollen!

Das wäre schön, ich drücke euch die Daumen. Vielen lieben Dank für das interessante Interview!

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Das Interview führte Mag. Astrid Glatz

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