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Ein Naturpfad mitten im Wald, mit behelfsmäßigem Geländer rechts an der leicht abschüssigen Seite.
Bildinfo: Ich glaub´, ich steh´ im Wald. © BSVWNB/Martin Tree

Von Holzwegen und Weggabelungen

Wenn man vom rechten Weg abkommt – und eine App weiterhilft.

Ein wirklicher Vorteil dieser Corona-Krise ist, dass man sich für Dinge Zeit nehmen kann, die sonst im alltäglichen Beschäftigt-Sein untergehen.
Seit einigen Wochen habe ich Freude am Spazierengehen entdeckt. Genauer gesagt: am Spazierengehen mit meinem Hund, aber ohne sehende Begleitung.
Natürlich musste ich das auch schon früher tun, denn mein Hund führt sich leider nicht alleine Gassi.

Jedoch ging ich bis vor kurzem meist kürzere und mir sehr gut bekannte Strecken. Bisweilen langweilte mich das schon sehr. Zum einen kannte ich kaum Runden; d.h. ich musste die gleiche Strecke hin und zurück gehen. Zum anderen kenne ich auf meinen üblichen Gassiwegen jeden Stein und jede Bodenunebenheit. Es gibt nichts Neues zu entdecken.

Ich möchte noch vorausschicken, dass ich im Bereich Wienerwald wohne und es bei mir hauptsächlich Wald- und Feldwege gibt. Natürlich haben wir auch Straßen, aber die eignen sich nicht für gemütliche Wanderungen.

Waldwege haben einige Eigenschaften, die für blinde und sehbehinderte Menschen herausfordernd sein können.

Sie sind oft uneben, durchbrochen von Baumwurzeln, bedeckt von Steinen und Ästen; ja manchmal liegt sogar ein umgestürzter Baum quer darüber.
Schwierig wird es, wenn der Weg plötzlich nicht mehr als solcher erkennbar, das heißt mit dem Stock oder den Füßen tastbar ist. Vielleicht, weil er von Laub bedeckt oder durch starken Regen etwas derangiert ist.  

Und eine ganz gemeine Eigenschaft haben diese Wege: Sie teilen sich des Öfteren sehr hinterhältig plötzlich in zwei auf.

Und gerade mit diesen Abzweigungen habe ich immer wieder zu kämpfen. Denn ich bemerke es meist gar nicht, dass ich leicht rechts abgebogen bin, anstatt gerade aus weiterzugehen. Und das hat mich schon einige Male in recht unwegsamem Gelände landen lassen.

Viele dieser Abzweigungen sind sogenannte Holzwege und führen nirgendwohin. Sie dienen Waldarbeitern für Baumfällarbeiten oder Ähnliches. Ja, und wenn man dann sprichwörtlich auf dem Holzweg ist, ist es oft gar nicht so einfach, wieder auf den richtigen Pfad zurückzufinden. Und da kann es mir passieren, dass ich ganz schön nervös werde.

Meine Blindenführhündin, so könnte man meinen, sollte mir doch den richtigen Weg anzeigen. Dem ist aber nicht so.

Auf unseren Spaziergängen ist sie nicht im Führgeschirr und damit ihrer Führ-Aufgabe enthoben.  Ja, ich unterstelle ihr sogar, nicht unerheblich an diesen unfreiwilligen Ausflügen ins Gelände beteiligt zu sein, denn da gibt es viel zu entdecken. Der ganz normale Weg ist wohl auch ihr schon zu langweilig.

Mit großer Freude wälzt sie sich in Laubhaufen, springt über Äste oder klettert unten durch. Dabei verwickelt sich die Leine, und das trägt nicht gerade zur Entspannung der Situation bei.

Nun habe ich schon vor einigen Wochen ein sehr praktisches Hilfsmittel entdeckt: die Videotelefon-Funktion von WhatsApp. So konnte ich schon mehrmals mithilfe meines sehenden Mannes wieder den „rechten Weg“ einschlagen. 

Wenn ich die Kamera auf rückseitig einstelle und das Handy senkrecht vor mir hertrage, kann mein Telefonpartner ganz gut erkennen, wo ich mich befinde.

Diese Navigationshilfe empfand ich schon sehr praktisch, bis mein Mann einmal selbst nicht mehr wusste, wo ich denn sein könnte, geschweige denn, wo der richtige Rückweg zu finden sei. Da hat es dann einige Zeit und etliche Male ein Hin- und Hergehen und das Handy in verschiedene Richtungen drehen gebraucht, um wieder zum Weg zu finden. Zum Glück war der Akku ausreichend geladen, denn ein Videotelefonat benötigt einiges an Strom.


Es ist schon sehr nett, wenn man auf diese Weise Unterstützung einer sehenden Person bekommen kann. Jedoch ist mein Mann nicht immer erreichbar. Und was dann?

Es müsste doch eine Möglichkeit geben, um gar nicht erst vom richtigen Weg abzukommen. Es gibt sie ja, die Navigations-Apps für Wanderer, jedoch sind diese, meines Wissens, für blinde Menschen nur eingeschränkt bedienbar.

Es gibt da aber diese GPS-Apps. Die bekannteste ist BlindSquare.

Mithilfe der Standortlokalisation stellt sie fest, wo ich mich befinde und kann mir so meine Umgebung beschreiben. Sie teilt mir mit, wie die nächste Querstraße heißt, an welchen Geschäften ich vorbeigehe oder wie viele Kilometer ich bereits gegangen bin.

Unterwegs in Wien verwende ich sie hin und wieder: z.B., um eine Gegend besser kennenzulernen oder um besondere Orte zu speichern, damit ich diese später einmal wiederfinde.
Genau diese Funktion müsste doch für meine Zwecke dienlich sein, dachte ich.

Und wieder kam mir zugute, momentan viel Zeit zu haben, und ich begann, mir die App BlindSquare näher anzuschauen und sie auch zu testen. Ich muss zugeben, dass ich in Nicht-Corona-Zeiten für so etwas nicht genug Geduld aufbringe.  

BlindSquare ist ein recht umfassendes Hilfsmittel, dessen zahlreiche Funktionen ich hier nicht beschreiben möchte. Nur so viel: Es besteht die Möglichkeit, bestimmte Punkte (also Orte, an denen ich mich befinde) mit den dazugehörigen GPS-Daten zu speichern. Wenn ich also an eine Weggabelung komme, speichere ich diesen Standort, ich gebe ihm einen Namen (z.B. Weggabelung, rechts weitergehen) und stelle dann noch die Erinnerungsfunktion ein. Das heißt, zehn Meter vor der Gabelung gibt es ein Signal. Auf diese Weise bin ich vorgewarnt und kann rechtzeitig beginnen, nach der Abzweigung zu tasten.

Meine ersten Testversuche waren ganz erfolgreich. Zu beachten ist nur, dass die GPS-Genauigkeit manchmal geringer und das Ergebnis damit verfälscht ist.

Auch Apps wie BlindSquare benötigen relativ viel Akkuleistung. Es ist ratsam, vor Beginn der Wanderung das Handy gründlich aufzuladen.
Weiters empfehle ich, aber das sollte sich von selbst verstehen, für Ausflüge in unwegsameres Gelände gutes Schuhwerk zu tragen. Das sind in meinem Fall feste Wanderschuhe.

Gestern bin ich auf eine App (MyWay) gestoßen, mit deren Hilfe man Punkte auf eigenen Routen speichern kann. Man benennt die Route mit z.B. „Runde um den See“. An verschiedenen wichtigen Punkten (Weggabelungen, Sitzbänken zum Rasten etc.) setzt man einen Punkt. Diese „Wegmarken“ sollten bei der Annäherung angesagt werden. Ich habe auch diese App einmal installiert. Sie bleibt allerdings noch zu testen.

Aber der nächste Holzweg kommt bestimmt.

Informationen zu den Apps


BlindSquare (kostenpflichtig):

App
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MyWay Classic (kostenpflichtig):

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