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Auf einer Herdplatte steht eine weiße Pfanne, in der ein weißer Teig herausgebacken wird.
Bildinfo: Wie man Langos macht? Das hat ein Jugendlicher der ganzen Gruppe per Audioanleitung erklärt. © privat / Foto zur Verfügung gestellt

Von Mohnnudeln und Langos

So kocht die Verrückte Jugend Aktion.

Die Jugendgruppen-Leiterin Tanja Kotek erzählt, wie die blinden und sehbehinderten Jugendlichen der Verrückten Jugend Aktion (VJA) gemeinsam backen, Rezepte ausprobieren und verkosten. Ob persönlich oder online gekocht wird: Hauptsache, es schmeckt!


Wie hat das gemeinsame Kochen gestartet?

Im BSVWNB gibt es im Nebentrakt eine Küchenzeile, die wir mittlerweile gut mit vielen Kochutensilien ausgestattet haben. Der Jugendraum liegt im gleichen Gebäude, und so konnten wir immer wieder spontan Impulse der Jugendlichen aufnehmen: Wenn sie hungrig waren oder Lust zum Kochen hatten, haben wir eine Koch-Einheit gestartet. Zusammen haben wir ein Rezept ausgesucht und die Mengen ausgerechnet. Und sind gemeinsam einkaufen gegangen, haben überlegt welche Produkte wir brauchen und ob es vielleicht gesündere Alternativen gäbe. Das hat immer wieder zu wertvollen Diskussionen geführt.

Zurück in der Küche haben die Jugendlichen die Aufgaben rotierend verteilt, so dass jede und jeder mal am Herd stehen kann. Allerdings ist das kein LPF-Training (Training lebenspraktischer Fähigkeiten), wir bringen den Jugendlichen nicht bei, wie man kocht, sondern setzen voraus, dass sie diese Fähigkeiten mitbringen.

Das gemeinschaftliche Erleben ist genauso wichtig wie das Tun: Alle helfen zusammen, von der Speisen-Zubereitung über das Tischdecken bis hin zum Abwasch.

Es ergeben sich immer spannende Tischgespräche: Viele der jungen Erwachsenen erzählen, wie zuhause gekocht wird und wie die Aufgabenverteilung im häuslichen Kontext ist. 


Kochen die Jugendlichen viel selbst zuhause?

Das ist unterschiedlich: Häufig kochen die Eltern, manche Jugendliche sind nicht so involviert in das Küchengeschehen. Andere dürfen zuhause nicht viel selbst machen, sei es, weil die Eltern vorsichtig sind oder meinen, es gehe schneller, wenn sie selbst kochen. Manche Jugendliche erarbeiten sich die Selbstständigkeit und handeln aus, dass sie an einem Tag in der Woche die Familie bekochen dürfen. Es gibt auch Einzelne, die sich komplett selbst versorgen, und wieder andere kochen so gut wie nie. Was spannend ist: Sehr viele der Jugendlichen backen gerne und probieren Kuchen-Rezepte aus. Beim VJA-Geburtstagsfest versorgt uns ein Teilnehmer jedes Jahr aufs Neue mit kreativen und leckeren Mehlspeisen.

Wie ist es zu den Online-Kochsessions gekommen?

Mit den Anfängen der Corona-Zeit mussten wir unser gesamtes Angebot für die Jugendlichen in den virtuellen Raum verlagern. Die VJA legt einen Schwerpunkt auf selbstständiges Kochen und gesunde Ernährung. David, Karo und ich (Anmerkung: das Team der VJA) überlegten uns also, wie wir die Koch- und Backeinheiten online abhalten können. Zuerst suchten wir möglichst einfache und schnelle Rezepte und erstellten eine barrierearme schriftliche Anleitung. Dann drehten wir abwechselnd Kochvideos, wobei wir darauf geachtet haben, viele Nahaufnahmen von den Arbeitsschritten zu machen.

Gleichzeitig haben wir jeden Schritt auch bestmöglich akustisch beschrieben, für jene Jugendlichen, die kaum oder nur wenig Sehrest haben.

Wir hatten wenig Vorerfahrung mit solchen Koch-Tutorials, also konnten wir die einzelnen Rezepte nur ausprobieren. Glücklicherweise hat alles gut funktioniert! Zu Weihnachten haben wir früher immer mit den Jugendlichen in den Räumen des BSVWNB Kekse gebacken. Letzten Dezember im Lockdown haben wir stattdessen einige Keks-Backanleitungen geschrieben und verschickt.


Wie haben die Jugendlichen reagiert?

Die Rezepte und die Kochanleitungen sind sehr gut bei ihnen angekommen. Sie haben sich gefreut, die Stimmen von David, Karo und mir zu hören. Dadurch, dass während dem Lockdown kein persönliches Treffen im Jugendraum möglich war, haben die Videos eine gewisse Nähe hergestellt. Außerdem konnten die Jugendlichen sich im Tun erleben, wenn sie die Rezepte nachgekocht haben.

Manche Teilnehmenden waren so motiviert, dass sie selbst eine Kochanleitung als Audioaufnahme erstellt haben: Im April hat ein Teilnehmer mit uns Langos gebacken, im Mai hat uns ein anderer gezeigt, wie man Kartoffelteig herstellt und daraus Mohnnudeln macht.

Haben sich die Online-Kochsessions mit den Corona-Lockerungen verändert?

Seit Anfang des Jahres können wir Jugendgruppen-Leiterinnen und -Leiter wieder im Büro arbeiten. Janis (Anmerkung: neu im Team) und ich begannen, über den Video-Konferenzdienst Zoom mit den Jugendlichen zu kochen. Vorab schickten wir ihnen die Rezepte, so konnten sie die Zutaten besorgen und sich dann mit uns online zum vereinbarten Zeitpunkt treffen. So veranstalteten wir gemeinsame Kochabende, selbst wenn wir physisch getrennt waren. Und jetzt sind – so wie vor den Lockdowns – endlich wieder persönliche Treffen möglich.

Welche Kocherlebnisse hattet ihr?

Vor Corona hatten wir großartige gemeinsame Kochabende. Zum Beispiel veranstalteten wir einmal ein „Dinner in the Dark“: Unsere Jugendlichen haben mit den Pfadfinderinnen und Pfadfindern gekocht, und danach in einem abgedunkelten Raum gespeist. Eine Zeitlang gab es auch ein internationales Kochprogramm: Jugendliche, deren Eltern nicht aus Österreich kamen, haben spannende Rezepte von Zuhause mitgebracht. Das hat uns beispielsweise in einen türkischen Supermarkt geführt. Unser ehemaliger ehrenamtlicher Mitarbeiter Matias hat argentinische Wurzeln: Er zeigte uns, wie man Empanadas macht, durch musikalische Begleitung konnten wir noch besser ins argentinische Lebensgefühl eintauchen. Und das Beste ist, dass man bei jeder Kocheinheit etwas Neues lernt.


Was habt ihr denn gelernt?

Wir haben ganz viele sogenannte „Lifehacks“ kennengelernt, also praktische Tipps: Zum Beispiel wie man ein Gericht auch anders zubereiten oder würzen kann.

Wie weiß man, ob das Öl in der Pfanne heiß ist? Wenn man blind oder sehbehindert ist, muss man sich auf andere Sinne verlassen: Man hört die brutzelnde Zwiebel oder spritzt vorsichtig etwas Wasser in die Pfanne, bei Hitze zischt es laut.

Aber es gibt auch ganz viele Hilfsmittel, die das Kochen erleichtern: Eine Eieruhr für das perfekte Timing oder eine sprechende Waage. Wenn man Flüssigkeiten in Gramm umrechnet, kann man sich so auch den Messbecher sparen. Edith List aus unserem Hilfsmittelshop sucht immer nach praktischen Utensilien, auch für die Küche, und ist immer eine gute Ansprechpartnerin.

Wann habt ihr dieses Jahr zusammen gekocht?

Vor kurzem haben wir wieder den Pizzabackofen beim Laurentiusplatz gemietet. Den Teig bereiteten wir am Vortag zu, kauften alles ein und haben schließlich mit dem Holzschieber unsere Pizzen im Holzofen platziert. Die ersten Pizzen sind leider etwas verbrannt, aber die restlichen wurden sehr gut. In der letzten Juliwoche waren wir wieder auf Ferienfahrt, diesmal Campen in Retz im Waldviertel. Dort haben die Jugendlichen den Grill angeworfen – und natürlich täglich das Frühstück zubereitet.


Was habt ihr sonst noch auf der Ferienfahrt erlebt?

Wir waren viel schwimmen und erkundeten die Gegend. Bei einer Führung am Wildkatzen-Wanderweg im Nationalpark Thayatal erfuhren wir viel über das Leben der Tiere – selbst wenn wir keine Wildkatze zu Gesicht bekamen. Ein Tag in Znaim führte uns über die Grenze, und hat durch die fremde Währung und tschechische Sprache noch mehr Urlaubsgefühl gebracht. Und schließlich konnten die Jugendlichen noch die tiergestützte Therapie ausprobieren: Sie haben Kaninchen, Hunde und sogar ein Huhn gestreichelt!

Dieser Campingurlaub hat uns wieder etwas mehr Normalität gebracht. Dank der 3G-Regel konnten die Jugendlichen endlich unbefangener die Ferienwoche genießen – einer der Höhepunkte in jedem Jahr! Aber damit ist der Sommer noch nicht zu Ende: Wir haben einige Aktivitäten geplant, bereits übernächste Woche kochen die Jugendlichen wieder gemeinsam. Was in den Töpfen oder im Ofen zubereitet wird, ist noch unklar (lacht). Schließlich wird das Rezept erst noch gemeinsam ausgesucht.


Danke für den Einblick in eure kulinarischen Erlebnisse!

Hier geht es zur Verrückten Jugend Aktion!

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Davon ist Theresa Baumgartner fest überzeugt. Sie lebt seit bald 55 Jahren mit Diabetes Typ 1 und leitet die Diabetesgruppe im BSVWNB.

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... so die einhellige Meinung von Adriana und Mahendra Galani, die beide blind sind.

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