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Nahaufnahme von weißen Blüten an einem Ast, vor blitzblauem Himmel hinter noch recht kahlen weiteren Ästen.
Bildinfo: Frühling - die ersten Knospen der Obstbäume beginnen zu blühen. © BSVWNB/Martin Tree

Wie schön, dass es den Frühling gibt

Begleiten Sie Margarete Waba beim Frühlingsspaziergang mit (fast) allen Sinnen:

An einem Morgen im März, der Wecker hat soeben geläutet.
Ich steige aus dem Bett, wanke noch etwas schlaftrunken zum Fenster und öffne es.
Heute, ja heute wird vielleicht der erste Frühlingstag sein!
Aber, was ich spüre, sind kühle zwei Grad.
Doch da – tatsächlich! Ich kann es deutlich hören. Die Vögel beginnen schon frühmorgens zu singen. Ganz knapp vor mir, auf einer großen alten Platane in unserem Garten, das fröhliche Lied einer Amsel.

Sehen kann ich es zwar nicht, weiß aber, dass hinter dem Baum schon die Sonne aufgeht.  

Jetzt wird mir innerlich warm und ich freue mich auf den kommenden Tag.
Eine ausgiebige Walking Runde im Lainzer Tiergarten ist geplant und ich spüre, wie sich Vorfreude in mir ausbreitet.
Noch ein kleines Frühstück und hinein in die Sportkleidung. Überlegung: eher noch die wärmere Jacke, vielleicht doch schon die luftdurchlässigen Laufschuhe?
Nachdem heute Frühlingsbeginn ist, entscheide ich, die Kleidung daran anzupassen.

Walking Stöcke unter den Arm geklemmt, den Blindenstock in die Hand. Meine Freundin Karin wartet schon vor der Haustüre und es kann losgehen.
Wir überqueren den Wienfluss und, würde ich es nicht besser wissen, ließe er mich glauben, einen rauschenden Wildbach unter mir zu hören. Ausgiebiger Regen in den vorangegangenen Tagen hat den Wasserstand erheblich ansteigen lassen. Ich mag dieses Geräusch, es gibt mir einen kleinen Vorgeschmack auf die vor mir liegenden Stunden in freier Natur.

Nach einigen Minuten lassen wir die morgendlichen starken Verkehrsgeräusche des Wientales hinter uns und streben dem Nikolaitor entgegen. An dem leichten Anstieg erkenne ich, dass uns jetzt nur mehr wenige Meter davon trennen. Noch ein paar Schritte bis zur Tiergartenmauer und schon fällt die knarrende Holztür hinter uns ins Schloss. Mit dem Zuschlagen dieser Türe sperren wir die Stadtgeräusche fast völlig aus und Natur umfängt uns.

Endlich, auf mein Gesicht treffen inzwischen herrlich warme Sonnenstrahlen. Ich bleibe kurz stehen, um diesen Moment zu genießen. Köstlich würzige Frühlingsluft. Wirklich – eine richtige Oase hier.
Plötzlich, ich kann es in diesem besonderen Moment beinahe körperlich spüren: Ich fühle mich zurückversetzt in die Zeit meiner Kindheit am Land. Und beinahe fast noch intensiver als gerade eben fühle ich die Eindrücke einer unberührten ländlichen Umgebung.

Damals konnte ich noch vieles visuell erkennen. Diese Bilder haben sich in mein Gedächtnis eingraviert. Immer wieder kann ich sie vor meinem inneren Auge abrufen. Und manchmal helfen aktuelle Beschreibungen sehr, die abgespeicherten Bilder zu ergänzen und den Horizont meiner inneren Wahrnehmung zu erweitern.

Ich stehe auf dem Bauernhof meines Onkels, vor mir Rosi, die große gefleckte Kuh und ich rieche ihre ganz typischen Ausdünstungen, nach Heu, nach Dung... einfach nach Stall halt. Etwas Weiches streicht um meine Beine und ich bücke mich, um die getigerte Katze des Hauses zu streicheln, wie wunderbar, dieses weiche, seidige Fell. Etwas weniger gern als die Katze mag ich das flatternde Federvieh rund um mich. Der stolze Hahn der Gesellschaft kräht laut und eine Henne flattert vom Heuwagen, um knapp neben mir zu landen und zufrieden gackernd am Boden nach Würmern zu scharren. Von draußen klingt das Bellen des Hofhundes herein. Den hab ich aus dieser Entfernung am liebsten.  Denn wegen seiner beachtlichen Größe wirkt er auf mich immer etwas bedrohlich, weil ich nicht genau erkennen kann, ob er friedlich mit dem Schwanz wedelt oder etwas anderes im Schilde führt.

Durch die quietschende alte Tür verlasse ich den Stall und höre aus dem gleich dahinter gelegenen Wald das Rufen eines Kuckucks. Wie schön! Er ist für mich der akustische Frühlingsbote.
Und es verschmelzen Vergangenheit und Gegenwart… Denn auch hier und jetzt ruft tatsächlich der Kuckuck, noch sehr zart und leise aus der Ferne.


"Was hältst du davon", fragt plötzlich meine Freundin und reißt mich völlig aus meinem Tagtraum, "wenn wir beim Zurückgehen Bärlauch pflücken?"
"Ja, daran hab ich auch schon gedacht."
Ich bin wieder im Hier und Jetzt und der allgegenwärtige Duft von frischem Bärlauch steigt mir in die Nase. Diese jetzt frisch aus der Erde sprießenden Frühlingsboten kann man sogar blind finden. Nur ganz einfach auf den Geruchssinn vertrauen!

Doch zuerst einmal losmarschieren.

Vorher noch den Langstock am Gürtel befestigen, hier drinnen brauche ich ihn nicht. Das Klacken der Walkingstöcke meiner Freundin zu meiner Linken gibt mir genügend Orientierung und ein gewisses Gefühl der Freiheit. Denn praktisch nie kann ich im Alltag ohne Langstock unterwegs sein. Er hilft mir bei der Orientierung und warnt mich, zumindest meistens, vor unerwarteten Hindernissen. Er ist der einzige Begleiter, der auf all meinen Wegen mit mir unterwegs sein darf.

Nach einer Weile erkenne ich am Geräusch unserer Schritte, dass wir nun eine Holzbrücke überqueren, es zeigt mir an, dass wir in etwa eine Stunde gegangen sind. Ziemlich stark ansteigend und auf teilweise etwas schottrigem Untergrund geht's dem Rohrhaus entgegen.
Doch plötzlich, da ganz knapp neben dem Weg, es knackt und raschelt im Unterholz.
"Schau", sage ich, "ist da nicht ein Wildschwein?"
Und ehe Karin es sehen kann, habe ich die Kleinfamilie gehört. Nun quert sie einträchtig und ohne Hast unseren Weg, um gleich wieder zwischen den Bäumen und Sträuchern zu verschwinden. Ich bin dankbar, dass es hier so leise ist, denn sonst hätte ich dieses tierische Familienglück bestimmt nicht wahrnehmen können.

Es ist warm geworden in der Zwischenzeit und wir machen Rast auf einem Baumstumpf. Ich streiche mit der Hand über die raue Borke, die sich sehr feucht anfühlt. Vielleicht eine Buche? Naja, auf diesem Gebiet werde ich wohl nie eine Expertin sein. Da kenne ich mich schon besser aus mit Pflanzen, die man auch riechen oder noch besser sogar schmecken kann. Und so stehe ich auf, um drei, vier Meter zu gehen. Ein großflächiges Bärlauchfeld breitet sich hier aus und ich brauche mich nur zu bücken und rund um mich die Arme auszustrecken. So kann die reichhaltige Ernte beginnen. Aber Vorsicht, es gibt Verwechslungsgefahr mit anderen Pflanzen, am häufigsten mit Maiglöckchen und Herbstzeitlosen. Der Bärlauch hat dünne, weiche, an den Enden spitz zulaufende Blätter mit einer glatten Oberfläche. Wenn sie schon etwas größer sind, knicken sie auch oft leicht nach unten ab. Sie wachsen einzeln an einem dünnen Stängel und oft dicht beieinander in Gruppen. All das sind Merkmale, die man sehen, aber auch sehr gut fühlen kann… Experiment: einfach ausprobieren.

Natürlich ist auch der intensive Knoblauchgeruch ein markantes Merkmal. Maiglöckchen haben je zwei eher festere Blätter aufrecht an einem Stiel, den sie umschließen. Und die Blätter der Herbstzeitlosen treiben rosettenförmig aus dem Boden, sind eher steif und aufrecht wachsend. Wenn man aber nicht ganz sicher ist, ob blind oder sehend, lieber auf dem Markt kaufen und sich im Wald des Duftes erfreuen.
Flugs ist der mitgebrachte Sack prall gefüllt. Ein wenig hindert er mich durch das Hin- und Herbaumeln an meinem Handgelenk beim Weitergehen. Doch die Vorfreude auf die köstlich würzige Bärlauchsuppe, die am Abend auf den Tisch kommt, entschädigt mich dafür. Und morgen Mittag Bärlauchspätzle und am Abend würzig duftendes Vollkornbrot mit Bärlauchaufstrich. Dazwischen mache ich natürlich, wie jedes Jahr, mein geliebtes Bärlauchsalz. Und ganz leise höre ich Stimmen meiner Familie im Hintergrund: "Eh sehr gut all das. Aber ein bisschen viel Bärlauch auf einmal..."

Vieles ist in unserer konsumverwöhnten Gesellschaft rund ums Jahr vorhanden. Gerade deshalb liebe ich den nur saisonal verfügbaren Bärlauch und den damit untrennbar verbundenen Frühling, der so viele Duftnuancen zu bieten hat.

Schließen Sie doch einfach die Augen und lassen Sie sich vom Frühling ins Reich der Düfte entführen.

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„Bücher lesen heißt, wandern gehen in ferne Welten, aus den Stuben, über die Sterne.“

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