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Aktuelles

Nahaufnahme eines Mannes mit kurzen hellblonden Haaren, hellblauen Augen und weißem Masseurgewand.
Bildinfo: Florian Moser schätzt das gute Arbeitsklima. © BSVWNB/Ursula Müller

„Wir haben uns einen guten Ruf erarbeitet.“

Das Massage Fachinstitut im Louis Braille Haus hat Grund zum Feiern. Es besteht seit 30 Jahren. Aus diesem Anlass haben wir den Masseur Florian Moser zum Gespräch getroffen.

Florian Moser im Interview

Herr Moser, Sie selbst feiern heuer auch ein Jubiläum. Sie arbeiten seit 20 Jahren im Massage Fachinstitut des Blinden- und Sehbehindertenverbands WNB und sind von allen Kolleg:innen derjenige, der am längsten dort tätig ist.

Wie ich begonnen habe, waren wir zu viert und haben im Untergeschoß gearbeitet, wo vier Liegen zur Verfügung standen. Aber das ist lange her. Seit dem Jahr 2014 sind wir im ersten Stock im Louis Braille Haus mit insgesamt 16 Massage Fachkräften. Wir haben viele Stammkund:innen, aber es kommen auch immer wieder neue Leute zu uns. Wir haben uns in all diesen Jahren einen guten Ruf erarbeitet.

Die Masseur:innen sind blind oder sehbehindert. Sie bieten verschiedene Massagetechniken an, die dazu beitragen, die Gesundheit zu erhalten und die Entspannung zu fördern. Dazu zählen Klassische Massage, Lymphdrainage, Fußreflexzonenmassage, Segmenttherapie, Bindegewebsmassage und Akupunkturmassage. Das ist das gängige Angebot. Aber wodurch unterscheidet sich das Massage Fachinstitut des BSVWNB von anderen Fachinstituten? Wie wurde dieser gute Ruf erarbeitet?

Da spielt einiges zusammen. Wir bieten eine hohe Qualität, die dadurch zustande kommt, dass wir regelmäßig Fortbildungen machen. Dann haben wir ein sehr beständiges Team, es gibt kaum eine Fluktuation bei den Mitarbeiter:innen. Bei uns ist es auch so, dass sich neue Kund:innen zunächst  von verschiedenen Fachkräften massieren lassen und dann sagen können, bei wem sie bleiben möchten, wenn sie das wollen. Die Kund:innen werden also nicht zugewiesen, sondern können wählen zu wem sie zur Massage kommen wollen.


Möchten die meisten Kund:innen eine kontinuierliche Betreuung? Wollen viele zu „ihrem“ Masseur, zu „ihrer“ Masseurin gehen?

Ja, die meisten. Man kennt sich, die Kund:innen müssen nicht immer aufs Neue erzählen, was ihnen Probleme bereitet. Ich als Masseur weiß schon, was ich bei den einzelnen Kund:innen machen kann. Ich sehe auch, wie sich die Behandlung entwickelt. Natürlich spielt auch die persönliche Ebene eine große Rolle.  Es ist vertrauensfördernd, wenn man sich kennt. Wir arbeiten ja direkt am Körper. Die Chemie muss stimmen, damit sich die Kund:innen gut entspannen können. Das sind alles Gründe, warum unsere Kund:innen lange bleiben. Es gibt einige, die kommen schon seit 20 Jahren zu mir.

Gibt es noch weitere Gründe dafür, dass es so viele Stammkund:innen gibt?

Die Preisgestaltung spielt sicher auch eine Rolle. Wir haben einen fixen Preis für jede Massageeinheit, und dieser Preis ist unabhängig von der Massagetechnik. Das bietet einen großen Vorteil. Die Kund:innen buchen die Zeit, jede Einheit dauert 25 Minuten. Als Masseur kann ich dann sehr individuell darauf eingehen, was gerade gebraucht wird. Also zum Beispiel kann ich sagen: Weil es heute so extrem heiß ist und Sie Schwellungen in den Beinen haben, machen wir diesmal eine Lymphdrainage. Oder ich kann bei jemanden eine Rückenmassage und eine Fußreflexzonenmassage kombinieren. Das schätzen unsere Kund:innen sehr.

Jede Fachkraft im Massage Fachinstitut bietet die oben genannten Massagetechniken an. Wie werden die Fortbildungen bei Ihnen organisiert? Und gibt es neben der Klassischen Massage, die von vielen gewünscht wird, Techniken, die Sie besonders häufig anwenden?

Die Fußreflexzonenmassage zählt zu einem meiner Schwerpunkte. Damit kann man viel machen. Sie wirkt schmerzlindernd, aber auch bei Verdauungsproblemen, sowie bei Regel- und Wechselbeschwerden, um nur einige Beispiele zu nennen. Ich mache auch häufig Lymphdrainage und Akupunkturmassage. Jede Fachkraft bei uns hat so ihre speziellen Schwerpunkte. Die Fortbildungen machen wir intern. Wir setzen uns gegen Ende des Jahres in einer Teambesprechung zusammen und alle Mitarbeiter:innen können sagen, welche Weiterbildung sie sich wünschen. Dann einigen wir uns auf eine ganz konkrete Technik, wie zum Beispiel die Bindegewebsmassage. Wir organisieren uns dafür eine:n Trainer:in und die Fortbildung findet bei uns im Louis Braille Haus statt. Das hat den großen Vorteil, dass wir alle ziemlich auf dem gleichen Stand sind. Und es gibt immer wieder neue Erkenntnisse und so sind wir alle immer auch auf dem aktuellen Stand.


Was hat Sie motiviert, diesen Beruf zu ergreifen? Sie konnten, als Ihre Sehkraft im Alter von Anfang 20 Jahren stark nachgelassen hat, Ihren damaligen Beruf nicht mehr ausüben. Sie haben dann eine Ausbildung zum medizinischen Masseur gemacht und Jahre später noch eine Aufschulung zum Heilmasseur absolviert. Wieso aber sind Sie Masseur geworden?

Einerseits hat mich die medizinische Seite interessiert, andererseits wurde mir auch gesagt, dass ich ein Talent dafür habe. Und noch etwas kommt dazu. Ich bin ja im Gastgewerbe aufgewachsen, ich wäre eigentlich total gern Kellner geworden, aber das hat’s halt net gspielt. Ich habe mir gedacht, der Masseurberuf kommt dem Kellnerberuf am nächsten. Denn auch da habe ich es mit Menschen zu tun und kann ein bissl Schmäh führen mit den Leuten.  

Sie haben inzwischen 20 Jahre Berufserfahrung. Wie erleben Sie Ihre Arbeit heute und was gefällt Ihnen noch immer an Ihrer Tätigkeit?  

Nach wie vor schätze ich den persönlichen Kontakt. Ganz wichtig ist mir, dass ich meine Arbeit abwechslungsreich und selbstständig gestalten kann. Das eine bedingt das andere. Ich kann und muss schnell entscheiden, was ich in einer Massageeinheit mache, was also die Kund:innen jetzt gerade benötigen, das empfinde ich immer wieder als eine spannende Herausforderung. Es ist auch schön, dass ich manche Kund:innen schon sehr lange kenne und inzwischen drei Generationen massiere. Natürlich ist es auch sehr befriedigend, wenn ich erlebe, was meine Arbeit bewirkt.

Können Sie uns dafür ein Beispiel geben?

Unlängst hat mir eine Kundin nach der Behandlung gesagt: „Jetzt kann ich mir die Schuhe wieder selber zubinden, jetzt komme ich wieder zu meinen Füßen hinunter!“ Das ist schon fein, wenn du erlebst, dass eine Kundin hereinkommt, sich gar nicht bücken kann und es nachher wieder schafft.


Als Massagefachkraft sind Sie geistig wie körperlich gefordert. Wie anstrengend ist Ihre Arbeit?

Ich sehe das so. Es ist eine Frage der Technik, eine Frage der psychischen Konstitution und besonders auch der Abwechslung. Wenn ich eine Lymphdrainage mache, ist die körperliche Anstrengung anders als wenn ich eine Klassische Massage durchführe. Ich nehme, je nach Massagetechnik, eine andere Haltung ein und meine Gelenke werden unterschiedlich belastet. Hinzu kommt, dass wir sehr gute Arbeitsbedingungen haben. Es wird darauf geschaut, dass wir Masseur:innen Pausen einlegen können. Und im Terminplan sind auch fixe Zeiten dafür vorgesehen, dass wir uns gegenseitig massieren können. Also was die Gesunderhaltung der Mitarbeiter:innen betrifft, sind wir auf einem sehr hohen Niveau. Das führt zu mehreren positiven Effekten. Bei uns gibt es kaum berufsbedingte Krankenstände, diese betreffen unter anderem Probleme mit den Bandscheiben oder den Schulter- und Handgelenken. Und es gibt bei uns, wie schon gesagt, wenig Wechsel bei den Mitarbeiter:innen.

Nehmen Sie das Angebot, sich regelmäßig in der Arbeit von den Kolleg:innen massieren zu lassen, in Anspruch?

Ja, das mache ich. Diese gegenseitigen Massagen dienen nicht nur dazu, dass wir möglichst gesund bleiben. Sie tragen auch zur Qualität des gesamten Betriebs bei, denn wir lernen sehr viel dabei. Wenn ich zum Beispiel in meiner Freizeit eine zusätzliche Fortbildung mache, kann ich das Gelernte bei meinen Kolleg:innen ausprobieren und sie wiederum geben mir ein fachliches Feedback. Oder es kann sein, dass ein Kollege zu mir sagt, dass er bei einer Behandlung vor einem Problem stehe. Dann kann ich ihm zeigen, wie ich dieses Problem angehen würde. Ich demonstriere dies, indem ich bei ihm zum Beispiel eine Fußreflexzonenmassage mache. So lernen wir immer wieder voneinander. Also all das zusammen ist ein guter Ausgleich zu unserer doch immer wieder anstrengenden Arbeit.


Mit welchen Beschwerden oder Anliegen kommen die Kund:innen ins Massage Fachinstitut?

Ganz viele kommen, weil sie im Schulter- und Nackenbereich starke Verspannungen haben. Das hängt mit unserer Lebensweise zusammen. Viele Menschen haben Berufe, wo sie vor einem PC sitzen. Das ist auch der Grund, warum immer jüngere Leute mit Verspannungen im Schulter- und Nackenbereich zu uns kommen, aber auch mit Bandscheibenproblemen. Andererseits fällt auf, dass die junge Generation Wert auf Vorsorge legt und schon etwas macht, bevor was weh tut. Viele, die regelmäßig zu uns kommen, sind 50 Jahre alt und älter. Aber ich kann sagen, zu uns kommen Menschen vom Jugendlichen bis zum Hundertjährigen. Ich staune, wie fit manche Menschen noch im hohen Alter sind. Es gibt eine Kundin, sie ist 91 Jahre alt, sie fährt noch mit dem Fahrrad zur Massage. Dann gibt es Leute, die sind so um die 60 und schaffen es kaum, eine Stiege hinaufzugehen. Es ist schon spannend zu sehen, wie viel auch noch in einem hohen Alter möglich ist, wenn man dran bleibt und was tut.

Wie finden die Kund:innen zum Massage Fachinstitut des BSVWNB?

Die meisten kommen über Empfehlungen zu uns. Wenn sich Kund:innen bei uns wohl fühlen und mit der Behandlung zufrieden sind, kommen oft andere Familienmitglieder oder Leute aus der Nachbarschaft nach und bleiben oft sehr lange bei uns. Vor einiger Zeit habe ich eine Frau massiert, die meine allererste Kundin war, wie ich hier angefangen habe. Aber sie ist damals schon seit fünf Jahren zu uns gekommen. Sie hat heuer also ihr 25jähriges Jubiläum als Stammkundin bei uns.  


Vielen Dank für das Gespräch.


Massage Fachinstitut:
Öffnungszeiten: Montag – Freitag 08:15 – 19:30 Uhr
Ort: Louis Braille Haus, 1. Stock
Terminvereinbarung: 01 981 89 227
E-Mail: bestehaende(at)blindenverband-wnb.at

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