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Ein Mann mit schwarzer Sonnenbrille und kurzem Bart, lächelnd im Halbschatten vor einem großen Baumstamm stehend.
Bildinfo: Saša Stojković ist in seiner alten Heimat Serbien ein begeisterter Basketballspieler. Mit Anfang 20 kommt er nach Wien. Über den Behindertensport findet er neue Freunde. © BSVWNB/Ursula Müller

„Wir sind ein tolles Team!“

... schwärmt Saša Stojković von seinem Wiener Blindenfußballteam. Der begeisterte Sportler ist seit dem Jahr 2020 dabei, ist sehr motiviert und freut sich auf die neue Spielsaison, die am 7. Mai beginnt.

Interview mit Saša Stojković

Blindenfußball ist in Österreich kaum bekannt und wird nur von wenigen gespielt. Das Wiener Team, bestehend aus zehn Männern und Frauen, gibt es erst seit einigen Jahren. Wie, Herr Stojković, haben Sie davon erfahren, wie sind Sie zum Blindenfußball gekommen?

Saša Stojković: Das war ein Zufall. (Lacht) Ich war auf dem Weg zur Arbeit, ich bin Masseur und arbeite im Massage-Fachinstitut im Louis Braille Haus. Und da hat mich ein Mann auf der Straße angesprochen. Ich hatte es eilig und außerdem hab ich gedacht, dass ich um Geld gefragt werde, das kommt dort öfters vor. Ich wollte gleich weitergehen. Er hat dann schnell zu reden begonnen, hat gesagt, ich bin Trainer, es geht um Blindenfußball. Und da habe ich mir gedacht okay, das ist interessant, ich bleibe jetzt stehen. (Lacht) Wir haben Telefonnummern ausgetauscht und ein paar Tage später war ich schon bei meinem ersten Training und seitdem bin ich dabei.

Haben Sie diese Sportart schon gekannt?

Saša Stojković: Nein. Ich wusste gar nicht, dass es Blindenfußball gibt. Wie ich dann zum ersten Training gekommen bin, habe ich dort einige Leute getroffen, die ich eh kenne, aber ich wusste nicht, dass sie Blindenfußball spielen. (Lacht) Am Anfang fühlst du dich auf dem Spielfeld echt verloren, denn es ist nicht leicht, sich zu orientieren, aber mir hat es trotzdem gleich Spaß gemacht. Sport hat mich schon immer begeistert und ich spiele sehr, sehr gerne in einem Team. Obwohl ich auch im Einzelsport erfolgreich war, ich bin Schwimmer und trete noch immer bei Wettkämpfen an. Aber jetzt steht für mich Blindenfußball an erster Stelle.

Der Trainer hat Sie also unterwegs angesprochen und gehofft, auf der Straße Verstärkung für das Blindenfußballteam zu finden?

Saša Stojković:

Ja genau, ich bin immer mit meinem Blindenstock unterwegs, denn ich sehe weniger als ein Prozent und sportlich schau ich auch aus. So hat er sich gedacht, das könnt schon passen. Hat es auch. (Lacht)

Was hat Sie so schnell für diese Sportart eingenommen?

Saša Stojković: Es ist für mich ganz wichtig, in einem Team zu spielen. Außerdem kann ich mich auf einem Feld frei bewegen. Das gibt es sonst im Blindensport nicht. Hinzu kommt, dass wir immer im Freien spielen. Unser Training fängt im Februar an und geht bis Ende November. Wir trainieren bei jedem Wetter. Ich kann mich noch gut erinnern, wie ich zum zweiten Mal beim Training war, hat es extrem stark geregnet. Der Trainer hat damals zu mir gesagt: „Wenn du bei so einem Wetter kommst, ist das ein gutes Zeichen, dann bleibst du dabei.“


Blindenfußball ist nicht Ihr erster Teamsport. Sie sind in Serbien, in der Nähe von Belgrad aufgewachsen und waren ein erfolgreicher Basketballspieler.

Saša Stojković: Sport hat mich immer begeistert und Sportler waren von klein auf mein Vorbild. Serbien, oder besser gesagt Jugoslawien, war damals sehr gut in Basketball und alle Kinder haben Basketball gespielt. Auch ich war begeistert und hab früh damit begonnen. Damals habe ich natürlich viel besser gesehen, jetzt ginge das gar nicht mehr, Basketball ist sehr schnell, sehr schön, sehr intensiv, Basketball ist meine erste große Liebe im Sport. (Lacht) Schade, dass es nicht auch Blindenbasketball gibt.

Sie haben fünf Jahre in einem Verein gespielt, doch dann hat sich Ihre Sehkraft aufgrund einer erblich bedingten Augenerkrankung sehr stark verringert. Sie mussten damals, das war im Jahr 2004, nicht nur mit dem Spielen aufhören, sondern auch Ihre Ausbildung abbrechen.

Saša Stojković: Ich wollte Basketballtrainer werden und habe damals Sport studiert, also genauer gesagt, ich habe in Belgrad eine Ausbildung zum Basketballtrainer gemacht. Dann hat sich meine Sehkraft so stark verschlechtert, dass ein Professor auf der Uni gesagt hat, es wäre vielleicht gut, wenn ich eine andere Ausbildung machen würde. Es war für mich echt sehr, sehr schwer, diesen Berufswunsch aufzugeben. Ich wollte das immer machen, ich war damals 19 Jahre alt, und stand plötzlich vor der Frage: Was tu ich jetzt? Das war schon sehr schwierig.

Sie sind dann einige Zeit später gemeinsam mit ihrer Schwester, die an der Wiener Wirtschaftsuniversität (WU) studieren wollte, nach Österreich gegangen.

Saša Stojković: Ja, ich bin im Jahr 2007 gekommen, da war ich Anfang 20. Meine Mama war schon hier, meine Eltern sind getrennt und meine Mama ist seit 1992 in Wien. Am Anfang war es schwer. Ich konnte kein Deutsch, ich hatte keine Freunde. Ich bin öfters in Wien spazieren gegangen und hab mich gefragt, was meine Freunde daheim gerade tun und was tu ich hier alleine? Das war schon hart.

Sie haben Deutschkurse besucht und sich schlau gemacht, welche Behindertensportarten in Wien angeboten werden.

Saša Stojković: So bin ich zum Schwimmen gekommen. Ich hab gegoogelt, aber ich war damals so schüchtern. Ich bin zwei Mal hingegangen, hab aber nur zugeschaut, hab mich nicht getraut, die Leute anzusprechen. Dann hab ich gedacht, okay, beim dritten Mal mach ich es, egal was passiert. Seitdem schwimm ich und mit dem Sport ist alles ein bisschen leichter geworden.


Sie haben damals auch Kontakt zum Blinden- und Sehbehindertenverband (BSVWNB) aufgenommen, haben ein Zimmer im Louis Braille Haus in Wien bezogen und für die nächsten vier Jahre da gewohnt. Sie haben Ihren ersten Job in der Werkstatt gefunden, wurden von der Beruflichen Assistenz beraten und haben dann eine Massageausbildung absolviert, die Sie mit Auszeichnung abgeschlossen haben.

Saša Stojković: Gleich nach der Ausbildung hab ich mich im Massage-Fachinstitut beworben und arbeite seit dem 1. August 2011 hier im Haus. Bei der Arbeit geht es mir sehr gut. Wir haben ein gutes Arbeitsklima, unsere Kund:innen sind sehr nett, viele kommen jede Woche. Natürlich gibt es Tage, wo man weniger Lust hat, aber ich arbeite sehr gerne. Und der Sport ist ein super Ausgleich zum Job.

Das Wiener Blindenfußballteam gibt es erst seit wenigen Jahren, es ist bislang das einzige Team in Österreich; da es klein ist, spielen sowohl Männer als auch Frauen.

Saša Stojković: Unsere Kapitänin ist eine Frau und sie macht das sehr gut. Sie ist bei jedem Match dabei. Es läuft gut. Es ist eine gute Atmosphäre im Team. Wir sind trotz der vielen Niederlagen, die wir im letzten Jahr einstecken mussten, zusammengeblieben. Das ist die Stärke unseres Teams, sagt der Trainer immer. Und es macht uns ganz viel Spaß, das ist am wichtigsten. (Lacht) Wir spielen oft in anderen Städten, das ist interessant. Nach den Spielen gehen wir feiern, egal ob wir gewinnen oder verlieren. Oft haben wir mit den Gegnern zusammen gefeiert und lernen so neue Leute kennen. Es ist sehr lustig und insbesondere die Deutschen organisieren das sehr gut.

Ihr Team hat ehrgeizige Pläne. Es wurde in die deutsche Blindenfußball-Bundesliga aufgenommen. Am 7. Mai beginnt die neue Saison.

Saša Stojković: Das ist für uns sehr gut, so können wir bei den Turnieren gegen alle sieben deutschen Vereine spielen und die sind wirklich stark. Da können wir in den nächsten Jahren viel lernen. Und dann wollen wir natürlich den Titel holen. (Lacht) Voriges Jahr war unsere erste Saison. Wir haben sogar einen Punkt geholt. (Lacht) Wir waren zwar Tabellenletzter, aber immerhin mit einem Punkt. Es gibt aber auch Freundschaftsspiele gegen Brünn oder Krakau. Wir machen auch Länderspiele. Denn unser Wiener Team ist zugleich auch das österreichische Nationalteam.


Das Spielfeld misst 20 mal 40 Meter und ist an den Längsseiten mit Banden begrenzt. Die Tore sind gut dreieinhalb Meter breit und gut zwei Meter hoch. In jedem Team spielen vier blinde Feldspieler und ein sehender Torwart. Außerdem steht ein sehender Guide hinter dem gegnerischen Tor und kann seinen blinden Mitspieler:innen Anweisungen geben. Der Ball macht ein rasselähnliches Geräusch. Wie wird gespielt?

Saša Stojković: Die Spieler:innen am Feld tragen eine dunkle Brille, damit es für alle gleich ist. Da der Ball klingelt, hören wir, wo er sich bewegt. Und es gibt eine ganz wichtige Regel, die wir beachten müssen. Das ist die Voy-Regel. Das ist das spanische Wort für ich komme oder ich gehe. Also wir müssen uns melden.

Ich bin Verteidiger und wenn ein Stürmer mit dem Ball kommt, muss ich mich laut mit Voy melden, erst dann kann ich ihn verteidigen. Wir müssen also viel kommunizieren und uns sehr konzentrieren.

Es ist viel los am Spielfeld. Es kommt auch immer wieder zu einem Zusammenstoß, aber je besser man spielen kann, desto weniger kommt es zu Verletzungen. Es ist natürlich auch sehr wichtig, dass man sich am Feld gut orientieren kann. Am Anfang ist man verloren, am Anfang ist jeder verloren, aber du lernst das mit der Zeit. Du brauchst auch Kraft und Kondition, deshalb wechseln wir oft nach fünf Minuten. Man erholt sich kurz und spielt wieder weiter. Eine Halbzeit dauert 20 Minuten. Meistens aber länger. Das Spiel ist sehr spannend, sehr interessant.

Die Turniere der deutschen Blindenfußball-Bundesliga werden oft an spektakulären Orten ausgetragen.

Saša Stojković: In Bonn und in Trier haben wir auf dem Hauptplatz gespielt. Dort wurde das Fußballfeld aufgebaut. Das ist schon etwas Besonderes. Das ist so, als wenn wir vor dem Rathaus in Wien spielen würden. Das würden wir gerne einmal machen, das wäre echt cool. Im Sommer werden wir in Köln vor dem Kölner Dom spielen. Da kommen viele Leute vorbei, das macht die Sportart bekannt. Überhaupt sind die Deutschen so ein bisschen Fußball Fanatiker und wir sind froh, dass sie uns aufgenommen haben als Wiener. Irgendwann wollen wir auch eine österreichische Liga machen, aber das ist Zukunftsmusik.


Das Wiener Blindenfußballteam trainiert immer samstags. Alle Infos finden sich auf dessen Website.

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