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Echolokalisation

Akustische Orientierung

Eine sehende Person schaut sich einfach um und orientiert sich. Sie verschafft sich damit einen Überblick in der nahen, aber auch der entfernteren Umgebung. Vor allem Geräusche können allerdings, besonders aus der Ferne, ebenfalls hilfreiche Informationen bieten.

Ein blinder Mensch nutzt zur Orientierung hauptsächlich die Wahrnehmung und Interpretation hörbarer und teilweise tastbarer Signale. Und deshalb war und ist der Einsatz der Akustik zur räumlichen Orientierung und zur Situationserkennung einer der grundlegenden Bestandteile unserer Rehabilitationstrainings in den Bereichen Orientierung & Mobilität (O&M-Training) und Training der lebenspraktischen Fähigkeiten (LPF-Training). Die TrainerInnen helfen die Geräusche der Umgebung erkennen und richtig einschätzen zu lernen. Mit etwas Übung bringt dies Antworten auf Fragen wie z.B.: Fährt das Auto schnell oder langsam? Kocht das Wasser schon? Wo ist meine heruntergefallene Münze hin gerollt?

Aber noch viel mehr lässt sich erhören. Gehen wir durch einen Tunnel oder betreten wir eine Umkleidekabine. Das Echo unserer Schritte oder das unserer Stimme wird jeweils unterschiedlich klingen.

Schon der erblindete Engländer James Holman nutzte Mitte des 19. Jahrhunderts das Echo, das er mit seinem klopfenden Spazierstock erzeugte, so meisterhaft, dass er bei seinen ausgedehnten Reisen durch die ganze Welt weitgehend ohne Begleitung und Beschreibung der Umgebung durch andere auskam.

Auch heute erzeugen blinde Menschen z.B. durch Fingerschnippen, stampfende Schritte, durch ihre Stimme, ihren weißen Taststock oder anderes aktiv Laute, deren Echo sie vor Mauern warnt, ihnen einen Eindruck von der Größe einer Bahnhofshalle oder andere Informationen gibt. Diese aktive Echoortung wird von vielen blinden Menschen genutzt. Oft ganz unbewusst.

Mit Klick-Sonar mutig durch die Welt

Das Interpretieren von Geräuschen und die aktive Echoortung kann mithilfe unserer qualifizierten TrainerInnen in jedem Alter erlernt werden. Je früher man jedoch damit beginnt, desto natürlicher und selbstverständlicher fügt es sich in den Alltag ein.

So wie bei Daniel Kish, selbst blinder Mobilitätstrainer aus den USA und Vortragender zum Thema Echoortung. Er hat eine besonders effektive Art entwickelt, Laute zur Echoortung zu nutzen. Er klickt mit der Zunge. Seine scharfen Zungenklicks sind je nach Situation entsprechend laut oder leise. Diese fortgeschrittene Form der aktiven Echoortung erzeugt eine Art dreidimensionales Bild der Umgebung. Dieses Bild entsteht wie bei einem Sehenden nachweisbar im visuellen Cortex des Gehirns. Diese Technik nennt Daniel Kish "Flash-Sonar" oder Klick-Sonar, da sie die Umwelt blitzartig festhält – bei jedem Zungenklick.

Obwohl es in erster Linie darum geht, damit Hindernisse im Alltag zu erkennen oder einen Hauseingang von der Hausmauer unterscheiden zu können, ist diese Klick-Sonar Technik auch zur Orientierung in verschiedenen Umgebungen gut geeignet. Teilweise können Objekte ab einer Entfernung von 30cm bis etwa 200m interpretiert werden.

Mithilfe der Echoortung kann die Selbstständigkeit und Unabhängigkeit blinder Menschen entscheidend verbessert werden. Daniel Kish vertritt auf konsequente und positive Weise die Haltung, dass es für blinde Menschen kaum Grenzen der Eigenständigkeit gibt. Blinde Menschen gehen Wandern, fahren mit dem Rad, unternehmen Reisen uvm. Er ist das lebende Beispiel dafür.

Besonders blinde Kinder liegen Daniel Kish am Herzen. Um diese Kinder zu aktiven, selbstständigen Personen zu erziehen, ist ihm neben dem kontinuierlichen Mobilitätstraining mit dem Langstock und der aktiven Echoortung auch die Einsicht der Eltern wichtig. Er vertritt die „Keine-Grenzen“ Haltung, das Kind nicht über die Gebühr zu beschützen, sondern es seine eigenen Erfahrungen machen zu lassen und in seiner Neugier auf die Welt zu bestärken.

Ersetzt Klick-Sonar den weißen Langstock?

Nein! Der Langstock ermöglicht das Orientieren vor den Füßen, ertastet Bodenunebenheiten, kleine Stufen oder Löcher im Weg. Klick-Sonar aber ermöglicht die Wahrnehmung in größeren Distanzen; also die Orientierung in Räumen, auf Plätzen, Straßen etc. ohne diese abgehen zu müssen. Die Nutzung des Langstocks wird von erfahrenen Blinden als ebenso wichtig, wie die Klick-Sonar Technik angesehen.

Wer ist Daniel Kish?

Daniel Kish (Jahrgang 1965), auch bekannt als „Fledermausmann“, ist selbst seit seiner Kindheit blind. Er ist jedoch der Meinung, dass es sich dabei nicht um eine Behinderung sondern vielmehr um eine Unannehmlichkeit handelt. Er ist Gründer und Vorsitzender der Organisation World Access for the Blind.

Auf seinen Vortragsreisen durch die ganze Welt ist er ständig auf der Suche nach weiteren blinden Mitstreitern. FrühförderInnen und RehabilitationstrainerInnen sieht er ebenfalls als geeignete Multiplikatoren seiner „Keine-Grenzen“ Haltung und der Klick-Sonar Technik an und vermittelt ihnen seine Techniken. Er arbeitet eng mit dem seit einiger Zeit in Österreich lebenden Juan Ruiz zusammen.