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Eine Frau mit glatten langen Haaren blickt lachend zur Seite, im Hintergrund ein Geländer und Äste eines Baumes.
Bildinfo: Brigitte Lang ist ausgebildete Gedächtnistrainerin. Die Leiterin des Denkcafés will bei den Übungen möglichst viele Sinne ansprechen. © BSVWNB/Ursula Müller

„Unser Gehirn will gefordert werden.“

Viele Menschen wünschen sich, noch im Alter geistig fit zu sein und selbstständig leben zu können. Gute Gene helfen, dieses Ziel zu erreichen, genauso wie das Gedächtnistraining.

Im „Denkcafé“ im Blinden- und Sehbehindertenverband WNB kann man sein Gehirn trainieren und gleichzeitig das Beisammensein mit anderen genießen.

Im Louis Braille Haus trifft sich regelmäßig eine Gruppe, die von Mag. Brigitte Lang geleitet wird. Die unterschiedlichen Übungen sollen dazu beitragen, kognitive Fähigkeiten wie Gedächtnis, Konzentration oder Problemlösung zu stärken und das Gehirn geistig fit zu halten. Frau Mag. Lang, Sie sind unter anderem ausgebildete Gedächtnistrainerin. Worauf achten Sie besonders, wenn Sie mit Menschen arbeiten, die blind oder sehbehindert sind? Denn viele gängige Übungen setzen ja voraus, in Schwarzschrift lesen und schreiben zu können.

Ich überlege sehr genau, wie ich die einzelnen Übungen gestalte. Denn sie sollten im wahrsten Sinn des Wortes begreifbar sein. Wenn ein Sinn beeinträchtigt ist, ist es wichtig, möglichst alle anderen Sinne anzusprechen. Und ich lasse jene Übungen weg, wo man Dinge aufschreiben oder lesen muss. Ansonsten unterscheidet sich das Gedächtnistraining nicht von jenem, welches ich mit Menschen mache, die sehen können. Das Anliegen von unserem Denkcafé ist ernst, wir möchten mit den Übungen die Gedächtnisleistung stärken, aber ich muss sagen, wir haben immer viel Spaß miteinander. (Lacht) Die Teilnehmer:innen in dieser Gruppe sind zwischen 45 und 90 Jahre alt. Das Zusammenkommen und das Gruppenerlebnis sind sehr wichtig. Denn Kontakte und Geselligkeit tragen auch dazu bei, einer Demenzerkrankung vorzubeugen.

Die Vorstellung, an einer Demenzerkrankung wie an der Alzheimer Krankheit zu leiden, löst bei vielen Menschen unangenehme Gefühle wie Angst und Schrecken aus. Denn die Krankheit verändert einen Menschen, macht abhängig und hilflos, und ist bis jetzt nicht heilbar. Wir können aber mit einem gesunden Lebensstil einiges dazu beitragen, einer Demenzerkrankung vorzubeugen oder sie hinauszuzögern. Eine weitere Präventionsmaßnahme ist das Gedächtnistraining. Was genau versteht man darunter?

Das Gedächtnistraining umfasst alles, wo ich meine Gehirnzellen aktiviere. Vieles lässt sich in den Alltag integrieren. Ich nenne ein einfaches Beispiel. Ich versuche, mir die Dinge, die ich einkaufen will, auswendig zu merken. Dazu gibt es verschiedene Methoden und ich gebe immer praktische Tipps für den Alltag. Bei den Übungen ist es mir wichtig, Sprache und Bewegung zu verknüpfen. Wir beginnen jede Einheit mit einem Spruch, dieser lautet: Das Denkcafé ist da, wir sagen alle ja, wir machen alle mit, das hält uns jung und fit. Diese Worte verbinden wir mit einer Bewegung, wir klatschen uns auf die Oberschenkel, wir klatschen in die Hände, dann überkreuzen wir die Arme. Außerdem wähle ich für jede Einheit ein Thema aus wie Geld, Sprache, Glück oder Emotionen. Ich bringe Kleinigkeiten wie Fruchtgummis mit, weil ich verschiedene Sinne wie Riechen und Schmecken einbeziehen möchte, auch die Feinmotorik soll angesprochen werden, genauso wie das Fühlen. Mit den Übungen sollen unterschiedliche Sinne und Regionen im Gehirn angesprochen werden.


Wie kann man sich konkret eine Übung zum Thema Sprache vorstellen?

Ich verwende für diese Übung einen Würfel, wo auf jeder Seite ein Buchstabe aufgeklebt ist, den man ertasten kann. Wenn wir eine Übung zur Wortfindung machen, dann wird gewürfelt. Bei einem A fällt mir zum Thema Sprache zum Beispiel das Wort Alphabet ein. Es wird dabei einerseits das Tasten aktiviert, andererseits muss ich überlegen, welcher Begriff mit dem Anfangsbuchstaben A zum Thema passt. Ein anderes Beispiel, wir hatten einmal das Thema Anglizismen. Das heißt, es geht um englische Wörter, die bereits Eingang in den deutschen Sprachgebrauch gefunden haben und von vielen selbstverständlich verwendet werden. Eine Übung kann so ablaufen, dass jede Person ihren Vornamen sagt, und mit dem Anfangsbuchstaben einen Anglizismus bildet. Also ich heiße Brigitte, ein passender Begriff wäre Brainstorming. Das trainiert das Langzeitgedächtnis. 

Aber wir machen auch Übungen, die das Kurzzeitgedächtnis stärken. Dafür verwenden wir den Hörsinn. Ich spiele ein Lied vor, ich greife oft auf Songs zurück, die in der Jugend meiner Gruppenmitglieder populär waren. Beim Thema Geld haben wir uns Hey Boss, ich brauch mehr Geld angehört, und ich stelle Fragen zum Inhalt. Beim Thema Geld ist es auch ums Rechnen gegangen. Ich habe eine Rechnung vom Supermarkt vorgelesen und die Teilnehmer:innen haben die einzelnen Posten im Kopf zusammengerechnet. Diese Übung kann man auch zuhause machen, wenn der Partner oder die Partnerin sehend ist. Wir sind eine gemischte Gruppe, es gibt Paare, wo eine Person sehend, die andere sehbehindert ist. Im Denkcafé werden also Kurz- und Langzeitgedächtnis trainiert, aber auch Koordination und Kommunikation. Es sollen möglichst viele Bereiche des Gehirns stimuliert werden. Grundsätzlich lässt sich sagen, unser Gehirn will gefordert werden, will Neues lernen.


Beim Gedächtnistraining haben Sie auch immer zwei Stressbälle dabei, einen in Form eines Gehirns, einen in Form eines Herzens.

Ja, ich sage immer, meine Trainings sind für das Gehirn und ich mache sie mit viel Herz. (Lacht) Und sie sind bei Übungen, die reihum gehen, sehr nützlich. Wir machen am Anfang jeder Einheit eine kurze Vorstellrunde, wo alle ihren Namen sagen. Jede blinde Person weiß sofort, dass sie an der Reihe ist, wenn sie den Ball bekommt. Oder wenn man bei einer Aufgabe ein bisschen überlegen will, ist es auch sehr angenehm, diesen Stressball in Form eines Gehirns in der Hand zu halten und zu drücken. Dieses Haptische, das Fühlen der Gehirnwindungen auf dem Stressball stimmt uns auf die Übungen ein.

Das Gehirn ist unser wichtigstes Organ. Es ist die Steuerzentrale für alle lebensnotwendigen Abläufe in unserem Körper. Es besteht aus verschiedenen Teilen und aus Milliarden von vernetzten Nervenzellen. Wie wirkt sich das Gedächtnistraining aus?

Je mehr ich trainiere und je verschiedenartiger die Übungen sind, desto mehr Synapsen bilden sich, also diese Verzweigungen. Dies kann man in jedem Alter erreichen. Es ist im Alter schwieriger etwas Neues zu lernen, aber es ist möglich. Vorausgesetzt ich will es. Man fragt sich vielleicht, bin ich gut genug, schaffe ich das? Diese Ängste haben die meisten von uns, wenn sie in eine neue Gruppe kommen. Aber diese Ängste möchte ich nehmen. Es ist mir wichtig zu betonen, dass es in unserer Gruppe keinen Leistungsdruck gibt. Jede Person löst die Aufgaben in der Weise wie es ihr im Augenblick möglich ist. In unserem Denkcafé geht es darum, die Übungen spielerisch zu machen, Freude daran zu haben, andere Menschen zu treffen und sich auszutauschen. Wichtig ist mir auch zu sagen, dass das Denkcafé inklusiv stattfindet.  Partner:innen, Freund:innen, Bekannte ab ungefähr 50 Jahren sind herzlich willkommen aktiv teilzunehmen.


Einige der Gruppenmitglieder, manche sind von Anfang an dabei, andere sind erst später dazu gekommen, schildern ihre Eindrücke vom Denkcafé:

Kiki Lindenthal: 

Das Denkcafé ist eine wunderbar nette Sache, ich freu mich jedesmal darauf. Wir haben alle eine Hetz und so soll es ja auch sein. Natürlich ist es blöd, wenn man einmal etwas nicht weiß, aber es fällt einem ja kein Zacken aus der Krone und wir kennen uns inzwischen schon recht gut.

Thomas Lindenthal: 

Ob es einen Nutzen hat, kann ich schwer beurteilen. Wie wäre es, wenn ich nicht gekommen wäre? Aber das wird sich vielleicht später herausstellen. (Lacht)

Isabella Hartl: 

Besonders gefällt mir, dass wir Tipps bekommen, die wir im Alltag umsetzen können. Also zum Beispiel, wie wir uns Namen oder Zahlen besser merken können. Oder wie wir ohne Liste einkaufen gehen können, weil man dafür seinen Körper einsetzen kann. Ich nutze das für mich im Alltag.

Siegfried Ambach: 

Mich hat meine Freundin motiviert, ins Denkcafé zu kommen. (Lacht) Ich bin 86 Jahre alt und ich leide sehr stark unter dem Verlust des Kurzzeitgedächtnisses. Aber sonst bin ich noch ganz flott unterwegs, ich gehe Bergsteigen und musiziere noch immer. Aber wenn ich mir etwas merken soll, das morgen oder übermorgen ist, dann ist das schnell weg. Ich gehe ins Denkcafé, weil es gut ist, wenn ich etwas tu.


Hans Stiny: 

Mich hat auch meine Partnerin ermuntert, hierher zu kommen. Die Übungen, die wir machen, sind für mich eine gute Anregung, auch daheim etwas zu tun. Es ist unterschiedlich, an manchen Tagen fallen mir Sachen oft nicht ein, aber an anderen habe ich kein Problem mit meinem Gedächtnis. Ich löse gerne Kreuzworträtsel und am Abend spielen wir oft Karten miteinander.


Hildegard Monschein: 

Was führt mich her? Erstens mein Partner, damit er was für sein Hirn tut. (Lacht) Wir machen einige Übungen, die wir hier kennengelernt haben öfters, wenn wir zum Beispiel in der U-Bahn unterwegs sind. Ich schätze die Anregungen, die wir hier bekommen. Es heißt ja, man soll das Gehirn möglichst vielseitig verwenden und aktivieren. Man kann gar nicht früh genug mit so einem Training anfangen.


Kurt Prall: 

Ich bin erst seit Kurzem dabei und mir gefällt es in dieser Gruppe sehr gut. Unsere Trainerin macht das wunderbar, sie bringt mein Hirn auf Touren. (Lacht) Es macht mir Spaß und wenn man einmal etwas nicht weiß, braucht man sich nicht zu genieren, das kann einfach passieren, das ist das Nette.


Für alle, die sich für das Gedächtnistraining interessieren, gibt es das Angebot einer kostenlosen Schnupperstunde. Man kann jederzeit einsteigen.

Die Gruppe trifft sich alle 14 Tage, ein Block umfasst sechs Einheiten, und zwischen jedem Block gibt es eine Pause. Eine Einheit dauert eineinhalb Stunden und kostet 15 Euro. 

Am 13. Jänner startet das nächste Gedächtnistraining.

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