Was sein muss, muss sein!

Was muss ein:e Führhundehalter:in alles können und machen
Hallo, ich bin es wieder, der Louis.
Blindenführhund zu sein ist ein ganz schön schwieriger und manchmal anstrengender Job. Darüber hab ich ja schon erzählt.
Aber das Herrchen oder Frauchen von einem Blindenführhund zu sein ist auch nicht so super easy, wie ihr vielleicht denkt.
Nicht jeder blinde Mensch kann einen Blindenführhund bekommen. Und bei der Vergabe wird darauf geschaut, dass er oder sie bestimmte Fähigkeiten oder Eigenschaften hat.
Um Führhundehalter:in zu sein, muss man sich halbwegs gut orientieren können. Man muss schließlich dem Hund die Richtung ansagen. Viele Leute glauben, dass der Hund alles alleine finden kann. Man sagt nur „Geh zum Bäcker“ oder „Zur Zahnärztin“ und der Hund findet das Gewünschte ganz selbstständig. So ist das eben nicht. Sicher, irgendwann habe ich mir bestimmte Strecken eingeprägt, und auch manche Geschäfte, die wir immer wieder besuchen, könnte ich finden. Aber für die Angabe der Richtung ist Manu, mein Frauchen zuständig.
Es ist wichtig, dass die blinde Person sich auch ohne ihren Hund zurechtfindet. Auch wir Hunde sind mal krank und müssen das Bett hüten.
Genau, das bringt mich schon zum nächsten Punkt: Manu muss sich um mein Wohlbefinden, um meine Gesundheit kümmern. Sie muss mich regelmäßig füttern, mich bürsten oder für Impfungen mit mir in die tierärztliche Praxis gehen. Es gibt Dinge, die ein Hund regelmäßig braucht: Entwurmungstabletten, etwas gegen Flöhe und Zecken und hin und wieder Ohrenspülungen.
Manu muss auch sehr aufmerksam sein und darauf achten, dass mir nichts fehlt. Wenn ich krank bin, muss sie das bemerken und für mich ärztliche Hilfe besorgen. Letztes Jahr hatte ich eine schreckliche Halsentzündung. Da hab ich dauernd so gruselig gehustet.
Beim Tierarzt hab ich eine Spritze bekommen. Manu hat mir dann auch Salbeitee mit Honig gemacht.
Gut geschmeckt hat der nicht, aber dann war ich bald wieder gesund.
So eine Halsentzündung ist leicht zu bemerken. Aber es gibt Krankheiten, bei denen man nicht husten oder sich übergeben muss. Da hatte ich einmal so unpackbare Schmerzen unten auf der Pfote. Ich konnte kaum mehr drauftreten. Irgendwie ist Manu aufgefallen, dass ich beim Gehen anders klinge – drei Beine klingen halt anders als vier – und der Tierarzt hat mir dann eine Glasscherbe aus dem Zehenballen gezogen.
Viele Dinge bemerkt Manu, weil sie mich viel streichelt. So ist sie auch draufgekommen, dass meine Augen entzündet waren. Da kam so eine komische schleimige Flüssigkeit raus – IGITT! Manu musste mir dann zweimal täglich eine Augensalbe da reinschmieren.
Ihr könnt Euch vorstellen, nicht leicht, ohne zu sehen.
Für meine großen und kleinen Geschäfte muss ich ja auch mehrmals am Tag raus. Manu muss da natürlich mitkommen, und wir müssen einen guten Platz für mich finden.
Wenn man einen Blindenführhund haben möchte, sollte man gerne draußen sein. Wir brauchen Bewegung und Erholung von der Arbeit. Unsere Menschen müssen längere Spaziergänge in Wäldern oder Parks mit uns machen.
Es ist ihre Aufgabe, für spannende Freizeitbeschäftigungen zu sorgen.
Gerade, wenn wir draußen unterwegs sind, muss Manu besonders gut auf mich aufpassen. Und das ist natürlich nicht so leicht, denn sie sieht ja nicht, ob etwas Gefährliches passiert. Sie kann z.B. nicht erkennen, ob das, was ich da verbotenerweise gefressen habe, nur ein weggeworfenes Eisstanitzel oder ein Giftköder ist. Ich glaube, sie macht sich manchmal Sorgen.
Hin und wieder, wenn ich ohne Leine auf Erkundungstour bin, und nicht auf ihre Rückrufe reagiere, da kann sie ganz schön grantig werden. Und ja, ich muss zugeben, ein bisschen verstehe ich das. Sie sieht ja nicht, dass ich meistens nur ganz harmlos im Gebüsch herumschnüffle.
Also da gibt es schon einiges, worüber man nachdenken sollte, wenn man sich einen Blindenführhund zulegen will.
Denn wir sind lebendige Wesen und haben natürlich unsere Bedürfnisse.
Und an dieser Stelle muss ich es sagen:
Manu, du bist ein supergenial tolles Frauchen!
Alles Liebe
Euer Louis
September 2026