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Von klein auf ausgebildeter Profi!

Die ersten Jahre eines Führhundes

Letztens haben Manu und ich den Hundezüchter besucht, wo ich geboren bin.

Das war ein Erlebnis. Dort wuseln lauter so kleine Louis herum. Ein Gebelle und Gewinsel ist das, da hauts einem die Ohren raus.
Wie aus so einem quirligen, putzigen Hundebaby ein Blindenführhund wird, darüber erzähl ich euch heute.

Nicht jede Hunderasse ist geeignet für die Ausbildung zum Blindenführhund.
Einerseits hängt das vom Körperbau und andererseits von den Charaktermerkmalen ab.
Ein Chihuahua ist natürlich zu klein und ein Boxer vielleicht zu groß. Ein Blindenführhund muss auch ein wenig Kraft haben, er soll seinen Halter oder seine Halterin ja führen können. 
Ein Hund, der einen sehr starken Beschützerinstinkt hat und nicht will, dass jemand seinem Frauchen oder Herrchen zu nahe kommt, passt auch nicht; der sollte lieber ein Wachhund werden.
Zu begeistert vom Jagen sollte er nicht sein, denn sonst würde er jeder Katze nachlaufen, die ihm begegnet.

Als Blindenführhund sollte man einen ausgeglichenen Charakter haben, sehr menschenfreundlich, wenig ängstlich und vor allem lernfreudig sein.
Schäferhunde (weiße und belgische), Labradore, Golden Retriever, Collies und Königspudel werden am häufigsten für diese Aufgabe ausgesucht.
Es ist zum Totlachen: es hat auch Versuche mit Zwergponys gegeben. Die haben anscheinend ganz gut gearbeitet. Warum sich das nicht durchgesetzt hat, weiß ich nicht.
Wäre schon witzig, wenn plötzlich Ponys in der U-Bahn mitführen. Oder das Frauchen sagt: „Warte kurz, ich muss mein Führpony holen.“ Oder: „Ich muss mit meinem Pony Gassi gehen.“

Wenn ein Hundebaby auf die Welt kommt, bleibt es natürlich einige Zeit bei seiner Hundemama. Das ist sehr wichtig, denn da wird es mit der gesunden Muttermilch gesäugt und kann mit seinen Geschwistern spielen und toben.

Danach wird eine passende Partnerfamilie ausgesucht. Das kann eine ganz normale Familie sein, die einem zukünftigen Blindenführhund für ungefähr ein Jahr ein Zuhause geben möchte. In dieser Zeit bekommt man praktisch die erste Lektion in Sachen Benehmen. Man muss zum Beispiel lernen, dass man nicht das Meerschweinchen fressen, das Tischbein anbeißen oder auf dem Esstisch herumhüpfen darf.
Auch Sitz, Platz und Bei-Fuß-gehen lernt man da.
Es geht darum, vertraut zu werden mit den Menschen und ihren Gewohnheiten und Sitten, könnte man sagen.

Danach beginnt dann die richtige Blindenführhund-Ausbildung. Dazu muss man dann zu dem richtigen Blindenführhund-Trainer übersiedeln.
Für die Partnerfamilie kann das ganz schön traurig sein. Für den Hund natürlich auch. Man gewöhnt sich halt aneinander und hat sich auch lieb.

Ich erinnere mich an meine eigene Ausbildung – ist ja noch nicht so lange her. War eine spannende und anstrengende Zeit. Da gibt es so viel zu lernen. Schließlich müssen wir unsere zukünftigen HalterInnen zuverlässig und sicher führen.

Ich bin ja am Land geboren und hab meine erste Lebenszeit in einem kleinen Dorf bei einem netten Ehepaar verbracht. Das erste, was ich in der Ausbildung lernen musste, war das Unterwegs-Sein in einer Stadt; in Aufzüge, Straßen- und U-Bahnen einsteigen, an großen Straßen mit vorbeirasenden Autos ruhig stehen, über Gitter und Kanaldeckel laufen, cool an anderen Hunden und sehr vielen Menschen vorbeigehen, die Millionen von Gerüchen aushalten, nicht erschrecken wegen eines Presslufthammers und noch so vieles mehr.
Das ist aber sozusagen nur mal die Grundausbildung.
Was wir als Blindenführhund alles können müssen, darüber hab ich Euch schon mal erzählt – das verlinke ich euch: Hier könnt Ihr das nachlesen.

Also es ist ein langer Weg von so einem Fellbündel wie bei meinem Züchter bis zu einem ordentlichen Blindenführhund.

Alles Liebe
Euer Louis
 

November 2026