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Eine Frau hält eine Weinrebe mit großen Trauben in der Hand.
Bildinfo: Trauben im Garten. © privat / Foto zur Verfügung gestellt.

Ein Sommernachtstraum oder Was mir an einem Sommerabend im Garten begegnet

Die Atmosphäre in meinem Garten nach einem heißen Sommertag empfinde ich als ganz besonders. In dieser warmen Jahreszeit strotzt der Garten vor Leben. Tagsüber sowieso aber auch oder gerade in den Abendstunden. Da gibt es vieles zu entdecken.

Los geht’s!

Ich werde Sie auf einen kurzen Streifzug durch mein abendliches Gartenreich mitnehmen. Wir werden uns auf Wahrnehmungen konzentrieren, die den Augen verborgen bleiben; Wahrnehmungen einer Person, die aufgrund ihrer Blindheit auf anderes achtet als sehende Menschen.

Wenn die Sonne untergeht, kehrt zunächst ein wenig Stille ein. Das Brummen der Rasenmäher und das Platschen der ins Wasser springenden Kinder im Nachbargarten verstummt, die letzten Menschen fahren nach Hause und so wird es auch auf den Straßen leiser.
Wenn die Dämmerung hereinbricht, beginnt die Zeit der Nachtaktiven; die Tiere und Pflanzen, die sich nur bei Dunkelheit zeigen, haben ihren großen Auftritt.

Ein laues Lüftchen weht, die Steinplatten des Gartenweges sind noch angenehm warm.
Am Wespennest in der Dachrinne ist noch reger Flugverkehr – die letzten Wespen fliegen nach Hause. Mit gerunzelter Stirn lausche ich dem aufgeregten Brummen. Die Nähe des Nests zu unserem Esstisch macht mir Sorgen. Ich werde es dennoch nicht entfernen lassen, denn diese geflügelten Gartenbewohner haben wichtige Funktionen in der Natur und außerdem widerstrebt es mir, Tiere überhaupt zu töten. Also wird mir im späteren Sommer nichts anderes übrigbleiben, als mit meinem Teller ins Haus auszuweichen.  

Die Vögel gehen langsam schlafen. Zuletzt höre ich das Rotkehlchen mit seinem perlenden oder wie man sagen könnte, tröpfelnden Gesang. Und irgendwo flötet noch eine Amsel ihr sanftes, melodiöses Lied.
Und plötzlich ist es wirklich ganz still.


Überall im Garten öffnen sich die Nachtkerzen. Jede Blüte dieser Pflanze blüht nur eine einzige Nacht lang. Am Abend beginnen sich die Blütenkelche zu öffnen, und im Laufe des nächsten Tages verblühen sie wieder. Sie verströmen einen feinen, leicht exotischen Duft. Damit locken sie allerhand Nachtfalter an, deren Flügelschläge und leises Summen wir jetzt hören können.   

Gerade nachts empfinde ich die Düfte in der Natur besonders intensiv: Da ist der unwiderstehliche Duft nach Heu von den umliegenden Wiesen, der Duft der Lindenblüten, des Holunders und der Rosen.  
Im Vorbeigehen streife ich die Minze und den Lavendel.
Autsch, dazwischen wächst eine Brennnessel, die hatte ich eigentlich ausreißen wollen. Ich nehme mir vor, das gleich morgen zu tun. Wie ich mich kenne, werde ich es wieder vergessen.
Weil ich eine Gärtnerin bin, die viele Vorschläge der Natur annimmt, das heißt, vieles wachsen lässt, wo es eben will, ist so ein Streifzug durch die Botanik manchmal ein wenig ungemütlich. Da gibt es die Brennnesseln, ein paar stachelige Brombeerranken und natürlich Disteln.
Die Weberkarde hat sich etwas zu viel Raum genommen und ihre stacheligen Blätter wachsen frech in den Gehweg hinein. Ich bringe es aber nicht übers Herz, sie auszureißen. Sie ist so eine schöne Pflanze und wird von Insekten wegen ihrer Blüte sehr begehrt. Ihre Blätter sind so angeordnet, dass sie kleine Kelche bilden, aus denen kleine Insekten gesammeltes Regenwasser trinken können.

Auf der gegenüberliegenden Wiese beginnen zwei Rehböcke eine Unterhaltung, ein unvergleichliches Hin und Her von heiseren Lauten. Es hört sich ein wenig an wie das Bellen von Hunden. Worüber die wohl sprechen? „He, das ist meine Wiese! Verschwinde hier!“ Die Antwort: „Ich war zuerst da!“ oder „Hast Du die hübsche Ricke (weibliches Reh) oben im Wald gesehen?“ Die Antwort: „Ja, aber das ist meine!“ In meinen Ohren klingt es meist grantig, aber schließlich beherrsche ich kein "rehisch".       

Was natürlich in Sommernächten auch nicht fehlt, sind die Blutsauger, die Gelsen und Mücken. Das hohe Surren um die Ohren, die Stiche und das Jucken der Dippel. Auf das könnte ich gut verzichten. Aber auch diese Quälgeister haben ihre Aufgabe in der Natur. Sie sind Futter für andere Insekten, Vögel und Fledermäuse.

Ein unüberhörbarer Gartenbewohner ist der Igel. Er schnaubt und faucht, und wenn er durch das Unterholz kriecht, raschelt er so laut, dass ich befürchten muss, ein ausgewachsenes Wildschwein hätte sich in den Garten verirrt. Igel sind bei uns selten. Darum freue ich mich jedes Mal, wenn ich einen höre. Um sie in meinen Garten einzuladen, kehre ich im Herbst das Laub zu Haufen zusammen und hoffe, dass eines der gestachelten Tiere darin überwintert.


Die Steinbank, auf der ich mich jetzt niederlasse, verströmt auch noch die Wärme des Tages. Emil, mein Kater, gesellt sich zu mir. Er möchte gestreichelt und natürlich endlich gefüttert werden.
Plötzlich ein wilder Schrei. Ich weiß mittlerweile, was es ist, und erschrecke daher nicht mehr so. Es klingt ein wenig nach Horrorfilm, ein langgezogenes schauriges Heulen. Die Waldkauze sind unterwegs. Charakteristisch ist einerseits das Hu-hu-huhuhuhuu und andererseits der „Kovit, Kovit“-Ruf. Dieser Laut wurde früher als „Kommit, kommit“ interpretiert und brachte dem Waldkauz damit den Ruf des Totenvogels ein.

Die herabgefallenen Nadeln unserer Föhre duften vor allem bei größerer Hitze und Trockenheit und schicken mich in Gedanken in den Süden, in die Sommerurlaube meiner Kindheit. Ich möchte sagen: es riecht nach Kroatien und Griechenland. Dazu gesellt sich noch das Zirpen der Grillen, für mich auch ein unverzichtbares Sommergeräusch.   

Für das Abendessen könnte ich noch ein paar Tomaten ernten. Diejenigen, die bereits erntereif sind, erkenne ich daran, dass sie sich weicher anfühlen und leicht vom Stängel ablösen lassen. Daneben wächst gleich das Basilikum, das nehme ich ebenfalls mit. Auch dieses südländische Kraut hat einen unvergleichlichen Geruch nach Sommer.

Mittlerweile ist es kühler geworden, die Nachtluft lässt mich ein wenig frösteln. Zeit, ins Haus zu gehen und die nächtliche Welt sich selbst zu überlassen. Und wahrscheinlich beginnt sich der Garten jetzt erst so richtig zu bevölkern, wenn die menschlichen Geräusche und Gerüche verschwunden sind.
Da kommen die Siebenschläfer und Marder – deren Streitgespräche höre ich oft, die Fledermäuse drehen ihre Runden, die Kröten kriechen durchs Gebüsch…
Die Rehböcke keppeln immer noch aufeinander ein…
Das Käuzchen ist weitergezogen. Nur ganz leise höre ich noch das „Hu-hu-huhuhuu“.

Und mir fallen ein paar Zeilen eines Volksliedes ein:
Drent bei der Tannen hint.
Spielt sich der Abendwind.
Zwitschrt noch hoch am Bam,
s`Vogerl im Tram.
(Drüben bei der Tanne,
spielt sich der Abendwind.
Zwitschert noch hoch auf dem Baum,
das Vogerl im Traum)

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